Der Bolo Bolo* Virus kommt!

Kalahari_2012-06-181

*Das ist Bolo Bolo als Buch von P.M. 1983 https://transversal.at/transversal/0805/pm/de

Tag 3 meiner Gedanken
die ich dem Virus
zu verdanken habe
aber dem ich diese Worte
nicht widmen will

Das Problem ist ja “nur”
dass man ihn nicht sieht
oder hört
den Virus

Würde man ihn doch wenigstens
SUMMEN hören
wie Malariamücken
Oder wäre er so gross
wie ein Floh
eine Wanze
oder Zecke

Ein Virus ist es also
Ok
ich dachte
es war eine Quittung
der Natur

Natur teilt immer mal
wieder Quittungen aus
den Dinos eine recht ausführliche
sogar, damals
für die 500 Millionen
Jahre
wo sich Dinos
daneben benommen hatten
in Unfrieden waren
zuviele waren
mächtig waren
und daher wohl auch
böse….

Was auf der neuesten Rechnung steht
ist noch unklar
aber sie wurde höflich
von einer grinsenden
Fledermaus
neulich
irgendwo
der Menschheit
„überreicht“

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Es sind schlagartig
noch verrücktere Zeiten
angebrochen
als wir sie eh schon davor hatten

Alles was jetzt passiert
wird vom Internet
angefacht
vom Internetvirus

Ein Flächenbrand
der eine völlig neue
Ausgangslage
bedeutet

Es geht um „Kleinigkeiten“
Viren
und Bits

Ok, der Planet geht an Arsch!

Kennen wir
bis an Anschlag

in 20 Jahren
vielleicht…

Nun werden die Karten
neu gemischt

Indoor Ausrüstungen
werden populär
Outdoor ist eh jeder Schweizer ausgerüstet
Aber Indoor
sollte man sich nun
vielleicht auch
„ausrüsten“
Die Höhle fit machen für längere
Aufenthalte

Durch Fenster kommen keine Viren!
Wenigstens DAS!
Man sollte sich also unbedingt
mit einer Glaswand ausrüsten
wenn man raus geht

Wenn das nicht klappt
bleibt man besser
drin…

________________________

Drin ist plötzlich nicht
NUR
Kuschelecke
mit Küche
wo man gefrorene Pizzas
in den Ofen schiebt

Drin
da kann man plötzlich Brot backen
aus dem Kubikmeter Mehl
den Susi
die Nachbarin gleich für den ganzen Block
ergattert hat
und Dir nun
etwas teurer
verkauft….

Drin
da kann man bestens ein
Home Office betreiben
Drahtlos
Vom Klo aus

Und dann

Man kann Partys machen
Man MUSS Partys machen!

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Statt Fernseher
statt langweiligem Sex
statt alleine Kochen
statt
in die Stadt gehen

Statt sich dem Mix
vieler fremder Leute
und Hunde
und Autos
auszusetzen

Statt mit Gasmaske
unter Tausenden
in den Zügen
U-Bahnen
Kantinen
zu sitzen

Statt um 8
wie gewohnt
auf der Welcome Matte
vom Büro zu stehen
hüstelnd
Bleibt man einfach WEG!

Und so geht es weiter…

Den Home Office Job hat man subito
bewilligt
telefonisch etwas heiser wirken
(Abends davor eine Flasche Whisky trinken!)
und schon WILL niemand mehr
dass man kommt

Bestens

Die neueste Anweisung des Amtes
für Gesundheit
hier in der Schweiz
heute Abend im Tagesanzeiger zu lesen
Man soll auf Abstand achten!

Also zum empfohlenen Anstand
kommt jetzt der empfohlene
Abstand

Im Guardian liest man von
„Social distancing strategies“

Soziale Distanzierungs Srategien….
Ich befürchte
diese Strategie ist erforderlich
ansonsten
spielt sie in Kürze
gar keine Rolle mehr

Heute stand auch in der Zeitung
dass von nun an
auf Versammlungen
Leute aus China
Südkorea
Iran
und Italien
nicht mehr dabei sein dürfen….

Und/Oder/Oder nicht…
Man einen Fetzen Papier
infizieren darf
mit der Unterschrift
dass man NICHT
seit einem Monat
(oder so…)
dort war

In Italien
Norditalien
Südalpen….

Die Zeiten werden schneller
verrückter
als “üblich”…

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Laut Untersuchung
haften Corona Viren
prima
an Banknoten
und verziehen sich in die feinen
Ritzen der Hightech Scheine

 

Sie verkümmern aber schnell durch Wärme
Die Geldbörse
also BITTE
zwischen den Pobacken tragen!

Interessant ist
dass auf Münzen
der böse
böse
böse
Virus
NICHT lange überlebt

Warum wohl…?

Wegen der Giftigkeit
vom Nickel
in den Münzen

Aha!

Dasselbe natürlich mit Kupfer
Silber
aber NICHT Gold…

Usw.

Dieser Virus
der mir kackegal ist
(jedenfalls FAST…)
löst lawinenartige Veränderungen aus

Von Null auf Corona in sieben Wochen
Schön!

ICH warte auf Veränderung!
ICH?
Schon LANGE!

Aber ich bin auch ein vorsichtiger
Querkopf……

Aber auch ein optimistischer
Schalk

Ich sehe den Virus
wie einen Joker

Ein neuer Trump
plötzlich

Eine neue Geschichte
….die nun beginnt

Die Parabel mit dem Kartenhaus
bietet sich an
mit den Dominosteinen
mit der Ozeanwelle
die bricht
Die Bibel bietet
Unterhaltung
wenn es um solche Zeiten geht

Fakenews
kombiniert mit Corona
ist vielleicht die
Krönung
der Menschheit

Kronen werden plötzlich wieder in
In Schweizer Handwerksbetrieben
der Zukunft
(Sprich: Kellern)
entstehen alle möglichen
Kronen
jeder Geschmack wird bedient
von Prinzessin
bis Bärenjäger

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Die Einbussen in anderen Schweizer Betrieben
liessen sich locker abfedern….
durch die Lancierung
eines
(ACHTUNG!)
NEUEN
Stils….

Von nun an werde ich gefährlich
ich weiss…

Beim Wort STIL
zuckt jeder zweite
Schweizer
zusammen

Die andere Hälfte
räuspert sich
und geht hurtig
weiter

Was man jetzt genau mit STIL
„zu tun“ haben SOLL
(JETZT?)
ist 98,73 Prozent
der Schweizer
und Schweizerinnen
über 50
ein Rätsel

Als ob man nichts
BESSERES
zu tun hat

Ok, das hört nun auf

Eine ganze Moralkulisse
bricht ein !

Ich höre die Deckenbalken
bersten

Ich höre in die Luft raus
und vernehme
ein bizarres
Summen

Eine andere Frequenz
Ein schwarzer Schwan
weit weg
am Kommen

Es vibriert
ganz leicht
der ferne Klang
neuer Trommeln

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Gute Kulturen
entstehen aus
lauter Problemen

Und die haben wir nun
ECHT!

Die guten Kulturen….

Wir haben sie bereits in unseren
Büchern
in den Bildern
ihre Symbole liegen abrufbereit
auf Internet
Wir können den Bambusorgeln
der Malaita Leute zuhören
und es selber lernen

Wir haben die beste Schule der Welt
Youtube und Wikipedia
wir sind bestens vorbereitet
auf den Indoorspass

Mit Virtual Realität können wir besser
reisen
als mit dem Flugzeug

Draussen waren wir jetzt
Hundert Jahre Tourismus
20 Jahre Overtourismus
10 Jahre Hypertourismus
5 Jahre Instagram
1 Jahr Greta
1 Monat Corona
3 Stunden seit der Tip raus ist:
Leute, haltet Abstand….!

Das nützt….
Aber dann:

Social Distancing
führt interessante Überlegungen im „Gepäck“
Für mich
bedeutet es
mit weniger Menschen
MEHR zusammen zu sein

Weil man sonst ja vertrocknet

„Die Allgemeinheit“ ist doch
nur noch stinkelangweilig
wenn man sie in der Masse
ertragen muss
Momentan
März
Winterthur
laufen eigentlich fast Alle so rum
wie man seit 20 Jahren rumläuft

Der Stil
ist verloren gegangen

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Die sichtbare Antwort
auf die berechtigte Frage
der Allgemeinheit:
Wer sind Sie?
(Wer, wer bist DU gefragt wird
hat es noch nicht geschafft….)

Sich erkenntlich zeigen
ist out geworden!

Diese feine Symbolik
der Selbstrepräsentation
gilt als auffällig
– ja, darf es sein! –
aber auffällig zu SEIN
gilt zumindest hier in der Schweiz
als Makel
als eine Schwäche
sich nicht beherrschen zu können
gegenüber den
EIGENEN
Gelüsten…

Achtung Protestantismusalarm!

Gegen den Ubertrend
sich selbst an der Leine
Gassi zu führen
und stilmässig nackt
in Städte zu gehen
um dort Aufregendes zu sehen
oder zu kaufen
oder zu fotografieren
empfehle ich von nun an KRONEN

Ich habe mehrere im Angebot

Die grossen Modelle mache ich auf Mass
es hat Jagdkronen mit Lederapplikation
die gut halten
wenn man auf dem Pferd
durch den Wald galoppiert
hinter einer Wildsau

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Dringend nötig sind in der Schweiz
Erkennungsmerkmale
sonst erkennen uns
nicht mal Freunde
weil wir alle gleich daher
kommen

Hungrig nach ACTION…..!

Durstig nach etwas
vom Folgenden

Bier
Schönheit
Inspiration
Rivella
Interessanten Menschen
Theater
Gute Strassenmusik
Vorbilder
Das Letzte ist aber das Allerletzte
was wir erwarten
in der Stadt

Eigentlich nur Idioten
Einige, Ok, aber sonst…
Oder Alle grinsen
wie in Bern

Aber Vorbilder….?

Die haben wir wohl Alle
und fast Alle davon hocken
in der Youtube Wolke
sind schon lange tot
wohnen am anderen Ende
der Welt
verdienen sich dumm und
dämlich
mit einer idiotischen
Idee…
…und sind Vorbilder
Der Jugend
Der Alten
Der Mittelalten
Der Proletarier
Der Protestanten
Der Kapitalisten….

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Bloss…
dort drüben!
wer DA gerade aus dem Tram steigt
ist SICHER kein Vorbild….
DER nicht!
DIE zu Allerletzt…

Statt Vorbilder in der Familie
oder Nachbarschaft
oder zufällig auf der Strasse
haben wir unsere Vorbilder
eingesperrt
in kleine Maschinen
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So werden wir ratlos
weil der nebenan
ebenso ratlos ist
weil dessen Anwohner
ebenso ratlos ist

Es sind ratlose Zeiten

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Der Rastlosigkeit
folgt die Ratlosigkeit

Das Corona
zwingt zur Rast
Manche erwischts am Pannenstreifen
Arbeitslosigkeit könnte zunehmen
Läden dicht machen
Kneipen zu machen
Festivals ausfallen
Messen
Demos…

DAS IST SCHADE!!!!!

Wie wird nächster
Friday for Future?

Eine lawinenartige Änderung
ergreift die WELT!

Die Luft wird immer sauberer
Fabriken machen dicht
Elektrizitätswerke
drosseln ihre Kohlekraftwerke

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Was nun auch kommt
quasi selbsterzeugt
ist das Grundeinkommen
für Alle

Klar!

Einmal gut gehustet
am Handy
und
man spannt die Hängematte aus Thailand
legt sich rein
hört Musik

Oder man macht Kronen
und verdient seine Kröten
so!

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Die Krone
im Corona
darf man nicht vergessen….

Die Dinger sind schön!
Chapeau!
Ein hübsches Virus
begehrt uns zum Fiebertanz
Mit etwas Humor
und gut gefüttert mit Früchten
ist das ganze ein Vogelschiss
im Leben
Vielleicht auch der Letzte

Es gleicht einer Lotterie
wo Alte schlechte Karten
haben
Plötzlich könnte ich mich
alt
fühlen….
Tu ich aber nicht!

Die Krone wird also verlost
Da haben die ganzen Lottospieler
ein Vorurteil
glauben sie ja auch immer
dass sie gewinnen…
Und jetzt geht genau denen
die Panik
weil sie Angst haben
zu verlieren

Dabei haben sie immer verloren….
Ich stelle mir es so vor
dass plötzlich alle Nachbarn
ganz lieb werden
und uns regelmässig
zu Home Parties einladen
werden….

Um die Social Distance
zu wahren
Das tönt kontraintuitiv
aber macht Sinn

Jeder Wohnblock
ein eigener Sozialkreis
eine eigene Dose Luft
eigene Dachgärten
eigene Flagge
ja
ein eigener Staat
mit eigener
Währung

Münzen
die im Keller gemacht werden
von starken Frauen

Etwas
mit dem man tauschen kann
untereinander
als auch mit anderen
Bolos

Was seit 30 Jahren und mehr
im Buch “Bolobolo” von P.M. steht
(Nachtschattenverlag Zürich)
ist eine gute Anleitung
entstehende Krise
zumindest
abzufedern

Empfehle ich Jedem
zu lesen!

Die Zeit bietet uns bald
nur noch die Möglichkeit
mit Wenigen
unsere Zeit zu teilen

Warum dann nicht mit Freunden?

Wer die nicht hat
unbedingt ANSCHAFFEN!
Nun ist es aber LEIDER
so….
dass wer nach Freunden
Ausschau hält
eigentlich grotesk
unterinformiert wird
im Erkennen von Leuten
die EBENFALLS Freunde
suchen….

Hierfür empfehle ich
eine Krone!
Für die sozialen Düsenjäger
die rein zufällig nur an Arschlöcher
geraten

Schwerverletzte
Liegengebliebene
Ausgestossene
Plauderfreudige
Weltgewandte
Soziale Düsenjäger
mit Budget
können sich auch etwas
diskreter „outen“
mit einem Schmetterling am Ohr
als Zeichen
dass man keine Raupe mehr ist…
sondern geschlüpft

Oder süsse Schlangen für Männer
Ohren

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Hallo
Ich suche eine grüne Mamba!

Ein Affe am Ohr
den man im Tram gut von Weitem
sieht:

„Du Jane, ICH TARZAN!“
Keine Kunst geht näher
als Schmuck

Ich experimentiere seit
Langem mit Schmuck

Was ist schon Schmuck?
Alles, was für eine Krone
zu klein ist

Alles
was nutzlos
und schön ist
und man mitnehmen kann

Schmuck ist Nomadenhaft
aber auch schön
im Zelt getragen
in der Höhle
oder dem Balkon
eines Hochhauses
in Zürich
unter guten Freunden
die gleich vis a vis wohnen
oder im Keller

Die Zeit könnte uns schnell
zwingen
Bündnisse einzugehen
„Der Staat“
könnte schnell alle Hände voll
zu tun kriegen
in welcher Form
genau
weiss man noch nicht

Also gewinnt die Wohnung
oder Haus das man/frau bewohnt
unglaublich an Wert
Es ist kein Krieg
wir müssen nicht raus
sondern rein
Tür zu

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Kinder sind auch immer mehr zuhause….

Ach, wie gönne ich ihnen das!
Dieser ganze SCHULSTRESS
ist ja echt absurd!
Eine Webseite
ersetzt doch locker die Schule heute

Aber erzählt das mal
den Lehrern
und Lehrerinnen

Die fassen ich an den Kopf
obwohl
eben!
Wir geraten in eine perplexe Ratlosigkeit
die angeschossen
wie die plötzliche Gicht
uns langsam macht

Der Mensch geht plötzlich am Stock

Ich find das besser
als mit dem Bentley rumzufahren

Und Stockschnitzer könnte ein trendiger
Beruf werden

Wozu die Eile
fragt man
die Zeit
plötzlich

Wir dachten
erst in 20 Jahren
fliegt die Scheisse
in den Ventilator

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Es hat mir teils Vergnügen gemacht
diese Zeilen zu schreiben
aber nicht nur

Es sind krasse Zeiten
waren krasse Zeiten
und werden krasse Zeiten

Ich gebe nur meinen Dijon Senf
dazu!

Guten Appetit
und happy PARTY!

Es wird schon schief gehen

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Der Schwarze Schwan

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Halli Hallo Freund und Feinde
Der Schwarze Schwan landet
gerade mal wieder….

Ihr kennt ja sicher die Theorie
vom Schwarzen Schwan

Wenn nicht
Wikipedia hilft
https://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan_theory

Sonst hilft aber nicht viel
wenn ein Schwarzer Schwan
über der Menschheit
zum Landeanflug ansetzt

So wirklich gelandet
ist er aber noch
nicht

Auch 9/11 war ein Schwarzer
Schwan
Und Facebook

Die Theorie geht so:
Geschichte ändert sich
schlagartig
durch Dinge
mit denen NIEMAND
gerechnet hat

Aber
(und daher bieten Religionen
NIE Schwarze Schwäne…)
Aber im Rückspiegel betrachtet
war alles LOGISCH
erklärbar
Macht alles nicht
den Eindruck
eines Wunders
(worauf sich Religionen stützen, das nie Erklärbare…)

Fast Alles ist bereits
durchschaut

Fast

Ein Wunder vermutet
dahinter (z.Bsp. Corona)
echt
Niemand

Wer Niemand ist
habe ich in meinem
gestrigen Essay
grob (mit einem Hammer…)
entwickelt ( https://thinkwreck.wordpress.com/2020/03/02/niemand-macht-mir-angst/ )

Ich setze fort….

Niemand wundert sich
Das blinde System
die Wirtschaft
wundert sich…

Börsenhändler
reiben sich die Augen
dabei sollte man sich nicht
ins Gesicht fassen

Gestern ist eine mir
nicht sonderlich sympathische
Bundesangestellte
des hohen Hauses verwiesen
worden
weil sie eine Maske trug

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Die Zeit
zwischen dem Verbot
im Bundeshaus Maske zu tragen
und der Verpflichtung
Maske zu tragen
kann recht kurz sein

Dies wäre der endgültige
Beweis
dass in der Schweiz
Dinge entweder verboten sind
oder Vorschrift

Ein schwarzer Schwan
kommt wie gesagt geflogen
Die Psychologie
wird zur Königsdisziplin
der kompletten
Menschheit

Die Massenpsychologie…

Die Virologen
haben dagegen
ein leichtes
Spiel

Ihren Feind
haben sie
klar vor Augen
Und ja
sie HABEN einen Feind…

Sars virus

Wie anders
die Psychologen
Haben nix
als „den Mensch“
multipliziert
mit acht Milliarden

Viel Spass Ihr Psychologen!
Auch Euch bricht eine neue Zeit an!
Auch Euch
rumpelt es im Boden
wenn der Schwarze Schwan
gelandet ist

Wie damit verfahren
wenn Menschen
urplötzlich
gefährlich sein können
ohne
dass sie böse sind
oder schlecht

Was
wenn Menschen so
gefährlich werden
dass man sich ihnen
nicht nähern darf
und wenn man MUSS
dann mit Maske
Schutzbrille
Handschuhen
luftdichten
Overalls

Um Selbige
an Sauerstoff
anzuschliessen

Aber man weiss
das geht ja noch…

Wieder eine Realität
die eben noch ein
Videogame war

Superspreader
statt Supermann
„Social Distancing Strategies“
Drei alte Worte
neu kombiniert

Hier redet nicht
der grosse Bruder

Hier redet Niemand
250px-Keine_Macht_für_Niemand

Hier blubbert das System
hilflos
vor sich her
Komplett neue Regeln werden aus dem Boden
gestanzt

Spitäler in einer Woche erbaut
Turnhallen
„umgenutzt“
in zwei Tagen

Alle drei Tage
verdoppeln sich die
Fälle

Psychologisch
ist das höchst
interessant

Wir stehen nicht nur
vor einer weltweiten Pandemie
sondern einem allgemeinen
Stresstest
der Aufklärung
der Moderne
der Demokratie

Kurz: Unserem logischen Verstand

Ab wann
frage ich mich spasseshalber
sperren sich die Gesunden
ein
statt dass die Gesunden
die Kranken aussperren?

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Diese Frage kann schnell
hoch kommen
aber sie zu beantworten
wird unmöglich
Unsere Moral
war auf etwas nicht vorbereitet
was logischerweise
passieren MUSSTE

Auch ohne Verschwörungstheorien
Bla Bla

Dass im realen Konflikt
Mensch gegen Natur
die Natur auch ihre Abwehrkräfte besitzt
war erwartbar
Wir wussten aber nicht
welche diese GENAU sind…
Oder hatten keine Angst
weil der Klimaschock ja erst in
20
Jahren kommt…

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Nun sind es also die
Fledermäuse
die der Menschheit
dieses originelle Virus
mitgebracht haben
aus der unergründlichen Tiefe
der Evolution

Hallo Virus
Niemand freut sich auf Dich!
Ausser die Natur, klar!
Zu der wir Menschen
ja nicht mehr gehören

Niemand freut sich gar nicht
das blinde System nämlich
die Wirtschaft
die Shopping Malls

Niemand freut sich
dafür haben Alle
urplötzlich
Angst

Früher
also vor einem Monat
haben sich Viele gefreut
und nicht Alle hatten Angst

Niemand – also kein Mann,
keine Frau, kein Kind –
freut sich
Das wäre dann aber
immer noch…
verdammt viel
DAS sich freut!

Die Luft über China
zum Beispiel
Die Luft über
Kreuzfahrtschiffen
wenn ihre Motoren nicht laufen

Es freut sich also
Nur WIR nicht….

Aber warum denn eigentlich?

Wollten wir nicht
immer
unabhängig sein
autark
wir starken Brüder
starker Schwestern?

Also rein in die guten Stuben
und in Gruppen von
acht bis fünfzehn Leuten
enge Verbindungen knüpfen
Im Privaten organisiert
ob kommerziell, oder nicht
ist egal

Hauptsache zurück in die Höhle!

Hauptsache nicht REISEN…! ( https://de.scribd.com/document/222567941/Reisen-in-Zeiten-der-Auflosung )

Kurz mal Stillstand üben
wenig essen
aber genug Wasser trinken
vom Hahn

Medien zurück fahren!
Obwohl der Corona Virus
nichts mit dem Internet zu tun hat
führt er zu einem Übermass
an Information

Das ist schon länger so
aber
urplötzlich…
betrifft es insbesondere
Jeden
und insbesonderst
die Alten über 60
(Ich bin 64)

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Ok
Aber trotzdem mache ich mir
jetzt nicht in die Windeln wegen dem
Ist halt so

Besser
als wenn es primär Kinder
beträfe

Vielleicht mausern sie sich zunehmend
zu „Superspreadern“
nachdem Superman und Spiderman
nicht funktioniert hat….

Echt! Die Psychologie…

Hier entsteht ein
Generationenkonflikt
in neuer Geschmacksrichtung

Die Alten schieben Panik
die Jungen gehen an Flohmärkte

Ich war letzten Samstag
am Flohmarkt Kanzlei
in Zureich

Zu reich ist eine Stadt
wenn man Nerzmäntel
für einen Fünfziger
kriegt

Es herrschte die beste
Stimmung
die man sich vorstellen kann!

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Ein Gewühl von Menschen
aller Nationen
Generationen
Hautfarben
Frisuren
Sonnenbrillen

Es war ein berauschender Tag
Sandys Schmuck lief gut
Es konnte Jeder sein Lachen
zeigen
Mit Maske wird dies kaum mehr
möglich sein
Ob er nächsten Samstag
auch durchgeführt wird
ist noch nicht sicher….

Immer tiefer rutscht die Zahl
in der Versammlungen noch
durchgeführt werden dürfen

Momentan 1000
hier in der Schweiz

Das blinde System
will uns trennen
was aber auch seine guten Seiten hat
Rückzug, Pause machen, Dinge ordnen
hat noch keinem System geschadet
Vielleicht lernt es
wieder zu sehen

Die von uns Allen
teuer gemieteten Höhlen
müssen unbedingt wieder
mit Höhlenbildern dekoriert werden!

Malen zuhause
oder im Park
oder am Fluss
alleine
ist gesund

Uns hat das blinde System
die Kreativität
ausgetrieben
Wir leiden an zu viel weissen Flächen
die uns angähnen!
An zu viel Beton
ohne Pflanzen

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Wir stecken voll Ideen
aber versuchen sie
zu „beruhigen“

Wir stecken voller
Kindlichkeit
aber schämen uns fast dafür

Wir sind Alle Handgranaten
der Kreativität
aber ziehen nie den Zünder

Wir verlassen unser teuren Löcher
um in anderen teuren Löchern
unsere Tage zu ruinieren

Wir sind angekettet
an ein blindes System

Wir sehen
aber uns fehlt System

Also vertrauen wir lieber
auf ein blindes System

Es ist nicht funktionell blind
aber ästhetisch blind

Es ist das Protestantische System
die damit entstehende Aufklärung
die dadurch entstandene Moderne
die den Zweck
heiligt

Und der Ästhetik
au revoir
gesagt hat

Wir haben ein Protestantisches
Problem (Mehr dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_Geist_des_Kapitalismus

Die ganzen Madonnas an den Wänden
der Leute

Sie fehlen!

Die Brunnen mit den SCHÖNEN Figuren
Sie fehlen!

Die ganze FARBE
fehlt!

Nur was blind ist
trägt keine Farben mehr…

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Es WUCHERT nichts mehr
(ausser in Wuhan)
Jeder Stadtpark ist kahl rasiert
und Laubgebläsegeblasen
Keine Biene soll den Bürger
ängstigen
kein loser Zweig
ihn aus seinem schnellen Schritt
zwingen

Protestantisch soll es vorwärts gehen
Marsch Marsch! An die Arbeit
Mädel
Bub

Wir Schweizer
sind das geborene Volk
ewiger Kinder
Wir können froh sein
über erwachsene
Eriträer!

Über geschäftstüchtige
Türken
Über risikofreudige
Thailänder

Wenn unser blindes System
abkackt
werden es die Ausländer sein
die noch volle Läden haben

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Sie kennen noch die wichtige Sozialregel:
8-15 Leute schaffen ALLES!
Erstens: Weil sie keine Hierarchie
brauchen
und zweitens:
Weil sie gerade knapp so klein sind
dass sie ein Geheimnis
bewahren können

Aus diesem Grund sind Gruppen
von 8-15 Leuten so stark
Nichts stärkt stärker
als Geheimnisse
mit Anderen

Und nichts flösst mehr Misstrauen
aus, als Gruppen dieser Grösse…
Bei Tausend, oder Zehntausenden
gibt es keine Geheimnisse mehr…

Und immer dann braucht es eine Greta
(Übrigens, die ist auch ein
Black Swan Effekt „in the making…“
Für MICH ist sie eine Granate voller
bunter Konfetti
die die versammelte Wirtschaft
getroffen hat, in Davos, etc.
Greta is Great! Klar! Ein vielleicht
extrem wichtiges „Element“
in der menschheitsweiten Übung
“die Kurve zu kriegen”

Geradeaus
ist eine feste Mauer

So sehen wir plötzlich mit geschärfter
Optik
den globalen Moment

Zürich bis Golf von Guinea

Wir versaufen seit Jahrzehnten
in Mediensperma
wo uns vom kompletten Globus berichtet
wird
minus Allem
was uncool ist….

Aber voraus blickend
ist die Frontscheibe
vom Menschenbus
ganz schön verklebt

Eigentlich hängen dort
die Markenzeichen und
hübsche Tahitifotos mit
Segelschiffen
Invinity Pools
Slogans…..

“Weiter so!”

“Immer geradeaus weiter!”

“Vergesst Alles
was nicht WIR sagen…!”

“NIEMAND ist Euer neuer Herr!”
Verstanden?

Wer den Blick nach vorne
haben will…
Kleiner Tip:
Es ist Nacht
Und die Scheinwerfer
sind kaputt

Dazu fahren wir
gefühlte
270 auf der falschen Seite

Vorne holpert es
Hinten ist gut gefedert
Der Blick aus den Seitenfenstern
ist herrlich
Die Sonne geht auf
die Sonne geht unter
Vögel kommen
zurück
auf die Strassen
und picken sie sauber

Gärten verwildern
Verbotsschilder tragen Blumen
Es summen
die Bienen

Und auf den Balkons
der einst nur zum Schlaf
benutzten Wohnungen in
Städten und Dörfern
summen Leute
vor sich her
Neue Töne
neue Melodien
alte Melodien
aber Melodien

Etwas Traurigkeit
scheint in ihnen zu stecken
über wie schnell
sich die Zeit
ändert

Und von Balkon zu Balkon
wird gesummt
Und wie ein krasser Traum
erinnert man sich an früher
an 2019

Und grillend
wird gesummt
und lachend
geschmatzt

Nicht DIESE Zeit ist krass!
Jedoch die
davor…

Was jetzt passiert
ist eine Erkältung
die sich Viele zuziehen
und wo es Vereinzelte gibt
die den Sonnenschirm
zumachen
vor Allem über 90 jährige
mit Raucherbeinen
die im Spital am Schlauch hängen

So what?

Die ganze Geschichte
schreibt die Natur

Wer gute Augen hat
liest immer etwas mit….

(Geschrieben 3.3.2020)

 

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Nobody scares me!

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Nobody scares me

Nobody listens to me

Nobody is watching me

Nobody knows where I am
Nobody is small and big
at the same time
Nobody is invisible
but maybe there
So “Nobody” stresses me a little
bit…

I like to be alone …

Nobody should be there
but
I feel that Nobody IS there….

so I’m not necessarily
alone

Nobody might look over my
shoulder
now that i’m writing
in a basement
alone
with coffee

Nobody listens to me
when I whistle

Nobody should stay nobody!
I reckon

It should be so!

Finely said
I don’t want to have to do
with Nobody

That is appropriate
from time to time

Time changes

Nobody changes too…

Nobody splits up
like a tree
that was struck by lightning
splintered
in different “Nobodies”….

And where the tree
Nobody
grew straight into the sky
Where Nobody owned Nobody

Nobody shoots us
all of a SUDDEN
with needle fine splinters
around
our ears!

Nobody has become relative

Dangerous

The news are shouting up LOUD
from around the world
Booming
loudspeakers
drones are filming

And nobody is happy
Especially the nobody
that nobody knows!

They rub
their Little
hands and rob
our time
from afar….

Nobody was finely
hidden
in the architecture of our
so called “modern” technology

Nobody is stuck now…

Since Nobody
POOPS our party
“mankind”
anonymous gears
that belong to Nobody

The existence
of Nobody
– the guaranteed absence
from Someone –
we don’t have anymore
as chosen mode of life

The connection
The network
in which Nobody sits
overlooks us all

Nobody got offspring
and keen eyes
so Nobody
recognizes us!

__________________________________________

Oh, how wonderful! Now with masks please!
Let’s sing a song, friends!
Under our masks….
Nobody recognizes us!

Let’s get drunk! Let us dance!
A new time has sprung up
like an anti personal mine
we accidently stepped on

Let us dance! And keep 2 meters apart!
(6 feet, for my American Readers…)
Let us dance! To ten, to twelve people!

Let’s celebrate the Lord’s Supper! On our balconies!

Nobody is more afraid
– than ever!

Let’s retreat
in our pretty stone caves
which we have beautified three centuries

so that man / and Woman (not Children…)
no longer WANT to leave
the house

Why actually work
if Nobody likes to work?

Nobody should go to toil!

_______________________________________________

Then:

Prefer to DO it
instead of working…

Be a DOER!

Who does
wins!

Wer macht, hat Macht
Who makes has might
And courage!

Time changes
as already indicated …

Once fun-oriented
97% primates
crouch in front of screens
and Nobody is afraid
because Nobody sees Nobody

The “Sachzwang”, der Ältere …
(the constraint of the will of Things (Sachen))
the OLDER…

Which CAN make sense! Yes!

But Nobody is NOT wondering …
where THIS journey is going
which “follows”
Sachzwänge…

And this is the problem:

Nobody – pure and simple –
deconstructed to the max
is an ISLAND….
in the Caribbean,

Nobody is a remote control
by the wireless
tireless
“triad of enlightenment”
kept under pressure
like a steam engine
under the three assumptions of “modernity”:

(Namely: 1. “We could” … 2. “I can” … 3. “You have to” …)

So
that every “fart idea”
which can technologically
be farted
will be farted out in China
– in rational, logical, clear like Newton ways! –

…to ideally
make the new fart
an “It product”
inflate it
to a “cultural constraint”
then plight, finally predicament

with monthly payments

Conditions apply

Ask your Oldsmobile dealer next to you….!

————————————————————————————–

Dance, people, dance!
(I say, Friedrich Nietzsche said, recommended by the complete
Evolution)

Change the music
and everything will go well!

Do not panic
on the Titanic!

Wear pretty life jackets
with lovely panpipes
should you need help
and Nobody hears you
not…

Rent pretty basements
all under cities
go underground
and stay aloof in same time!

Unbuckle
weight
that Nobody wants to transfer to you….

Nobody IS to blame!

We overslept a couple of
decades
but now
we wake up

Don’t laugh at anyone!
Really not!
But laugh a lot
WITH your next door neighbor

Take good care of OVERLY precious humor!
More threatened than nature
is uniquely
our laughter!

Whistle at Nobody
but TRULY modern please!
With pan flute

Wake UP the house
in which you live
gently
with a hiss

In 20ies style
with flowers in one hand
as usual…
And if needed
with the pickaxe, broom,
or a good hammer in the other hand

Also philosophize with the hammer!
This advise is old and proven

Deconstructions start
with a good hammers blow
against the zeitgeist
against the moral of the times
against the time’s technology

Morality is petrified
so it breaks like glass…

Only…. THEN… can you not SEE moral
No more…!

And I see you pounding blindly
in all directions
without hitting
what you aimed for

(What an unfunny game,
Nobody like us to Play…)

The transparent
therefore invisible
High tech morality
in March
2020

This convoluted mix
between political correctness
and artificial “”””Intelligence””””

Is hard to hit…

____________________________________

So I’m scared like shit of Nobody

 

 

 

 

 

to report
what’s going on in a basement
with good lighting
and a coffee machine
and virtual reality glasses

 

 

 

what
can be observed
from a safe distance

And in the neighborhood
where all “someones”
live and they too
are not to afraid of Nobody
– but without knowing
what Nobody
has become…

_________________________________

Butterflies in the early
spring wind

will land on your ears
Mes Dames et Messieurs!

I hereby recommend myself as
“Writer in residence”,

but not home
not “residenced”
in a special area,

but definitly in a special time

________________________________________

With wings of long, colorful feathers
I tickle your senses more awake
Girls and Boys

The “Twenties” are here
and I see you asleep!
I beg your pardon?

I BEG YOUR PARDON…?

A new time has broken
right under the soles
of our sneakers

Do you feel the new fissure
the new Gap
the tremendous radiation
into the future
in what happens
NOW?

But secretly, like a Tailor of India
sitting with crossed legs
stitching a robe for peasent
I hand down the deepest SECRET
of Humanity.
Which is:

Time changes with fashion!

If this IS true:
We stopped
in an utopian-colored
“Rational Socialism”
around 30 years now
it beats us
in the head!

Everyone is (professionally) committed to rationality,
as well as the idea of ​​equality, as a wish
to justice for all

See Universal Human Rights

In both we FAIL…

Secretly….

______________________________________________________________

Packed in black sleeping bags
Babies in black strollers
Old ones in black Oldsmobiles
Young ones with black cell phones
Managers in black shoes
and Bernese under black hats
we (……) say to the IDEA of ​​art
“Lick ass!” “Go fuck yourself!”

Adios Amigos, dear artisans,
Artists, panpipe players
the “well behavers”
point out:
For YOU
the social welfare is responsible…
Get lost!

Or move in the Louvre (in Paris, for Dummies)

We keep art off our body
away from our faces
as if it STINKS….

The clothes drab and one colored
no jewelry
functional jackets
black
And FINISH is the modern main stream follower
of Nobody!

No colored scarfs, please! And if so, then exclusivly
“Bernese rainbow”, Bordeaux over dog shit brown
to Priesthood black

Or red ties
in our sacred West
the land of the chosen

___________________________________________________________

Nobody wants to stand out
but HOPES at the same time
EAGERLY !!!!!
that RIGHT NOW something
showy
HAPPENS!

The “West” is caught in
expectations
that SOMETHING

happens….

Right next to him
or her

Nothing tragic
but things
(or people)
that are interesting
to feed the soul
with regular grains
filling our life
like a fruit bascet

But just….

where can you find
“Interessanz”?
“Interestingness”?
The essence of the
unexpected
The bloodline
of everything interesting
stimulating
inspiring
dream enhancing…. THING?

Where….?

Since…., from the “niche of unobtrusiveness”
looking out
one expects stimulus
from the outside
like babies
expect breast milk
from their mothers

symbols

Or real stuff

Interesting. Rough, fascinating, moving, colorful, maybe singing birds, or ten thousand bats in the sky
That is, when you start to grow!

A swarm of something else
around you

Or a secret sparkle
in the rock
you climb

The scent of the Corsican mountains
or the thunderous sound of breaking surf
in Kalaupapa

We only think
in memories

We are almost blind in real time
awareness

Our mind is a patchwork of hindsights
laced together by personal will

After moments
we already start looking BACK…

Not only what happens in the future
Nobody knows
Also what happens NOW
Nobody knows

“Look ahead!” is the schizophrenic slogan
of our titanic time

What is over
should be forgotten
quick!
even if it affects 300 years

The broader we focus on interesting things
the deeper we live, and wider, higher, fuller!
And longer in the number of chapters of ours
Life stories

We should live at least a library !

 

Only boredom
the absence of anything interesting
– forgive my naughty thesis –
is the half brother
of enlightenment
(of Protestantism boredom is
the other “half brother”)

“Everything we see through is no longer of concern to us”
Friedrich Nietzsche

__________________________________________________________

Like a “mysterious somebody” around 1885
at a railway station
(Patient Zero in this brief description…)
who had asked somebody
“What is the time, Sir?”

And the respondent
at the waiting room
of this train station
of times past
– accidentally a retired Professor –
starts
… decipher the time….. As SUCH….

Actually, the poorest man (or was it a Woman?)
who wanted to know the time
just wanted to know the time
so he, or her did not miss her, or his train….

(It was also the birth hour of “Social Perfection”…)

However, politely how
only he, or she was, he, or she
kept on listening
about time
“in General”

And what all
this really
means…

A Century, or more has been stolen
by this
Patient Zero
(from mankinds strictly clocked
time on earth…)
in LISTENING to the “true meaning”
of time….

_______________________________________________________

We are still at that
one
railway station
We are still listening
about time
we still have not catched
the train

We only wanted to get the
train
towards reason
enough food, a warm house,
not more….

We see this train no more
It does not stop
at train station Zero

But “we” feel
( NOT)
how many millions
of trains
we have missed
Out
into reality…
Which departed
for a hundred years

We are still children of courtesy
we are still still
when a professor speaks
about time!

We’re starting to see through practically
everything
a primate brain CAN see through
… without becoming GAGA!

Maybe we are already …

Because….
(And here comes the bold
punchline
of my pointed words):

DID we free ourselves
from the dictation of the hymn book…
just
to subject our souls a Century later
under the “dictat” of a small machine
– in size and color
suspiciously
like the hymn book…?


(Also in function maybe…?)

—————————————————————-

We might overlook
that we’re changing our dark age
of  symbolism
into an even more “Symbol PACKED” age
of images, memes and street signes
vids and logos
powerwords and other
distractions
from REAL “reality”…

Maybe we “Slipped” into this “age of Symbols”
(age of lies…)
By MISTAKE

That would be horrible!

Actually, “THE logic” was it not
MEANT
for the purpose of improvement
OF (and not ON…) the “human condition”?

Was it not the main dish on the menu of modern times?

Was it not the central course? The guidance of thinking?

And not a “net”
Of externalised symbols
Nothing more
NIX else!

Small “Gugus Dadda” appliances
nothing more!
to keep the sheeps in a good mood

“Walky Talkies”
we called it
in the Sixties

As the obvious
still spoke to us
As the close
still had a voice

__________________________________________

Nobody would have dreamt of it
that from such a “rascal” and SIMPLE toy
something “serious” would evolve

Where suddenly Nobody is listening anymore
Nobody is reading (anymore)
Nobody knows where you are (anymore)
Nobody is watching you (anymore)
– no god at least… (maybe)

Nobody cares
when I go on a monday
on a litteral feeding frenzy
of white – virgin – paper

in my basement

fire up my kiln with strong words
cut down in my private jungle
of wordly possibilities:

“Nobody concerns us all!”

Who – the HELL – is “Nobody”?

Nobody belongs under the most painstaking observation
of all – Somebodies! I reckon, with a big grien on my face….

The absence of Someone
suddenly
doesn’t mean
that Nobody is present
anymore…

______________________________________________________________________

So: Nobody feel scared…!

I found WORDS like war axes
and I sharpened them
at a river

I left my war axes in this blog
Pick one up!
Feel FREE!
Think with a hammer
and live gently!

Good luck!

_______________________________

Written March 2, 2020

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Niemand macht mir Angst!

 

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^^^^^^“““““““^^

 

Niemand macht mir Angst
Niemand hört mir zu
Niemand beobachtet mich
Niemand weiss, wo ich bin

Niemand ist klein und gross
zugleich
Niemand ist unsichtbar
aber vielleicht doch da
Niemand stresst mich also ein ganz klein
bisschen…

Ich bin nämlich gerne alleine…

Niemand soll da sein
aber
ich spüre, dass Niemand da
ist
also bin ich nicht unbedingt
alleine

Niemand blickt über meine
Schulter
jetzt, wo ich schreibe, denn
ich bin offline
in einem Keller
alleine
mit Kaffee

Niemand hört mir zu
wenn ich pfeife

Niemand soll Niemand bleiben!
Es gehört sich so!
Fein gesagt
ich will mit Niemandem
nichts zu tun haben
Auch das gehört sich
von Zeit zu Zeit

Zeit ändert sich
Niemand ändert sich
Niemand spaltet sich auf
wie ein Baum
der vom Blitz getroffen
zersplittert

Und wo der Baum
Niemand
kerzengerade in den Himmel
wuchs
Wo Niemand Niemandem
gehörte
ballern uns die Niemanden
plötzlich
mit feinen Splittern um die
Ohren

Niemand ist relativ geworden
Gefährlich

Es ballern die Nachrichten
aus aller Welt
Es dröhnen die
Lautsprecher
Es filmen die Drohnen

Und Niemand freut sich,
Insbesondere die Niemanden
die Niemand kennt!

Reiben sich
ihre kleinen
Hände

Niemand hat sich gut
versteckt

In der Architektur unserer
Technik
steckt Niemand

Aber Niemand macht so sehr
unser Fest
Mensch
runter
wie anonyme Zahnräder
die Niemandem gehören

Die Existenz
des Niemand
Also die garantierte Abwesenheit
von Jemand
haben wir nicht mehr

Die Verbindung
Das Netz
in dem Niemand hockt
übersieht uns Alle

Niemand hat Nachwuchs gekriegt
und scharfe Augen, damit Niemand
uns erkennt!

Ach, wie herrlich! Jetzt mit Masken bitte!

Singen wir ein Lied, Freunde!
Unter unseren Masken….
erkennt uns nicht mal Niemand!

Betrinken wir uns! Tanzen wir!
Eine neue Zeit ist hoch gegangen
wie eine Tretmine!

Tanzen wir! Und halten 2 Meter Abstand voneinander!
Tanzen wir! Zu Zehnt, zu Zwölft!

Feiern wir Abendmahl! Auf unseren Balkons!
Niemand macht mehr Angst
denn je!
Ziehen wir uns zurück
in unsere hübschen Steinhöhlen
die wir drei Jahrhunderte so überhübsch
gemacht haben,
dass man/frau das Haus
gar nicht mehr verlassen möchte

Wozu eigentlich arbeiten
wenn das eh Niemand gerne
macht?
Soll doch Niemand schuften gehen!

Dann schon lieber machen
als Arbeiten

Lieber Macher sein
als Arbeiter

Wer macht
hat nämlich…
Macht!
Und Mut!

Zeit ändert sich
wie bereits angetönt…

Einstmals spassorientierte
97% Primaten
hocken vor Bildschirmen
und Niemand hat keine Angst
weil Niemand ihn sieht

Der „Sachzwang“ , der ältere…

Der durchaus Sinn machen KANN

Aber Niemand fragt sich nicht…
wohin die Reise geht

Und DAS ist das Problem:

Niemand ist eine Insel
in der Karibik,
von der drahtlos ferngesteuert
dem Dreiklang
der Aufklärung
Dampf gemacht wird

(1. Man könnte…. 2. Man kann… 3. Man muss….)

Auf dass jeder Furz
den man technologisch hinfurzen kann
in China furzen gelassen wird

– rational, logisch, klar wie Newton ! –

um im Idealfall
den neuen Überfurz
zum It-Produkt
aufzublasen,
zum “Kulturzwang”
mit Monatsabrechnung

Tanzt, Leute, tanzt!
(sage ich, sagte Nietzsche, empfahl uns die komplette
Evolution)

Ändert die Musik
und Alles kommt gut!

Nur keine Panik
auf der Titanic!
Tragt hübsche Schwimmwesten
mit lieblichen Panflöten

Mietet Euch hübsche Keller
schnallt ab
die Last
die Niemand Euch übertragen WILL….

Niemand ist schuld!
Aber Alle waren wir Schuld
Streckt Niemand die Zunge raus!
Ihr könntet Euch selber sehen…

Lacht niemanden aus!
Echt jetzt!

Aber passt gut auf den Humor auf!

Bedrohter als die Natur
ist einzig
unser Lachen

Pfeift auf Niemanden
aber bitte modern!
Mit Panflöte

Zwanzigerjahre Stil
mit Blumen in der Hand
wie gehabt…
Und wenn es sein muss
mit der Spitzhacke, Besen,
oder einem guten Hammer

Philosophiert auch mit dem Hammer!
Dieser Tip ist alt und bewährt

Dekonstruktionen beginnen gern
mit einem Hammerschlag
gegen den Zeitgeist
gegen die Zeitmoral
die Zeittechnologie

Ist die Moral versteinert
bricht sie wie Glas

Nur sieht man sie dann auch
nicht mehr…
Und hämmert blind
in alle Richtungen
ohne zu treffen
auf was man abzielte

Die gläserne, durchschaubare,
daher unsichtbare
High Tech Moral
im März
2020

So habe ich vor Niemand Angst,
darüber zu berichten,
was sich in einem Keller
mit guter Beleuchtung
und Kaffeemaschine
und Virtual Reality Brille
alles
beobachten lässt

In der Nachbarschaft
wo lauter Jemande
wohnen und sie auch
vor Niemand Angst haben
aber ohne es zu ahnen
was aus Niemand
geworden ist…

Mit Schmetterlingen
die im frühen Frühlingswind
auf Euren Ohren landen werden,
empfehle ich mich hiermit als
“writer in residence”, beheimatet nicht
in einer speziellen Gegend,
aber einer extrem speziellen Zeit

Mit Flügeln langer, bunter Federn
kitzle ich Eure Sinne wacher

Die Zwanzigerjahre sind da
und Ihr geht nicht hin!
Wie bitte?

WIE BITTE…?

Zeit ändert sich durch Mode
Im Falle, dass dies stimmt:

Sind wir stehen geblieben
in einem utopisch gefärbten
“Rationalsozialismus”,
der seit rund 30 Jahren
um sich
schlägt!

Alle sind (beruflich) der Rationalität verpflichtet,
als auch dem Gedanken der Gleichheit, als Wunsch
an die Gerechtigkeit
Siehe Universelle Menschenrechte

Eingepackt in schwarzen Schlafsäcken
Babies in schwarzen Kinderwagen
Alte in schwarzen Autos
Junge mit schwarzen Handys
Manager in schwarzen Schuhen
und Bernern in schwarzen Mützen
haben wir (……) der Idee der Kunst
„Leckarsch!“ gesagt!
Adios Amigos, liebe Kunsthandwerker,
Künstler, Panflötenspieler, für Euch
ist das Sozialamt zuständig

Oder der Louvre

Man hält sich Kunst vom Leibe
die Klamotten trist und uni
kein Schmuck
Funktionsjacke
Schwarz
Fertig

Ja kein buntes Tuch! Und wenn, dann bitte
Berner Regenbogen, Bordeaux über Hundsdreckbraun
bis Pfaffenschwarz

Niemand will auffallen
aber hofft zugleich
sehnlichst
dass nun möglichst gleich etwas
Auffälliges
PASSIERT!

Nicht Irgendwas,
nichts Tragisches,
aber Dinge,
die interessant sind,
die als Körner unser
Leben füllen
sollten
sollen
könnten
tun
müssten….

Aber eben
wo findet man noch
“Interessanz”?
Die Essenz des
Unerwarteten

Aus der Nische der Unauffälligkeit
heraus betrachtend
erwartet man (und frau) Stimulanz
von Aussen
etwa so
wie Babys
Muttermilch erwarten

Symbole

Oder Echtes

Jedenfalls Interessantes. Derbes, Faszinierendes, sich Bewegendes, Buntes, vielleicht Singendes, ein Vogel, oder zehntausend Fledermäuse am Himmel

Ein Schwarm etwas Anderen
oder ein heimliches Funkeln
im Gestein, über den mal klettert

Der Duft der Berge Korsikas
oder das Rauschen der Brandung
in Hawaii

Wir zehren geistig einzig
an Erinnerungen
in Echtzeit sind wir fast
blind
Nach Momenten bereits
blicken wir zurück
wenn wir überhaupt
können…., oder dürfen

Schau voraus! ist die Marschrichtung
unserer titanischen Zeit
was vorbei ist
ist vergessen
auch wenn es sich noch 300 Jahre auswirkt

Je breiter wir aber auf Interessantes
stossen
je tiefer leben wir, und breiter, höher, voller!
Und länger in der Anzahl der Kapitel unserer
Life Stories

Langeweile aber
die Absenz von Interessantem
-verzeiht meine freche These –
ist der Halbbruder
der Aufklärung
“Alles, was man durchschaut, geht uns nichts mehr an”
Friedrich Nietzsche

Als ob etwa 1885 Jemand an einem
Bahnhof
gefragt hatte, “Was ist die Zeit?”
Und der Befragte
zufällig pensionierter Professor
beginnt
…die Zeit zu entschlüsseln.
Eigentlich wollte der Ärmste, der die Zeit wissen
wollte, nur die Uhrzeit wissen,
um den Zug nicht zu
verpassen….
jedoch, höflich, wie
nur er war, hörte er (oder “man” oder WIR…)
weiter zu. Über die Zeit. Und was man noch
ALLES
darüber sagen kann….

Es wurde dann viel…

Wir stehen immer noch an besagtem
Bahnhof
Wir hören immer noch zu
Dabei wollten wir nur auf den
Zug
in Richtung Vernunft
genug Essen, ein warmes Haus,

mehr nicht….

Aber “wir” haben gefühlte Millionen
Züge verpasst
raus
in die Wirklichkeit
wir Kinder der Höflichkeit
immer noch

….wir Aufmerksamen
wenn ein Professor spricht
über die Zeit

Wir durchschauen langsam praktisch
Alles
was ein Primatenhirn durchschauen kann
….ohne Gaga zu werden!

Vielleicht sind wir das aber schon….

Dennnnn……
Und hier kommt die böse
Pointe
meiner spitzen Worte

Haben wir uns befreit
vom Diktat des Gesangbuches…

um

uns dann etwas später
dem Diktat einer kleinen Maschine
zu unterwerfen, die in Grösse und Farbe
dem Gesangbuch verdächtig gleicht…?

Haben wir gar übersehen
dass wir von einem finsteren Zeitalter
der Symbolik
in ein noch vollgepackteres Zeitalter
der Symbolik
„gerutscht“ sind.

Aus Versehen.

Das wäre schrecklich!

Eigentlich war ja „DIE Logik“ zum Zwecke der Verbesserung
der „human condition“
auf der Speisekarte
der Neuzeit

Als Hauptgang

Und nicht ein „Netz“
An Symbolen
Weiter nix
Weiter NIX!

Kleine „Gugus Dadda“ Apperate
weiter nix!
Walky Talkies
nannten wir die
in den Sechzigern

Als das Naheliegende
noch zu Wort kam

Aber Niemand ist weiter gekommen…

Niemand hätte im Traum daran
gedacht
dass aus so einem Lausbubenspielzeug
etwas „Ernstes“ wird.

Wo plötzlich Niemand zuhört
Niemand mitliest
Niemand weiss, wo man ist
Niemand zusieht
kein Gott zumindest

Niemand stört es
wenn ich an einem Montag
in meinem Keller
solche Dinge schreibe

Niemand geht uns Alle an!

WER IST NIEMAND?

Niemand gehört unter peinlichste Beobachtung
Aller gestellt!

Die Abwesenheit von Jemand
heisst plötzlich nicht mehr,
dass Niemand da ist.

Niemand fühle sich geängstigt!
Niemand hat Angst vor Niemand
Jemand spinne den Faden weiter…

Niemand…?
Ende
Geschrieben 2. 3. 2020

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Zwei Wege Alt Zu Werden

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Es gibt heute zwei Wege, alt zu werden. Als Schweizer. Entweder man rekelt sich in der Sonne in südlichen Gefilden, oder am Pool in Rüschlikon, geniesst den Rest des Lebens in vollen Zügen, blickt stolz zurück…, ODER, man blickt mit Verwunderung zurück, ist schockiert, je genauer man schaut. Wird sich bewusst, in nur einem Menschenleben Änderungen miterlebt zu haben, die den Eindruck erwecken, die komplette Menschheit – und DAS ist neu! – sei sich ihrer Sache gar nicht mehr sicher. Sei sich am überstürzt wandeln, da alles was war, in Frage gestellt wurde. Und gleich auch alles, was wahr war. Und alle Waren natürlich auch, alle Produkte, Technologien, Zusammensetzungen, alles wird NEU erprobt, NEU verbunden, NEU verpackt. Im letzten Jahrhundert änderte sich Kultur im Zehnjahrestakt, in diesem Jahrhundert im Jahrestakt, seit Trump im Monatstakt.

Wer alt ist und DA nicht zittert, dem ist irgendwann der neugierige Geist abhanden gekommen. Wer alt ist und nicht SCHOCKIERT, über den „Weiterverlauf der Geschichte“, dem geht es vielleicht zu gut. Ist es also meine finanzielle Knappheit, die mich schockiert zittern lässt, wenn ich so allgemein in die Weite blicke, auf das, was UM MICH passiert ist in dem halben Jahrhundert, das ich gut in Erinnerung habe?

Oh nein! Nicht in Groll über ein verpfuschtes Leben und nicht weil ich irgendwann nur die Minimalrente kriege, lästere ich über unsere ultramodernste Zeit, als Retourkutsche eines Zukurzgekommenen quasi, mit der bösen Elite im Zielfernrohr, Bier in der Hand, Laptop auf dem Knie, Füsse auf dem Balkongitter der Einzimmersozialwohnung, voller innerem Groll, zu Tode geimpft mit Fake News und jenseits aller Ironie.
Nein, ich habe ein GUTES Leben gehabt, das Beste, das ich mir nur erträumen kann, besser, als jede Hoffnung darauf, ein Märchen nach dem anderen, das wahr war, ein verdammt guter Zufall nach dem anderen. Nicht wie ein Buch habe ich gelebt, sondern wie eine Bücherei, mir fiel nie ein, was ich schreiben soll, also lebte ich einen Abenteuerroman. Das komplizierte Leben reizte mich, wenn ich schon so eine gute Schweizer Bildung hatte, die Ferne reizte mich, wenn die Welt schon so gross war, die Gesellschaft interessierte mich, wenn sie schon so schnell sich wandelte von einem Stil in den anderen. Jugendstil interessierte mich, was vor hundert Jahren war – und was JETZT!

Ich klage nicht an – ausser uns ALTEN SCHWEIZER. Die Jugend war es nicht, die die Welt beschädigt hatten, wir waren es, Söhne von kriegsbeschädigten Eltern, die Krieg nur aus Büchern kannten und Zeitungen und neuerdings online.

Kriege scheinen wieder modern zu werden und wir Alten sind daran beteiligt durch ein ausgeklügeltes System der Wegnahme von Ressourcen aus aller Welt, durch die von Scheinheiligkeit getriebene „Auslagerung“ der Produktion einfachster Güter in die „Arbeitslager“ des FERNEN Ostens.

Wir Alten fanden dies meistens richtig. Als Gegenwert lieferten und liefern wir Schweizer vormals Versprechen in die weite Welt, seien es Arzneimittel, oder Versicherungen, oder Bankanleihen.

Wir wollten von der ganzen Welt bedient werden, in der Welt rumreisen dürfen nach Belieben, aber dass dann irgendwann auch Auswirkungen von dieser Einstellung auftreten, war schon seit Marx klar, aber laut darüber geredet, haben wir trotzdem nicht, wir, die jetzt alt sind, sondern uns ein Leben lang befleissigt, möglichst viel Geld zu verdienen – um dann möglichst wenig davon auszugeben. Damit wir GENUG haben, wenn wir alt sind…

Inzwischen, man ist schockiert, ist alles so teuer geworden, dass man vielleicht trotzdem nicht genug hat, also besitzen viele Alte immer noch diesen hochschottischen Geiz und lassen IMMER NOCH NICHT gehen, was Ihnen eh bald genommen wird, ihre Kohle! Nein, statt einer noch weitgehend „unschuldigen“ Jugend, die in die wohl krasseste Zeit der letzten Jahrhunderte geboren wurde, statt diesen grosszügig GELD zu verteilen, solange sie noch jung sind, wird abgewartet, weg gehortet, unter der Matratze versteckt, auf Konten aufgehoben, BANKEN zur Verfügung gestellt, die unsichtbar ihre fiesen Geschäfte abwickeln, statt den KINDERN zu SCHENKEN: Als einzige sinnvolle Idee, wenn einem (Alten) sonst schon nichts einfällt, kein schlauer Rat zu hören ist, wie man eventuell aus diesem SCHLAMASSEL wieder raus kommt, in dem wir ALTEN die Welt hinterlassen.

Trauen wir uns nicht?

Spielt die Zeit gegen uns? Weil jede Lösung jedes neuen Problems NEU zu sein hat? Weil der Sturm uns nur in EINE Richtung treibt, VORWÄRTS?

Der Sturm dieser Zeit ist die Bewegung des Geldes. Und wir Alten lassen zu, dass es angesaugt wird von den ewig gleichen Geldsaugern. Kein Wunder, dass sich der Wind nicht dreht!

Investiert in EURE KINDER, ihr Alten, in was, sorry, in WEN sonst? Vergesst die ganzen kranken Banken, die haben doch nix mit euren Kindern zu tun, die lachen sich doch nur einen AB, dass ihr so dumm seid…!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Schmeisst den Kindern Geld nach, ohne grosse Auflagen, pflastert sie zu mit Helikoptergeld und ihr werdet staunen, wie schnell sich die WELT ändert!

Die JUNGEN sind nämlich nicht doof – sie werden höchstens doof gemacht von Schulen und falscher Nahrung und Autoabgasen und Antennenstrahlung. Sonst aber – und die MEISTEN von ihnen – sind durchaus bereits aufgeklärt genug, die richtigen Dinge mit der WICHTIGSTEN Ressource – Geld – anzufangen, Firmen zu gründen, die nicht nur Müll produzieren, Häuser umzubauen und anzumalen und zu begrünen, dass man endlich in ihnen gut leben kann, nicht nur leben.

Das Leben an sich wird gerade hier in der Schweiz immer harmloser, immer „selbstverständlicher“, immer länger. Was einzig bedroht ist, ist das GUTE Leben. So wie wir Alten dies definierten, muss nicht von der Jugend übernommen werden. Das NEUE gute Leben muss erst noch entwickelt werden und zwar nicht nur in Silikon Valley und nicht nur durch Unterstützung von kranken Banken, sondern vielleicht durch kranke Omas. Unser Familiensinn geht zugrunde, wenn wir uns nicht DIREKT gegenseitig unterstützen. Die Welt steht an einem Kulminationspunkt einer Denke, die zwar funktioniert, aber nur kurz; eine neue Denke IST bereits entstanden, was fehlt, sind die MITTEL, die besten Ideen vom „neuen guten Leben“ zu realisieren. Das Land ist knapp, ausser es geht darum, neue Autobahnen zu bauen. Lokale Produkte sind weniger gefragt, weil sie einen Fliegenschiss teurer sind. Hochschottland hat unser gesamtes Leben verändert, überall.

Auch die Elite ist hochinfisziert von galliger Knausrigkeit. Statt in Wonne und Pracht zu leben und damit Künstlern und Handwerkern ein gutes Leben zu ermöglichen, lebt selbst die Elite „bescheidene“, unauffällige, protestantische Leben, ohne echtes Zierrat, ohne Marmorbüsten im Garten. Weil WIR ALTEN sie dazu gezwungen haben! Ihren Reichtum nur in allerkleinsten Unterschieden zu artikulieren. Statt ihnen zuzurufen: Toll! Schöner Springbrunnen Herr Dorfbonze. Wenn Sie etwas brauchen, hier meine Karte. Nein, sie haben sich selbst eingebuddelt in zur Schau gestellter Normalität, hier in der Schweiz, von raren Ausnahmen abgesehen. Autos, so teuer, dass man Firmen gründen könnte, Land kaufen, Häuser umbauen, Solardächer montieren; dunkle, stumpfe Limousinen, eine gleich, wie die andere, mit alten Fahrern, die unbekümmert, als wären sie erst geboren, am Bellevue Platz in Zürich auf grün warten und mit einem sanften Röhren gen Goldküste rauschen.

Auch hier tut sich ein Spalt auf. Zwischen Unbekümmertheit im Alter – und SCHOCK, was in nur einem halben Jahrhundert „über uns“ gekommen ist.

Zwei Wege, alt zu werden. Der eine, eine Herausforderung, die wir VERDIENT haben, der andere ein Versteck, in dem wir uns unschuldig geben, wenn Jemand uns findet…

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Friede den Spinnen!

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Gestern

Ich war zu Fuss spazieren in meiner neuen Nachbarschaft in Winterthur Hegi, ein typisches Schweizer Vorstadtquartier, dörflich hier, industriell dort, Bauernhäuser, Media Markt, Steinbrunnen, Dorfbach, Wiesen, Felder und sogar ein kleines Schloss, die Krönung von Winterthur Hegi.

Ich suchte es, wollte etwas fotografieren nach einem Tag in meiner Werkstatt. Ich hatte das Schloss mal kurz aus dem Auto gesehen, aus Distanz, aber wo es genau war, wusste ich nicht mehr. Ich fragte einen Mann mittleren Alters, der gerade Grasabfälle in seinem Garten zusammen rechte, wo das Schloss sei. Er blickte mich extrem misstrauisch an, kniff die Augen zusammen, sah dann aber meine umgehängte Kameratasche und verlor wohl dank ihr seinen Argwohn mir gegenüber. Ich musste ein Tourist sein. Er erklärte mir umständlich den Weg und so lief ich guter Laune weiter durch die Hintergassen von Winterthur Hegi, wunderschönen Bauernhöfen entlang, die so wunderschön waren, dass sie unmöglich Bauernhöfe sein konnten. Die Eingänge waren alle prächtig anzusehen und alle Wege waren so sauber, dass hier unmöglich ein Traktor durchfahren sein konnte, oder eine Kuhherde durchgelaufen.

In der direkten Nachbarschaft meiner kleinen Kunstwerkstatt, fiel mir bald etwas auf. Es herrschte Stille. Dieses ländliche Quartier war ebenso hübsch, wie es tot war. Es spielten keine Kinder in den hübschen Gärten, es sassen keine Jungs am Dorfbach, keine Mädchen sprangen über Gummibänder, obwohl die Schule aus war, keine Alten sassen irgendwo unter einem der prächtigen Vordächer, keine Frauen redeten miteinander am Dorfbrunnen. Aus keinem Haus drang der Ton von Musik. Es herrschte Stille.
Endlich stand ich vor dem Schloss Hegi. Über dem Torbogen stand die Jahreszahl 1613. Ein wunderhübsches Schloss, gerade eben so renoviert, dass es nicht zu neu aussieht, umgeben von einem grünen, frisch gemähten Rasen, der danach noch gesaugt worden war, damit kein abgeschnittener Grashalm quer daliegt. Grosse Bäume umrundeten das Schloss, das Gewicht des Alters sich mit ihm teilend. Aber ich hörte keinen Vogel. Ich höre nicht mehr so gut, zugegeben, also schaute ich so genau, wie ich nur konnte. Nein, kein einziger Vogel. Dabei ist Frühling! An allen Wegrändern blühten wilde Blumen und warteten auf Bienen. Aber ich sah keine. Dabei habe ich gute Augen.
Ich lief weiter, zwischen zwei Feldern dem göttlichen Horizont entgegen, ohne Ziel. Ich suchte nicht mal schöne Ecken zum fotografieren, weil ich den Chip vergessen hatte, was mir erst am Schloss auffiel. Meine klobige Spiegelreflexkamera war also nur noch Tarnung, dass sich die mir entgegenkommende Hundehalter keine Sorgen machen mussten, weil ein Fremder ohne Hund hier spazieren ging, mit wer weiss was für Zielen. Es waren nette, freundliche Leute, die nette, freundliche Hunde im Feld scheissen liessen und freundlich und nett grüssten wir uns. Ich eine Canon um den Hals, neigte sich doch die Sonne kitschig rot über das schöne Schloss hinter mir. Wie zur Bestätigung blieb ich hier und da stehen, schaute mir das Schloss durch den Sucher an, ohne abzudrücken, weil mir ja der Chip fehlte.

Manchmal das Allerbeste im Leben ist, mit einer Idee, einem Plan, loszulaufen, um zum Beispiel die schöne Umgebung zu fotografieren, und dann fehlt der Chip! Und man ertappt sich dabei, wie ein eben geborener Trottel ziellos umher zu laufen, und das noch weit weg von einer Kneipe. Was jetzt?
Diese Frage ist oft die allerbeste, besonders wenn es keine Antwort gibt, heute, wo fast ALLES mit Antworten beginnt…, auf die wir nur noch Fragen drauf setzen dürfen, respektive sollen…, passiert nun etwas ungemein schönes, wenn man sich fragt, was jetzt, wo Plan A sich „verdünnisiert“ hat?

Es stehen plötzlich alle SINNE bereit. Ich war als fotografierender Augenmensch gegangen, mit dem Ziel hübsche Bilder zu schiessen, aber plötzlich war ich alles miteinander, also auch ein Riecher, Hörer, Seher, Taster, etc… Die Sinne waren alle etwa in derselben Lautstärke und ich nahm meine Umwelt plötzlich in ihrer Gesamtheit wahr, historisch, biologisch, kulturell. Aber ich sah keine Bienen, keine Wespen, keine Mücken, keine Heuschrecken, keine Vögel, nur ein altes Schloss in der Ferne und endlose Felder. Was genau anbaut wurde, sah ich nicht, entweder war frisch gepflügt, oder die Saat erst am Spriessen. Am Himmel hatte es ein paar Kondensstreifen, hie und da ein Verbotsschild, ansonsten friedliche, alte Heimat Schweiz mit einem hübschem Schloss in der Mitte… Im Sucher der Kamera sah alles Bestens aus.
Wenn einem die Antworten abhanden kommen, also man nicht online ist, draussen und nur für sich, da kann einem dafür etwas AUFFALLEN, fiel mir auf… Es geht nämlich eigentlich NUR um Auffallen heutzutage. Jeder will Jedem auffallen, zumindest online. Jede Werbung, Nachricht, Geschichte, ja sogar die Wetterprognosen, versuchen aufzufallen! Wir sind schutzlos ausgeliefert einer um Auffälligkeiten ringenden Auffälligkeitsindustrie. Und wozu…?

Vielleicht, ich rate mal wild, damit uns SELBER nichts auffällt! Unsere eigenen Sinne, denen sehr wohl etwas auffallen könnte, werden lahm gelegt von Auffälligkeiten, die uns anempfohlen werden von Anderen, Freunden, als auch Fremden, via Internet.

Unsere wichtigste Aufgabe als Leben – nicht bloss als Menschen – dürfte die Gabe sein, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Gefahrensignale von zum Beispiel dem lieblichen Trällern von Vögeln. Oder dem FEHLEN davon…

Das, was unsere Sinne uns übermitteln, was bedeutet dies HEUTZUTAGE? Nicht nur Worte. Oder Zahlen. Das „Rundumgefühl“, bedeutet es noch genug, um unsere Welt zu verstehen?
Der Selbstzweck der heutigen Zeit, ist Aufzufallen, weil die Zahl an ZuSCHAUERN um ein paar Ecken herum Profit ergibt. Es gilt also, absolut Alles möglichst AUFFÄLLIG zu präsentieren – was heutzutage synonym mit einem zehn mal siebzehn Zentimeter grossen Bildschirm ist, einer Art nervösen Postkarte auf der man rum wischen kann, um von Auffälligkeit zu Auffälligkeit zu surfen. Es fallen uns also nur noch Auffälligkeiten auf, die auf diesen Bildschirm passen, über den sich – wie Einige glauben – die Welt erklären lässt.

Früher hatte es grosse Werbeplakate, die man von Weitem sah, heute sieht man kleine Werbeplakate von sehr nah. Früher, da konnte man sich einig werden, weil man dasselbe sah, heute hat jeder seinen eigenen Kanal. Auf dass das Leben nicht langweilig wird, etwa durch das man – ohne Ziel, Grund, oder per Gesetz – dieses kugelförmig uns umgebende Bild der Wirklichkeit spürt. Wo alles miteinander wirkt, also riecht, schmeckt, tönt, sich anfühlt und unter ANDEREM dies auch SEHEN kann.
Mir fiel auf, dass ich bislang keine Mücke gesehen hatte. Es wäre mir wohl nicht aufgefallen, wenn ich den Chip dabei gehabt hätte. Und ich sah immer noch keine Biene. Und ich sah inzwischen auch keine blühenden Wegränder mehr, weil es ja eine Landwirtschaftszone war. Und ich sah keine Eidechse auf dem Steinhaufen, auf dem ich sass beim Sonnenuntergang. Und ich sah immer noch keine Vögel, obwohl es Bäume gab.

Es war katastrophal still!

Ich setzte meinen Spaziergang fort. Der Nase folgend kam ich wieder in bewohnte Natur, kleine, hübsche Häuser, manche alt, manche auf alt gemacht. Ich streifte beim Gehen die überquellenden gelben Büsche vor einem Haus. Nicht eine Fliege flog daraus hervor.
Ich lief durch eine typische Schweizer Dorfstrasse und sah keinen Mensch. Ich hörte keine Kühe und roch keinen Misthaufen. Kein Hammerschlag kam aus irgendeiner Scheune. Keine Kinder, die auf den Bäumen Baumhütten bauten.
Aber alles sah unglaublich SCHÖN aus! Es hatte viele schöne Häuser mit schönen Gärten und schönen Zäunen aus schönem Holz und schön sauberen Briefkästen und Autos vor schönen Türen mit schönen schmiedeeisernen Scharnieren. Ich sah einzig eine schöne Katze mit einem Vogel zwischen ihren schönen Zähnen auf eine schöne Mauer springen. Alles andere sah tot aus, als würde hier niemand leben.
Ich fand eine Abkürzung zu meiner Werkstatt zurück, dem Dorfbach entlang. Er wurde überragt von Bäumen und glitzerte wie ein dunkler Spiegel. Der Tag würde bald zu Ende sein. Letzte Gelegenheit, eine Mücke zu fangen. Der Bach war so romantisch, er hätte auf einem alten Ölgemälde sein können, im Schloss Hegi.
Jedoch, und das fiel mir ganz langsam auf, wie eine Feueralarmglocke, wie ein kleiner Blick in den Maschinenraum unseres Raumschiffes, genannt Erde. Es fiel mir auf, dass die Wasseroberfläche sich nie kräuselte und Ringe bildete, wie wenn Insekten die Wasseroberfläche berühren, die man gar nicht sieht. Wie es IMMER war, hier in der Schweiz, seit über Tausend Jahren schon, was sag ich? Seit Ewig! Aber nein, der dunkle Spiegel des Dorfbaches war zwar schön dunkel, aber leider fast tot. Auf einem Foto sähe man keinen Unterschied, aber in WIRKLICHKEIT war er tot.
Vielleicht ist es ein Problem, wenn wir so BILDLICH denken, wie es unser Zeitalter von uns WILL…! Es geht Vieles an der Wirklichkeit verloren, wenn man sie bloss betrachtet! Wir erinnern uns des Mittelalters bildlich. An die Bienen also nicht… An die Mückentänze über jedem Bach im Frühling, abends, bevor es regnet. Dann, wenn eigentlich alle Insekten eine riesige Goa Party haben, oder hatten…
All das fällt uns gar nicht auf, als Unterschied zu früheren Zeiten: die unheimliche Stille an Orten, wo theoretisch Menschen leben, die Gerüche in der Luft, die Geräusche vorbei fahrende Autos überhören wir. Stellen es nicht mehr fest. Übersehen es in unserem einseitig bildlich modulierten Wahrnehmen. Und daher Wissen.
So scharf unsere Kameras geworden sind, sehen wir trotzdem nicht, dass es fast keine Insekten mehr hat. Hören nicht, wie still es geworden ist! Wie eine beklemmende Sprachlosigkeit sich ausgebreitet hat im reichsten Land der Erde, der Schweiz. Wie eine „Spiellosigkeit“ das Diktum gegenüber der Jugend geworden ist. All das, ist was das klebrige Spinnennetz der Neuzeit nicht raus filtern kann, und man es daher nicht erkennen kann. Was wir am Netz NICHT sehen, ist das NETZ selber! Das einem nur noch dann auffällt, wenn man grundlos und ziellos und mit fehlenden Chips und leeren Batterien… umher wandert. Und sei es nur in der Umgebung von Winterthur.

Was man auf einem Bildschirm sieht, ist nur ein rechteckiger Splitter aus dem runden Mosaik der Wirklichkeit!

Friede den Spinnen!

 

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Noch etwas tiefer gedacht: Bildlich gefüttert mit einem Kosmos aus Fantasy, “erwartet” der heutige Mensch eine Katastrophe als ein SICHTBARES Ereignis. Vielleicht ist dies aber ganz anders…

Vielleicht ist es VIEL schwerer, nicht vorhandene Dinge – also die Absenz von Etwas –
in unser Bild der Wirklichkeit zu integrieren!

Wie regt man sich genau auf über fehlende Mücken…?

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Frau A. Schweinsfuss auf dem Weg zum Psychologen, letzten Samstag

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Sie hatte ein Problem, seit Kindheit, ihr Vater, ihre Nachbarn, die Lehrer, der Mann am Kiosk, geile Augen überall, die wie kleine Äpfel von allen Bäumen hingen und ihr folgten. Sie sah so gut aus wie keine andere Frau, schmerzlich gewöhnte sie sich daran, humpelte durchs Leben, war nun Anfang Sechzig und endlich bereit, sich ihren Problemen zu widmen und auf dem ersten Weg zu ihrem ersten Psychologen, jetzt, wo sie es beruflich geschafft hatte, ihre Seifenfabrik international anerkannt war, die sie von ihrem Vater geerbt hatte. Ihr ging es gut, aber sie hatte ein Problem. Sie war ein Mädchen geblieben und hegte eine Lust nach Obskurem und Verborgenen, das sie niemandem erklären konnte, weil es dann nicht mehr verborgen wäre, aber genau dies zu tun, war ihr Ziel durch die Weststadt, wo ihr erster Psychologe praktizierte, den sie das erste Mal besuchen wollte. Seine Adresse hatte sie zufällig ausgewählt, unter den rund siebzig Psychologen der Stadt hatte sie ihren Finger wählen lassen, blind – also keinesfalls zufällig, denn Zufälle gab es nicht im Leben der Seifenfabrikantin A. Schweinsfuss.

Ihr war bewusst, im schäbigsten Teil der Stadt gelandet zu sein, wo sie noch nie einen Fuss hin gesetzt hatte. Irgendwie genoss sie es. Die Vorhänge der Häuser rührten sich nicht, wenn sie an ihnen vorüber ging. So, wie am Berg, wo sie wohnte und mit all ihren vermögenden Nachbarn die Stadt überschaute an diesem hellen, sauberen See. Wo Alle Allen Alles richtig machen wollten und sich gegenseitig fein im Auge hatten, wenn man den Porsche in die Garage fuhr, oder auf der Dachterasse Tennis spielte. Hier nicht! Hier war sie gelandet im Westende der zu reichen Stadt, wo der Ausfluss des Sees sich mit den brauen Fluten des anderen Flusses vereinte.
Frau Schweinsfuss gefiel der Geruch nach Seife, den der Fluss in sich trug und ging mit dem Smartphone in der Hand ihrem ersten Psychologen entgegen. Ihren Porsche musste sie leider zu Hause lassen, die Elektronik spinnte, was natürlich kein Zufall war, wie immer, wenn der Bordcomputer streikte und ihr feine Signale zusendete, irgendetwas anders zu machen.

Sie war ja so offen wie ein Buch zu sich selbst, aber klappte dies immer zu, sobald ein Mensch des Weges kam. Sie war verschlossen, wie eine Seifenschale, aber innen lag sie sich selbst unbedeckt gegenüber. Glaubte sie. Und in ihrer Unbedecktheit sich selbst gegenüber entdeckte sie ein Problem. Einen Pickel, hinter den sie nicht blicken konnte in ihrem auf Reinheit gerichteten Leben. Ihr prinzipielles Problem mit Männern.

Also liebte sie diesen weiblich süssen Seifengeruch des Flusses, bog dann ab in eine Querstrasse, die sie zu einem Park führte, durch den sie nun ging, das erste Mal in ihrem Leben. Sie folgte der Route die auf ihrem Apple angezeigt wurde und hatte aber durchaus auch ihre Augen auf ihre Umgebung gerichtet, die aus einem wundervollen Stadtpark bestand, mit grossen, uralten Linden und Buchen, Büschen, die am Blühen waren. Und in aller Herrgottsmitte, da, wo in jedem Land der Welt ein Tempel stünde, eine Kapelle, oder gar ein Denkmal eines Fürsten, oder Dichters, standen ein paar Bronzepferde. Lebensgross und in der frühen Sonne goldgelb glänzend, liessen sie Frau A. Schweinfusses Herz gleich noch höher schlagen, als es die Schönheit des Parks in ihr schon ausgelöst hatte.

Mutig wie sie wurde, im Anblick von Pferden, lief sie quer über die Wiese zu den Bronzepferden hin, sah sich um, sah niemanden, schwang sich auf den Rücken des grössten Pferdes und lächelte so wild sie konnte, während sie mit ihrem Apple ein paar Selfies knipste. Genau, was sie brauchte auf Instagram.

Frau A. Schweinsfuss war eine erfolgreiche Seifenfabrikantin und auf der Höhe ihrer Laufbahn. Zu den unzähligen Fotos, die sie auf ihren eigenen Rennpferden zeigten, die sie in verschiedenen Gestüten hielt, inklusive Argentinien und Botswana, hatte sie nun endlich ein Foto auf einem GOLDENEN Pferd. Welch ein Triumph! Frau A. Schweinsfuss, von ihren Untergebenen „Die Locke“ genannt, auf einem Pferd aus purem Gold. Dass es nur Bronze war, sah ja niemand.

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Gekonnt stieg sie vom goldenen Pferd hinab zum Boden der Realität dieses berüchtigten Stadtparks und dabei brach die bleistiftdünne Hacke ihrer Fendi Schuhe ab, wodurch sie gleich einen halben Kopf kleiner neben dem Pferd stand, als sie es eben bestiegen hatte.

Sie zitterte am ganzen Körper. Dass ihr das ausgerechnet hier und ausgerechnet jetzt passierte, MUSSTE Zufall sein. Da gab es keine andere Erklärung. So ein verdammter Mist. Sie hielt sich am Hintern des Pferdes fest und stand mal auf dem linken Fuss, und dann wieder auf dem rechten. Sie bückte sich, hielt jetzt eine abgebrochene Ferse eines weissen Fendi Schuhes zwischen Mittelfinger und Zeigefinger, stellte sich wieder gerade, hielt sich mit der Hand am Pferdehintern, mit der sie noch die abgebrochene Ferse hielt, als ein Typ des Weges kam und sie fragte, ob sie Feuer braucht. Für ihren Joint.

Der Typ war ungefähr in ihrem Alter, war aalglatt rasiert, hatte etwas längere graue Haare, Nordseeblaue Augen, und so tiefe Lachfalten, dass Frau A. Schweinsfuss die Frage mit einem mutigen Lachen beantwortete. Das ist die Ferse von meinem Schuh! Sagte sie und blickte runter. Oh, das ist ja schlimm! Sagte der Typ und reichte ihr die Hand. Darf ich ihnen zu der Bank dort drüben helfen, ich schau dann, was ich tun kann.

Auf dem Weg zur Bank wurde ihr der Geruch wahr, der von diesem Typen ausging. Er roch ganz dezent nach Pferdemist. Nur ein Hauch dieses Duftes, das sie von ihren Knechten kannte, die für ihre Pferde sorgten. Er hatte sie immer etwas erregt, aber das hatte sie nie gezeigt. Ihr Beruf, ihre Stellung erlaubten es ihr nie, ihrem tamilischen Stallknecht in den Hintern zu kneifen. Oder John Kruger in ihrem Gestüt in Botswana die Mistgabel aus der Hand zu nehmen und ihm den Schwanz zu lutschen, im Heu.

Als sie sich auf die Parkbank setzten, in die wärmende Frühlingssonne, überlegte sich Frau A. Schweinsfuss natürlich sofort, wie sie nun weiter kommt, immerhin hatte sie ja ihren ersten Termin bei ihrem ersten Psychologen. Das ist aber wirklich blöd! Sagte sie und streifte ihren Sitznachbarn mit ihren seit Ewigkeiten geschminkten Augen. Ja, wirklich saublöd, sagte der Typ und griff mit dem rechten Arm unter die Parkbank, zerrte einen schwarzen Samsonite Koffer darunter hervor und kramte zwei Dosen Bier raus. Da, nehmen sie mal einen Schluck!
Oh, nein danke, ich habe einen Termin! Lehnte sie höflich ab.

Ach so, geschäftlich wohl, meinte der Typ und wollte sie gerade um etwas Münz bitten und ihr vorschlagen, sie zu stützen, während dem Gang zu ihrem Termin, gerade in dem Augenblick stolperte auf der anderen Seite des Parks eine Bekannte des Typen, blieb laut fluchend und halb gebeugt stehen, weil ihr offensichtlich die Ferse abgebrochen war, ihrer eifelturmhohen Absätze der Nuttenschuhe, mit denen sie auf dem Heimweg war.
He, Upoa! Bellte der Typ laut rüber, stand auf und lief quer über die Wiese davon. Dort unterhielten sich die zwei, ohne dass Frau A. Schweinsfuss es verstehen konnte, alles was sie sah, war, dass die dunkle Frau sich ihrer Schuhe entledigte, dem Typen sie gab und barfuss weiter lief, wie ein Gepard auf der Jagd. Der Typ kam schnell zurück, in der rechten Hand den linken Schuh der dunklen Frau. Passt der? Fragte er in vollster Unschuld, die einzig der Einfache in sich trägt.
Sie machen wohl Spass! Meinte Frau A. Schweinsfuss. Das kann nicht ihr Ernst sein! Ich bitte sie! Ich habe einen Termin!
Der Typ stand breitbeinig vor ihr. Er hatte eine schmale Hüfte und dunkelblaue Bundfaltenhosen, die von einer silbernen Gürtelschnalle zusammengehalten wurden. Hier, probieren sie!
Dass dies nun doch alles kein Zufall sein konnte, war Frau A. Schweinsfuss inzwischen klar, ausserdem war der Schuh ebenso weiss wie ihrer und in etwa der gleichen Grösse. Mit spitzen Fingern nahm sie ihn entgegen, streifte ihn über ihren Fuss und zog den goldenen Reissverschluss hoch. Am Reiter hing die Plakette von Givenchy.

Und, passt doch? Sagte der Typ lapidar. Stehen sie mal auf! Sehen sie, sie hatten doch richtig Glück im Unglück! Sie lächelte, aber ihr Lächeln wirkte geborgt aus ihrer Seifenreklame, mit der sie Abend für Abend Millionen Zuschauer anlächeln liess.
Aber die passen ja überhaupt nicht zusammen, beschwerte sie sich entrüstet, so kann ich doch unmöglich zu meinem Termin. Es ist ja schon zehn! Ich muss neue Schuhe haben. Schnell! Wo ist der nächste Schuhladen bitte Herr, wie ist ihr Name überhaupt? Ich bin die Frau As. Ja, As, wie As im Pokern! Angenehm, ich bin der Typ. Der Typ? Genau!
Sie sind mir aber einer…! Eben! Aber Schuhgeschäfte gibt es hier nicht!
Sind sie sicher? fragte Frau A. Schweinsfuss und bekam leichte Wallungen, die sie noch nicht einteilen konnte, ob dies Wallungen des Ärgers waren, der Wechseljahre, oder etwas anderes…

Kennen sie sich denn aus, hier? Fragte sie den Typ. Ja, ich wohne hier! Wo, in dem Haus dort drüben? Nein hier. Auf dieser Bank. Er schob den schwarzen Koffer wieder unter die Bank, überlegte kurz und machte ihr ein Angebot. Wissen sie, Frau As, ich zeige ihnen, wo sie ganz tolle Schuhe finden. Sie sind zwar nicht neu, aber toll!
Toll! Antwortete ihm die Frau. Und in welchem Abfallsack findet man die? Sie war inzwischen auf hundertachtzig. Adrenalin pumpte durch ihren Körper. Endorphine flutschten durch Zellmembranen. Testosteron quoll aus allen Drüsen. Der Typ roch gut.

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Gleich dort drüben ist ein Flohmarkt, Frau As! Da finden sie die tollsten Schuhe, ich zeig ihnen gerne, wie hin! Sie schaute auf die Uhr, sie hatte noch die halbe Stunde Zeit, in der sie sich eigentlich in einem Kaffee nachschminken wollte, also ging sie etwas unsicheren Schrittes hinter dem Typ her. Da der Absatz des gefundenen Schuhes etwas höher war, humpelte sie etwas, aber als Reiterin hatte sie nicht wirklich Probleme damit. Hauptsache, es sah sie kein Geschäftspartner, oder einer ihrer Tausenden Mitarbeitern, die genau im ärmsten Teil dieser zu reichen Stadt leben.

Aber sie war ja gut getarnt. Hinter dem Typ her gehend, hinter seinem flatternden Burberry Mantel in Bentley Braun. Aber auch, weil sie sich noch nicht nachgeschminkt hatte, wie man sie einzig kannte aus den Livestyle Magazinen und der Yellow Press. Sie überquerten eine viel befahrene Strasse, ein paar Quartierstrassen und schon sahen sie den Flohmarkt vor sich, dieses bunte Treiben um ein altes Schulhaus herum, wie eine Umgehung des Wissens durch turbulentes Chaos im Uhrzeigersinn, oder im Gegenuhrzeigersinn, ganz wie es einem beliebt. Frau A.Schweinsfuss blieb angewidert stehen, bevor sie hinter dem Typ über die lange Strasse ging und in das Gewühl des Flohmarktes hinein. An einem Flohmarkt war sie nämlich Zeit ihres Lebens noch nie!

Kommen sie! Sagte der Typ in ruhigem Ton eines Mannes, der sich seiner Sache bewusst war. Ich zeige ihnen, wo es Schuhe gibt! Da lang!

Sie hatte noch nie inmitten so einfacher Menschen gestanden, hier in ihrer Stadt. Sie kannte einfache Leute in Argentinien, oder Botswana, aber nie hier in ihrer Stadt. Sie pflegte eine geheime Verachtung gegenüber dem Einfachen, war es doch ungehobelt und ohne Glanz, ohne Gloria. Einfachkeit war ihr zuwider. Indigniert blickte sie auf die Stände links und rechts, durch die der Typ sie führte, lauter Abfall, ging ihr durch den Kopf, ihre Nackenhaare sträubten sich, wodurch ihre Locke noch prominenter wurde, in ihren rotblonden Haaren. Lauter verrosteter Kram und Dreckwäsche, ging ihr durch den Kopf und dahinter sitzen unrasierte Bettler, oder Frauen mit Kopftüchern.

Wie ein Pferd, das zum ersten Mal in seinem Leben in einen Wald gerät und vor lauter den Weg versperrenden Bäumen in Wallung gerät, in immer tiefere Sorge, und dann plötzlich heraus bricht, in eine idyllische Lichtung voller grünem Gras mit Schmetterlingen, die sich im Sonnenlicht umtanzen, blieb Frau A. Schweinsfuss wie angewurzelt stehen, als sie eine geschnitzte Maske am Boden sah, auf einem alten Brett. Sofort lief ihr gesamtes Leben rückwärts im Flug zurück zu ihrer Kindheit in Botswana, im Haus ihrer Grosseltern, wo genau diese Maske über ihrem Bett im Besucherzimmer hing. Genau diese Maske…

Es war genau dieser spöttische Blick, den sie an dieser Maske liebte, diese afrikanische Überlegenheit, die sie als Kind höher achtete, als den strengen Blick ihrer Grossmutter, die damit ihre ganze Familie angesteckt hatte. Sie bückte sich über die Maske. Eighty Franks, Madame, sagt der Verkäufer, den sie erst jetzt bemerkte, ein Afrikaner. Sie erschrak bei seinem Anblick, denn er glich einem Knecht in Botswana, der ihr mal ein Pferd gestohlen hatte und nie wieder gesehen wurde. Sie nahm die Maske hoch und roch daran. Ein würziger, herber, erdiger Geruch.

Ha, da sind sie! Sagte der Typ, nachdem er sie wieder gefunden hatte. Kommen sie, es hat einen guten Schuhstand dort drüben, unter dem Baum. Ein Moment, sagte Frau A. Schweinsfuss, nahm ihr Portemonnaie hervor und gab dem Afrikaner eine Hunderternote.
Oh, ich habe kein Kleingeld, Madame, haben sie es nicht gerade richtig? Nun, das ist aber blöd, sagte Frau As und blickte in die Runde. Hat jemand Münz für hundert Franken bitte? Niemand hatte, Jeder schüttelte mit dem Kopf, manche grinsten. Nun… Woher kommen sie eigentlich in Afrika, erkundete sie sich, aus Botswana zufällig? Sie wollte gerne dem Verkäufer etwas Trinkgeld geben, aber nur, wenn er von Botswana kam.

Oh, ich komme nicht aus Afrika, Madame! Gab ihr der tief dunkle, man könnte sogar fast sagen, Schwarze, zurück. Aha! Aus der Karibik in dem Fall, Jamaika? Nein, ich komme nicht aus der Karibik. Originelle Schuhe übrigens, die sie da anhaben! Er grinste sie frech an. Dann kommen sie aus wo genau? fragte sie zurück. Ich kenne mich nämlich in Afrika aus!

Der sehr dunkle Herr, in Frack und Zylinder übrigens, seine Füsse aber in braunen Ledersandalen, rollte mit seinen Lavaschwarzen Augen. Ich komme nicht aus Afrika und mein Vater auch nicht und auch nicht mein Urgrossvater, oder meine Ururgrossmutter, oder irgendjemand sonst in ungefähr den letzten tausend Generationen, Madame. Ich komme aus Guadalcanal und dort leben meine Vorfahren seit über 5000 Jahren, Madame.
Und wo in Afrika ist das, erkundet sich die Frau noch, bevor sie weiter wollte. ICH BIN NICHT AUS AFRIKA! MADAME! Ich bin MELANESIER!

Ach so! Und ich bin vom Mond. Mela was, bitte?
MelaNESIEN, Madame. Solomonen Inseln. Honiara. Guadalcanal. Auf der ANDEREN SEITE von Afrika! Zehn mal weiter weg von Afrika, als die Schweiz. Bei Neuguinea. Schon mal gehört, Madame?
Ach so…! Ihr funkten Bilder aus alten Schulbüchern ins Bewusstsein, wo sie mal von Neuguinea gehört hatte. Und aus welchem Teil von Afrika stammt diese Maske? Haben sie noch einen Plastiksack bitte? Den Rest…, können sie behalten.
Die Maske kommt nicht aus Afrika, Madame!
Danke!

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Eigenartig berührt lief Frau A. Schweinsfuss weiter durch den Markt, dem Typ hinterher, als ihr plötzlich eine Taschenuhr ins Auge stach, mit einer Nymphe auf dem emaillierten Zifferblatt, die auf einem Ziegenfell lag. Warten Sie mal schnell! Sagte sie dem Typ und hatte spätestens ab jetzt ihren Blick für die Zeit verloren. Was für ein Juwel einer Taschenuhr. Genau eine solche hatte sie sich als Mädchen gewünscht, ohne je eine gesehen zu haben. Sie nahm sie vorsichtig in die Hand und sah, dass sie einzig einen Stundenzeiger hatte. Ob sie lief, wusste sie nicht, also presste sie ihr Ohr daran und hörte zuerst ein Ticken, aber zwischen dem Ticken hörte sie Meeresrauschen, Brecher, tosendes Wasser. Sie blickte die Uhr wieder an, schüttelte den Kopf, legte sie wieder hin und lief dem Typen hinterher zum Stand mit den Schuhen. Erst jetzt wurde ihr wieder bewusst, in was für absurden Schuhen sie selber unterwegs war, zwei verschiedenen mit ungleichen Absätzen. Die Frau hinter dem Schuhstand lächelte nett, aber mit einem Gran Hochmut, nachdem sie die Schuhe von der Frau gesehen hatte. Die wendete sich zu den Schuhen am Boden und zu ihrer grössten Verblüffung standen da ein paar sehr exklusive Schuhe aus feinstem Schlangenleder, die ihr in Etwa passen könnten. Sie glänzten, als ob die Schlange noch lebendig war. Und die Absätze waren zwar kurz, aber sehr elegant geschwungen.

Hier! Die passen ihnen sicher, meinte der Typ, er hatte ja gesehen, worauf die Dame gebannt blickte. Sie hatte inzwischen nicht nur die Zeit vergessen, sondern auch ihren Termin. Irgendwie hatte sie schon immer von solchen Schuhen geträumt, aber ihr hatte der Mut gefehlt, die Verkäufer zu fragen, ob sie sie ausprobieren darf.
Die Verkäuferin war jung, unrasiert und fern der Heimat. Sie dürfte aus Arabien gekommen sein, aber statt eines Kopftuches trug sie schwarze Haare bis zum Po. Sie lächelte immer noch und forderte die Frau auf, die Schuhe anzuziehen. Hier, setzen sie sich! Sie kam vor den Stand und rückte einen marokkanischen Kamelhocker zurecht, auf den die Frau sich setzte. Er hatte vier Scheiben aus ziseliertem Messing mit Kamelen drauf und war von einer unbestimmbaren Farbe im Spektrum des Wüstenhaften. Ein schöner Hocker! Meinte Frau A. Schweinsfuss, kaum dass sie sass. Und er fühlte sich an, wie ein Sattel.

Die Schlangenlederschuhe passten wie angegossen und waren so neu, dass ihre Ledersohlen keinen Kratzen hatten. Was kosten die, fragte die Frau. Zwanzig Franken, sagte die Verkäuferin. Zwanzig Franken…? Sie konnte es kaum glauben. Ok, fünfzehn, weil sie es sind!
Sprachlos zahlte sie mit der nächsten Hunderternote, von denen sie immer ein paar Dutzend im Portemonnaie hatte, für Notfälle. Die Verkäuferin öffnete ihre bestickte Bauchtasche und gab ihr das Wechselgeld. Machen sie zwanzig, sagte die Frau, und lächelte angenehm natürlich, wie sie es lange nicht mehr durfte. Ihr ungleiches Paar alter Schuhe liess sie am Stand und lief in Schlangenhaut umwickelten Füssen weiter. Hat sich doch richtig gelohnt, meinte der Typ und grinste.

Sie waren inmitten des Flohmarktes, dessen wahre Mitte nicht betreten werden durfte, weil dies eine Schule war, und liessen sich treiben von den Massen an bunten Leuten, die etwas suchten, oder etwas gefunden hatten, oder nichts suchten, und doch etwas fanden, oder etwas suchten, aber es nicht fanden, oder nichts suchten und nichts fanden, oder etwas suchten, aber etwas anderes fanden. Frau A. Schweinsfuss fand Gefallen, ganz urplötzlich, es war wie eine Mauer, die plötzlich gefallen war, zwischen dem, was sie kannte und dem, was sie eigentlich nie kennen lernen wollte. An einem prächtigen Imbisswagen, im Schatten zweier alter Bäume, fragte sie der Typ, ob sie ihn zu einer Suppe einladet, weil er noch nichts gegessen hat. Das erschien ihr eine Selbstverständlichkeit und schon sassen beide vor dem Imbisswagen an einem runden Gartentisch mit einem gelben Sonnenschirm. Er schlürfte eine rote Tomatensuppe und sie einen schwarzen Kaffee. Dass sie schon seit einer Stunde bei ihrem Psychologen sein sollte, hatte tiefe Vergessenheit geraubt. Sie, die immer pünktlich bei jedem Meeting zur Stelle war, war in eine andere Strömung geraten, die sie fein und zart in Richtung Süden zerrte, in Richtung Sonne, Pferde und Heu.
Der Typ sah ihr mit feinem Schalk in den Augen zu, wie ihre harte Schale in der südlichen Strömung weicher wurde und schliesslich fragte er sie, ob sie nicht einen Mantel braucht, für den nächsten Winter. Wozu denn das, fragte sie, es wird doch bald Sommer. Nun ja, gab er ihr zu bedenken, im Frühling muss man die Herbstsachen kaufen, die sind dann nämlich billig. Billig! Was war das nur für ein Mensch, der da sass und Tomatensuppe schlürfte. Billig! Was ging Frau A. Schweinsfuss schon billig an?

Beim weiter laufen merkte sie, wie angenehm die Schlangenlederschuhe waren. Sie wusste nicht, wohin sie lief und setzte einfach automatisch ihren Weg fort, im Gegenuhrzeiger um die alte Schule, um die herum sich der Flohmarkt ausbreitete. Billiges hatte nie ihre Aufmerksamkeit erlangt, sie vermutete Profanität und Stillosigkeit in billigen Läden, war noch nie in einem H&M, einem Ikea, oder Aldi. Dinge konnten ihr nicht teuer genug sein. Denn, sie hatte ein quälend kritisches Auge für Qualität. Wohin sie lief hatte sie keine Ahnung, sie liess sich treiben vom gemeinen Volk, dass sie eigentlich einen Psychologen treffen wollte, war hinter einem dünnen, jedoch äusserst farbenfrohen Canvas aus Produkten und Menschen verschwunden. Sie fühlte sich zurück versetzt in ihre Jugend in Argentinien, wo an Märkten bunte Kleider, Strohhüte, Sattel und Schmuck für Pferde angeboten wurden. Und Pferde.

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Sie roch ihn hinter sich, bevor der Typ sie überholte. Hey, Frau As, ich habe einen schönen Schal für sie entdeckt! Kommen sie! Er griff nach ihrer Plastiktasche mit der Holzmaske. Sie haben ja gar keinen Ring! Sind sie nicht verheiratet?

Nein. Ich habe keine Zeit für solche Albernheiten. Er blickte sie grinsend über die Schulter an und lachte in die Sonne, jede Falte wurde für sie erklärbar, sein Gesicht war ein Spiegel der Sonne. Sagen würde sie ihm dies natürlich nicht. Ernst verkniff sie ihre eigentlich bezaubernden Augen. Sie kam sich klein vor und wusste nicht, warum. Sie hatte sich noch nicht nachgeschminkt, fiel ihr ein, gerade im Moment, wo der Typ von einer grauen Plastikplane am Boden einen gefalteten Seidenschal aufhob. Eine wunderschöne Kutsche in erdfarbenen Tönen, ein echter Hermes Schal aus Paris. Sauber gefaltet und aus sehr feiner, fast filigraner Seide. Sie nahm den Schal entgegen und roch daran. Ein Geruch, wie sie ihn noch nie gerochen hatte in ihrem ganzen Leben. Es war kein Parfum, eher eine Person, eine Person, die ein schönes Leben hatte und zu wundervollen Orten gereist war. Der Hermes Schal schien ihr plötzlich richtig schwer zu werden, Casablanca ging ihr durch den Kopf, ohne zu wissen, warum und so faltete sie ihn auseinander, um ihn in seiner Gänze zu sehen.

Der Typ stellte die Plastiktüte mit der Maske auf den Boden und zeigte sich behilflich im Auseinanderfalten dieses schönen Schals. Sie standen zuerst nah zusammen neben einer Miniaturversion der Pyramiden von Gizeh, die Frau A. Schweinsfuss von der Seite her stoned anstarrten und sich auf ihrem Gang durch die Ewigkeit ins Fäustchen lachten. So kam es dem Typ jedenfalls vor.
Beim Auseinanderfalten zeigten sich plötzlich die Pferde, die die Kutsche zogen. Araber mit weissem Geschirr und in gestrecktem Galopp. Wohin sie entgegen galoppierten sahen die Beiden, nachdem nochmals auseinandergefaltet wurde. Eine Wüstenoase mit Palmen. Wunderschön gezeichnet und die Palmenblätter in grün.

Frau A. Schweinsfuss hatte noch nie einen so edlen Hermes Schal gesehen und fragte den Typ, ob er nach dem Preis fragen könne. Selber fragen war ihr etwas peinlich. Hinter der grauen Plastikplane am Boden, die voll war mit offensichtlich wertlosem Unrat, stand breitbeinig eine Person, die weder Mann, noch Frau war, noch Kind. Die weder jung, noch alt war und weder Europäisch, noch Afrikanisch, noch asiatisch, grönländisch, südamerikanisch, oder arabisch. Die Person grinste aber. Zehn Franken! Meinte er/sie/es mit einem Akzent, den Frau A. Schweinsfuss noch nie gehört hatte. Aber wenn sie ihn nochmals auseinander falten, kostet er zwanzig.

Die Frau und der Typ schauten sich gegenseitig verblüfft an. Dann falteten sie den Schal weiter auf. Die Wüste machte Savanne Platz, fein gepinselte Büsche und Affenbrotbäume zierten den Seidenschal und auf einem Affenbrotbaumast ruhte ein Adler. Am unteren Rand ging die Wüste in Meer über. Blau war plötzlich dabei. Und auf dem Meer kreuzte ein Segelschiff mit braunen Lateinersegeln.
Wenn sie ihn weiter auseinanderfalten, kostet er vierzig, hörte Frau A. Schweinsfuss, aber was war das schon? Ok, dann mal sehen…!
Sie falteten zusammen die untere Seite hoch, worauf das Meer noch grösser wurde und Inseln sichtbar wurden, Atolle mit türkisen Lagunen. Der Schal roch plötzlich nach Seetang. Wenn sie ihn nochmals auffalten, kostet er achtzig, grinste das seltsame Wesen hinter dem Stand. Es hatte lange, weisse Haare und ein Pferdegebiss, auf der Stirn war etwas, ein Höcker vielleicht, sie wollte lieber nicht genauer hinschauen, sondern entfaltete den kostbaren Hermes Schal um eine weitere Faltung gen oben. Die Savanne ging über in Urwald, über dem in japanischer Weise Nebelfetzen waberten und fast schien es ihr, sie bewegten sich, strömten umeinander wie flüssige Seife im Morgenbad. Er roch plötzlich wild und nach verfaulten Äpfeln und eine blaue Schlange wand sich vor Frau A. Schweinsfusses Augen vom Ast eines Baumes zum Boden hin. Hier, das ist doch was! Holte sie der Typ in die Realität zurück. Nur achtzig Franken! Aber wenn sie ihn nochmal auseinander falten… Ist er Hundertundsechzig, unterbrach ihn der Typ. Alles klar! Sie reichten sich die Hand wie Männer und grinsten ihr aufmunternd zu. Hinter dem Rücken ging ein Joint von einer Hand in die andere, ohne dass Frau A. Schweinsfuss es bemerkt hatte. Schön, dieser würzige Geruch des Schals. Ja, ich nehm ihn! Reichen ihnen zwanzig?

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Oh….

Madame, ich bin kein Bettler! Erwiderte der, oder die Verkäufer, oder das Verkäufer, sein Adrenalin pumpte Überschuss, THC schwemmte durch seine Synapsen.
Was sind sie denn? fragte Frau A. Schweinsfuss spitz, aber relativierte ihr Aussage sofort, indem sie Hundert bot. Wenn das kein Angebot war!

Sie belieben zu scherzen, Madame!
Ok, dann will ich aber den ganzen Schal zuerst sehen!
Tun sie das, entfalten sie ihn, nur zu, Madame!

Inzwischen hatte der Schal die Länge eines Betttuchs, aber es war so extrem feine Seide, dass sich noch viele Lagen darunter verbargen. Der Typ pfiff zwei Freunde herbei, die mithalfen, den Schal seitlich zu entfalten. Die Wüste setzte sich links fort und wurde zum Gebirge, das schneebedeckt den Schal schmückte. Himalaya war in Jugendstilschrift darüber gepinselt, der Mount Everest trug einen klitzekleinen Kristall auf der Spitze, der mit rotem Seidenfaden eingefasst war. Ok, ich nehm ihn.

Zweihundert! Sagte nun der/die/das Verkäufer, Verkäuferin, oder Verkäuferli.
Und so ging es weiter. Eine Stunde war noch nicht zu Ende, als an den Rändern des feinen Schals an die zweihundert Typen diesen am Rand in erhöhter Position hielten und weiter entfalteten, sodass Frau A. Schweinsfuss – als auch des Haltens von Seidenschals weniger geeignete Frauen – unter einem Baldachin der Phantasie spazieren konnten, wie ihn nicht nur Frau A. Schweinsfuss noch nie gesehen hatte. Der Preis war inzwischen auf Achtunddreissigtausend gestiegen, auch Drohnen waren gestiegen und hatten den ganzen Flohmarkt von oben gefilmt, wie durch feine Gaze hindurch Menschen mit dem Kopf nach oben wandelten, als wären sie am Betrachten eines Himmelszeichens. Von unten gesehen entfaltete sich in jeder Richtung die ganze Welt, ausser in Richtung Westen, Amerika. Je weiter fort, je detaillierter bildeten die Maler das Bild der Erde. Aus einer Kutsche mit einer schönen Frau drin mit breitem Hut und Blumen darauf und Federn am Ohr entfaltete sich ein Gemälde der Alten Welt, von Island bis Südafrika, von Sibirien bis Melanesien.

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Inzwischen hatte Frau A. Schweinsfuss herausgefunden, für was sie so reich war und bot ihr gesamtes Vermögen, sofern sie auch die Exklusivrechte an den Drohnenaufnahmen kriegen kann, als Werbespot für ihr Seifenlabel. Inzwischen war alles viral gegangen, über der zu reichen Stadt kreisten Helikopter, von dem Flohmarkt aus breitete sich der Schal über den Platz der mutigen Männer aus, wo gerade eine Frauendemo abgehalten wurde, sodass genug starke Hände da waren, den Seidenschal weiter zu entfalten. Er war so leicht, dass der aufkommende Wind durch ihn hindurch wehte und je grösser er wurde, je leichter war er zu halten. Er überrollte das Quartier der langen Strasse, den Park bei der Bäckerei, wo er von kletternden Kindern vorsichtig über die Bäume gehalten wurde, bevor er den Fluss überquerte, der nach feiner Seife roch, den Hügel hoch und quer dazu in Richtung See sich weiter entfaltete an dessen Ufer Tausende Menschen – hilfsbereit, wie sie waren – immer weitere Entfaltungen ermöglichten mit den flinken Händen, die einem nur das Zählen von Geld schenken konnten.

Inzwischen waren erste Aufnahmen aus dem All entstanden, die IS funkte Livebilder, es wurden plötzlich Summen geboten von anonymen Quellen, die den/die/das Verkäufer, Verkäuferin, Verkäuferli an sein Handy fesselten. Er hockte jetzt, Beine übereinander geschlagen, auf einem hochkant gestellten Trompetenkoffer. Seine Haare glänzten silbern im fahlen Licht, das durch den Schal schimmerte, unter dessen Mitte er/sie/es stand. Das Ding auf der Stirn betrachtete sich die Frau nun etwas genauer von der Seite und ihr schien es ein Horn zu sein. Wenn das kein Zufall war! Ein Horn! Es roch wieder nach Pferd, aber doch anders und die Frau musste sich setzen. Sie war müde und sichtlich verwirrt. Mehrere TV Crews liefen plötzlich durch den Markt. Wo die ganze Geschichte angefangen hat, wollten sie wissen. Aber niemand wusste es. Etwas Dämonisches hatte sich ereignet, niemand erinnerte sich, an was vor einer Stunde geschah. Niemand wusste, wie die Entfaltung begann. Ausser natürlich die Frau, der Typ und das Einhorn.

Ich geh mal dort hin und gebe denen Bescheid, sagte die Frau. Tun sie das ja nicht, herrschte der Typ sie an. Und das Einhorn wieherte unverständlich, senkte den Kopf und liess sie ihn wieder so sehen, dass das Horn nur wie ein Fleck auf der Stirn aussah. Sie schaute auf ihr Handy und merkte, dass es entladen war. Just in dem Moment, als ihr Schal, der aber noch nicht ihr gehörte, zu Ende entfaltet war, in Tasmanien eine Ecke, in Nowosibirsk, Kapstadt und Island je eine. Ein Zauber von einem Seidenschal. Ein echter, richtiger Zauber. In nur einem Schal.

Gut! Hier, mein Vermögen! Sie hielt dem Einhorn einen Blankocheck hin, den sie datiert und unterschrieben hatte. Das Einhorn nahm ihn zur Hand, riss ihn in feine, kleine Streifen, holte eine Senftube aus einem alten Koffer, bestrich den ersten Papierstreifen mit Senf und begann zu essen. Oh, lecker! Sagte das Einhorn schmatzend. Wollen Sie auch probieren?

Der Frau wurde es zu viel. Trotzig erhob sie sich, drehte ab und marschierte davon, wie eine ferngesteuerte Puppe, über sich in der Luft, aber knapp ausser Reichweite ihr Schal, der nun doch nicht ihrer war und inzwischen so dünn geworden war, wie der Hauch des Morgennebels über einem Urwald, der im Laufe des Tages verschwindet. Auch Drohnen konnten den immer grösseren Schal bald nicht mehr filmen und die IS Raumstation funkte wieder Wetterdaten und glaubte, sich eben getäuscht zu haben. In Tasmanien liessen die letzten Entfalter los, von was sie entfaltet hatten, manche kamen sich kindisch vor, weil das, nach was sie griffen, sich in Luft aufgelöst hatte. Die Männer in Nowosibirsk bekamen kalte Hände und auch die Isländer. In Kapstadt kletterten die letzten Leute vom Kap runter, weil starker Wind den feinen Stoff ersetzte.

Nur in Melanesien, also am weitesten Ende der ältesten Welt, lachten die Kanaken und hielten den aus der Ferne stammenden Seidenschal gut im Griff. Als sich der Zug darauf legte, weil alle Anderen losgelassen hatten, begannen sie, zu falten. Als Segler seit etwa zehntausend Jahren waren sie darin geübt. Sie zerrten vom Himmel, was nicht dem Himmel gehörte. Ein Bild der Welt und nur der Welt. Sie legten es Falte um Falte in die hohen Täler der Insel Guadalcanal.

Es kamen immer mehr Solomonesen, die halfen. Kinder rollten sich lachend den Falten entlang bergab, auf dass der zusammengelegte Schal nicht zu dick würde. Trotzdem wurde er dick und dicker, man musste Acht geben, dass keine Flüsse gestaut wurden, aber praktisch begabt, wie nur Melanesier sind, gelang es ihnen. Sauber gefaltet lag er bald entlang der Westflanken der Berge Guadalcanals auf dem Boden. Eine Megatonne Bildlichkeit, gefaltet zu einem Seidenbett für Wilde.

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In der zu reichen Stadt, am Flohmarkt am Ende der langen Strasse, versammelten sich jeden folgenden Samstag immer mehr Menschen, auch am Platz der mutigen Männer und Frauen. Frau A. Schweinsfuss, der plötzlich eingefallen war, dass sie ihre erste Sitzung beim ersten Psychologen verpasst hatte, kehrte nie mehr dorthin zurück. Der Typ war ihr nicht weiter gefolgt und das Einhorn packte seine alten Sachen in alte Koffer. Die Schlangenlederschuhe waren ihr etwas zu gross, aber sie liebte es, wenn ihre Füsse eng eingefasst waren und kleiner aussahen, als sie waren. Kaum zuhause, wanderten sie in den Müll. Einzig die Maske erinnerte sie noch länger, dass sie damals den Psychologen verpasste, den sie nun irgendwie nicht mehr vermisste. Die Taschenuhr hatte sie vergessen zu kaufen, aber das ärgerte sie nicht genug, um noch einmal an den Flohmarkt zu gehen. Die Drohnenfilme von ihrem Schal, den sie eigentlich kaufen wollte, verlinkte sie auf ihre Instagram Timeline, mit der Behauptung, dies sei ihr Schal gewesen. Das behaupteten aber Tausende, wodurch sie nur spöttische Kommentare erntete. Das Einhorn kehrte in seinen Stall zurück, im Keller eines Mehrfamilienhauses und faltete einen weiteren Schal, den er aus selbst gezwirbelten Spinnennetzen gewoben hatte. Der Typ kehrte zu seiner Bank zurück, holte den schwarzen Samsonite Koffer hervor und griff nach seiner Flasche Whiskey. Es war ihm ein Tag gewesen, wie jeder andere auf der Bank, ein Tag voller Wunder. Wie anders konnten Tage sein, wenn nicht voller Wunder?

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Eine Frau kam noch des Weges, müde und matt und barfuss. Hereinspaziert! Sagte der Typ und wies sie zu sich auf seine Bank. Sie lächelte scheu, wie ein Reh, das eben erst an einer Krippe Heu gegessen hatte, aber sie roch nach Tränengas, kaum sass sie neben ihm. Woher des Weges, Süsse? Fragte der Typ und zupfte seine Bundfaltenhosen zurecht. Ja, wo wohl? Frauendemo halt! Frauenpower! Bin total fertig!
Warum denn Barfuss, Süsse, sieh das Gute liegt so nah!
Ja, die Bullen sind hinter mir her. Ich hatte einem Polizeihund Sauhund zugerufen. Und jetzt sucht man mich wegen Beleidigung eines Polizeihundes.
Oh, das ist aber schrecklich. Versteck dich im Busch dort!
Die sind doch mit einem Hund hinter mir her!
Aha, dann brauchst Du neue Schuhe! Nimm die dort! Er zeigte zu den zwei Schuhen mit abgebrochenen Fersen, die neben dem Abfallkübel standen. Flink wie eine Ratte schlüpfte sie rein und zockelte von dannen. Sie drehte sich noch einmal kurz um und winkte dem Typ, dann verschwand sie hinter den Bronzepferden. Kurz darauf marschierte eine Viererschaft der Polizei zur Bank, wo der Typ drauf sass, gezogen von einem Schäferhund an vier Leinen, den von vorne zu sehen, den Typ an ein schlecht gelauntes Wildschwein erinnerte. Dieses blieb abrupt neben dem Abfall stehen, blickte sich um, wedelte mit dem Schwanz und bellte.
Haben sie hier eine Frau gesehen, wurde der Typ von einer Polizistin gefragt. Wir suchen eine Frau.
Genau! Ich auch!

Mit dem feinsten Spott, der sich um seinen Mund züngeln konnte, wie Elmsfeuer, liess der Typ es Nacht werden. Er hiess der Sonne sich zu sputen im Untergehen und winkte den runden, vollen Mond über den nahen Horizont, auf dass er gut schlafen werde auf seiner Bank im Park. Er winkte einen Uhu herbei, auf dass er über ihn wachen werde, aber fütterte zuerst noch die Ratten der Umgebung, dass sie ihn in Ruhe lassen. Er war ein Typ, der wusste, was Frauen brauchen, getarnte Psychologen mit Adleraugen. Er rollte seinen Burberry Mantel zum Kissen zusammen, legte seine Beine hoch und neigte sich zur Blumenseite der Bank hin, die im Licht des Mondes ihm noch lange im Kopf herum geisterten. Von wegen Frauenpower! Puh! Wir brauchen Flowerpower! Ein letzter Schluck Whiskey, ein letzter Zug am Joint. Leise knisterte das Gras und leise wachte der Uhu und nur manchmal, da schreite er fein.

 

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen, Hut, Text und im Freien

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Stell dir vor…………………..!

urdorf weihermatt - Bing Karten und 4 weitere Seiten ‎- Microsoft Edge 18.03.2019 111445

(Geschrieben 1992, vor 27 Jahren…)

Stell Dir vor: Es ist das Jahr Zweitausend-und-etwas. Du bist etwas älter geworden und reifer, die wilden Jugendjahre sind vorbei. Aber immerhin, es gibt dich noch, und du bist gesund und munter. Du hast einen guten Job und eine zufriedene Familie und viele gute Freunde aus alten Zeiten.

Es ging etwas länger, bis du dich an das neue Datum gewohnt hattest, das mit lauter Nullen gespickt war, aber auch das ist schon eine Weile her.

Die Wirtschaft blüht wie nie zuvor und auch du profitierst davon, dass dank verschiedenen Gesetzesrevisionen die alte Kulturpflanze Hanf wieder zu Ehren gekommen ist, die lange Zeit verboten war. (Sie wird auch Cannabis Sativa genannt, was soviel wie “Cannabis die Nützliche” bedeutet!)

Dein persönliches Leben ist erfüllt und du schläfst und träumst meistens gut.

Du weisst nicht mehr genau, was du geträumt hast, als du an diesem Freitag um halb sieben pünktlich erwachst. Jedenfalls war es ein schöner Traum gewesen, und du erinnerst dich, dass er mit deiner Frau Rosa zu tun hatte, die schon vor dir aufgestanden ist, da sie Frühschicht hat. War nicht auch ein Spiegel vorgekommen, in deinem Traum? Egal, denkst du, streckst dich noch einmal, schälst dich aus den kuschelweichen Leintüchern aus Hanf und schlüpfst in den Morgenrock, den dir vor Jahren dein Freund Ernst aus dem Tessin mitgebracht hat. Auch er ist aus den Fasern der Hanfpflanze hergestellt, wie vieles heutzutage.

Die zuerst warme, dann kalte Dusche weckt deine Lebensgeister auf, und nachdem du dich mit der neuen Hanfseife “HANFOLIVE” abgewaschen hast, wäscht du dir noch deine Haare mit Hanfölschampoo.

Was für ein Tag!

Du öffnest das Fenster und atmest tief ein. Während dem Frühstück fällt dir wieder auf, wie gut die Eier sind, seit den Hühnern ihre Lieblingsspeise gefüttert wird: Hanfsamen. Du schlägst die Zeitung auf und blätterst sie durch. Eine kleine Notiz am Rand: “gedruckt auf 100% Hanfpapier” (aber das ist ja nichts Neues).
Auf der letzten Seite hat es eine interessante Reportage über die Basler Umweltpolizei, die in Zusammenarbeit mit der deutschen Kripo eine weitere illegale Giftmülldeponie im Osten Deutschlands entdeckt und verschiedene ehemalige Führungskräfte verhaftet hat. Eine Nachricht aus dem Wallis berichtet über die Erfolge bei der Bekämpfung der Bodenerosion, die durch sauren Regen verursacht wurde, aber die nun mit dem Anbau von Hanf vermindert werden konnte. Bravo!

Du stehst auf und merkst, dass dein Bein noch weh tut. Du bist letztes Wochenende auf einer Familienwanderung über deinen Hund Hassan gestolpert. Ihm und deiner Katze fütterst du noch “HANFO” den proteinreichen Hanfkuchen, den es in verschiedenen Geschmacksrichtungen für Hunde, Katzen, Wellensittiche und Goldfische gibt.
Du streichst dir etwas “HANFOLIN” auf die Wunde und nimmst danach deine tägliche “Edestin” Tablette, die deine Immunkräfte auf natürliche Art fördert und einzig aus Hanf gewonnen werden kann.

Es ist nun höchste Zeit und während du zur Tür hinausgehst, lacht dir noch die gelbe Tür Matte aus Hanf entgegen. Du bist übrigens froh, von deiner Frau Rosa den Tipp bekommen zu haben, dass du für Jahre “nur” eine Synthetik-allergie hattest, und gar keinen Heuschnupfen, wie dein ehemaliger Hausarzt dir immer einzureden versuchte.

……………..

Du steigst in dein schnittiges Auto, nachdem auch deine Arbeitskollegen aus der Nachbarschaft eingestiegen sind, und fährst durch den grünen Gürtel deiner Gemeinde, abwechselnd Weizen, Dinkel, Sonnenblume, Hanf. Mit Roger und Hans! Schön, dass die neuen Industriekomplexe eher dezentral produzieren: so kannst du auf dem Land leben, ohne allzu weit von deinem Arbeitsplatz entfernt zu sein. Seit die meisten Autos weitgehend aus pflanzlichen Kunststoffen hergestellt werden, sind sie dauerhaft und leicht und brauchen wenig HANFONOL, diesem neuen Treibstoff, der billiger ist als Benzin, weniger stinkt und erst noch hilft, den Treibhauseffekt umzukehren. Was
werden all die anderen Ingenieure sich wohl als nächstes ausdenken?

Hans und Roger diskutieren während der ganzen Fahrt halb belustigt, halb ernst, über die neueste Idee russischer Forscher, dass sich aus Hanf auch Raketentreibstoff herstellen liesse. Was für eine schwachsinnige Idee, denkst du für dich, wo wir doch auf solch einem schönen Planeten leben.

In deinem Büro angekommen, verbringst du den Vormittag am Computerterminal. Du überarbeitest Pläne, die den Umbau einer alten Stahlgiesserei im Jura betreffen, in eine Fabrikationsanlage für Produkte, die dort aus lokalen organischen Ressourcen hergestellt werden sollen: Elektrische Isolationen, Sanitäre Rohre, runde Badewannen, Toilettensitze und Blumentöpfe; aber auch farbiges Kunststoffgranulat aus dem
später in Grenchen das Swatch-mobil produziert wird, obwohl sie aus Amerika Konkurrenz gekriegt haben.

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Du bist zuversichtlich, dass der Plan angenommen wird, denn er ist bereits vom lokalen Rohstoffaustausch Programm bewilligt worden, der die Abfallprodukte einer Industrie einer anderen Industrie als Rohstoff anbietet: In diesem Fall handelt es sich um geschnitzelte Biokunststoff Abfälle, wie Plastikflaschen, Joghurtbecher, Milchtüten, Plastiksäcke etc, sowie Hanfzellulose aus dem neuen Hanfprozessor in Balsthal. Diese Tausch-Programme sind ganz schon populär geworden in den letzten Jahren, seit sich eine fast vergessen geglaubte Eigenschaft der Schweizer wieder durchzusetzen vermochte: ihre Sparsamkeit.

………..

Das Überarbeiten solch komplexer Pläne ist sehr anspruchsvoll, aber auch hochinteressant. Gegen halb elf gehst du an eine Sitzung, an der kritisch über dein Projekt diskutiert wird. Eine Ingenieurin bemängelt ein paar Details der Abwasserreinigung und du versprichst ihr, diese Punkte noch zu klären. Ein Ingenieur der Firma Swatchmobil fragt dir noch ein paar Löcher in den leeren Bauch, bevor du endlich in den wohlverdienten Mittag kannst. Es gibt Forelle aus der Aare mit Bratkartoffeln und einem Hanfsprösslisalat.

Nachmittags korrigierst du noch ein paar Details der Abwasserführung und lässt alles auf dem Laserprinter auf Hanfpapier ausdrucken. Eine Kopie geht gleich an Frau Sauberbach von der Bewilligungskommission für Wasserbauten. Sie hat auch zwei Kinder, hat sie dir heute in der Kantine erzählt, und gleich darauf aus ihrem Portemonnaie ein paar Fotos hervorgeholt. Wirklich süsse Kinder! Du räumst noch dein Büro auf, fegst den Boden wie jeden Freitag und freust dich bereits auf das Wochenende mit deinen Kindern, Julia und Rasputin. Apropos Kinder, denkst du für dich, während du mit einem roten Antistatik-tuch aus Hanf den Computerbildschirm von Staub befreist. Du willst, dass es deinen Kindern einmal besser gehen wird, als dir und vielleicht wird dem auch so sein, seitdem durch die letzte Schulreform die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund gestellt wurde.

Nach dem Motto: “Wir sind Leben, das leben will – unter Leben, das leben will”, wird unterrichtet. Frühere Krisen im Lehrbetrieb, die dadurch entstanden, dass Schüler zwar viel wussten und konnten, aber doch mit einem Mangel an Verantwortungsvermögen für IHR EIGENES Leben in selbiges entlassen wurden, gehören weitgehend der Vergangenheit an.

Eine neue Zeit hatte sich durchgebrochen. Eine Form von Anerkennung gegenüber der Natur: Dass man zwar NIE alles wird wissen können über sie, aber dass sie funktioniert als lebenserhaltendes Prinzip. Dass wir Menschen ein Teil der Natur sind, ohne den sie prima weiterleben könnte… Dass wir dies umgekehrt nicht sagen können! Dass die Natur unsere Aufmerksamkeit verdient. Auch Hanf!

Dieses zarte kleine Pflänzlein, das sich aus seiner immer wieder verbotenen Daseinsform gemausert hatte, zu der pflanzlichen Alternative schlechthin. Besonders fällt dir auf, wie seit der Einführung des Faches Hanfkunde, das Interesse an der Schule gestiegen ist.

………….

Während deine Tochter sich bereits für die Herstellung von Kosmetikprodukten aus Hanföl interessiert, wie Parfüme, Lippenstift, Sonnenöl etc, interessiert dein Sohn sich mehr für Hanfseile und Hanffaserverbundstoffe, also HFVs, die immer breiter zur Anwendung gelangen. Hanf rostet nicht, ist leicht und schlag zäh und ideal geeignet für den Bau von Velorahmen, Seifenkisten, Brotdosen, Radiogehäusen, Skiern, Sonnenbrillen, Schatztruhen, Autokarosserien, Windschutzscheiben und Baumhütten.
Es lässt sich aus Hanf gar vieles herstellen, was nicht MINERALISCH oder METALLISCH sein muss, hat es im Radio DRS 5 kürzlich geheissen, in der interessanten Kindersendung: “Neues aus der Welt des Hanf”

Es ist inzwischen Feierabend, aber bevor du heimgehst, sitzt du noch kurz an deinem aufgeräumten Schreibtisch und erfreust dich am Ausblick aus deinem Büro: An Hanffeldern, die nur unterbrochen werden von freundlich angemalten Wohnblocks aus den fünfziger bis neunziger Jahren, die wie Juwelen der Phantasie aus grünen Feldern hervor funkeln.

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Nachdem du deinen Hanftee ausgetrunken hast, ziehst du deinen weinroten Hanfblazer an, schliesst deine alte Bürotür aus Mahagoniholz mit einem Magnetschlüssel ab, und gehst in die Tiefgarage hinab. Der Lift ist schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb, da sich dadurch eine merkliche Verbesserung der Mitarbeitergesundheit herausgestellt hatte.
Hans und Roger warten schon beim Auto auf dich und du bist froh, dass du mit deinem eiförmigen SATIVA 280 SE nicht alleine heimfahren musst, sondern noch verschiedene Probleme des Jura Projektes mit Roger und Hans besprechen kannst. Auch sie gehören der Generation an, die das Potential der Hanfpflanze wieder entdeckt hat und es auf modernste Art in die Bedürfnisse einer technologisch anspruchsvollen Gesellschaft
eingeflochten hat.

Du verstaust deinen PC im Hanfschuhfach und fährst aus der Tiefgarage der Firma HBB direkt in die Migros, die gross und bunt schon von weitem erkennbar ist.

Du schaust auf den Einkaufszettel: Kartoffeln, Zwiebeln, Brot mit gerösteten Hanfsamen, Peperoni, Milch, organisch gefütterte Hühnereier, Hanfölmayonaise, Hanfburger, fünf Packungen Hanflys, Hanfbierstengel und zwei Harassen Feldschlösschen, die Roger und Hans im Pick und Pay einkaufen. Bei dir steigt nämlich ein Fest heute Abend, auf das du dich schon lange gefreut hast…

…………..

Du wirfst dir noch einen Behälter für Büroklammern aus HFV in den Einkaufswagen, eine Schere, eine Rolle SatiFAXpapier, Tomaten, einen grossen Kopfsalat und eine Literflasche Hanföldressing der Marke “MIO Sativa.” Acht mit Hanfsamen gefütterte halbe Hühner noch, ein Würfel Hanfbouillon, ein Paket Emmentaler und fertig ist der lange Tanz um die vollen Regale.

Jetzt nichts wie heim in die gute Stube!

Es hat recht viel Feierabendverkehr. Es ist schon halb drei. Eine lange Schlange bunter runder Vehikel fädelt in Würrenlos in die Autobahn ein. Dort wo früher vier Spuren Platz hatten, haben nun sieben Platz. So schlank lassen sich Autos heutzutage produzieren! Solarmobile, Elektrotöffs, Kreiselsportwagen, Sativas, Wasserstofflastwagen, Hybridenten und natürlich jede Menge Swatchmobile. Nur noch selten sieht man Oldtimer, die von den übrigen Verkehrsteilnehmern mit zugeklemmter Nase begrüsst werden. Seit die allgemeine Höchstgeschwindigkeit aus allgemeinen Sicherheitsgründen auf achtzig beschränkt wurde, sind sie vom Aussterben bedroht und werden nur noch von Fanatikern gefahren, die bereit sind, zwölf Franken für einen Liter Benzin zu bezahlen.

Die Limmat glitzert freundlich im Nachmittagslicht und Fischreiher stelzen am Ufer entlang oder sitzen in den Ästen hoher Bäume. Auf den Masten ehemaliger Stromleitungen sind Plattformen entstanden, die an diesem schönen Tag dicht besetzt sind. Nicht bloss du möchtest diesen Anlass feiern. Es ist das Zehnjahresjubiläum der Änderung der Schweizerischen Drogengesetze.

…………

Zuhause angekommen, schlenderst du mit Roger und Hans durch den Kräutergarten zu eurem von Efeu überwachsenen Einfamilienhaus.
“Ein schönes Baumhaus, das Rasputin da gebaut hat”, bemerkt Hans und zeigt in die alten Bäume vor deinem Haus “so etwas wollte ich als Bub auch immer bauen!”
Da kommt schon Rasputin um die Ecke geschossen und entführt Hans über eine Strickleiter aus Hanfseilen in die Krone des Baumes, in das Herz seines Stolzes.

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Du begrüsst derweil deine Familie und ein paar Freunde, die schon erschienen sind. Bunte Girlanden aus Hanfpapier hängen von der Decke. Du ziehst deine Hanfpantoffeln an und öffnest als erstes noch die Stromrechnung, die heute gekommen ist. Wie schön, zu sehen, dass die Beträge kleiner werden, seit du kleinere Glühbirnen im Haus hast und seit der Strom nur noch mit Wasserkraft, Sonnenkraft oder in Bioreaktoren produziert wird. (Und seit du im Winter den Kühlschrank vor dem Fenster hast!) Mit einem Schaudern erinnerst du dich an all die fossilen Monster, die früher zur Produktion und Vernichtung von Strom benutzt wurden und bei denen man so lange glaubte, sie lassen sich nicht mehr abschalten.
Du legst eine CD auf und geniesst mit deiner Frau Rosa Pink Floyd, während ihr zusammen schmust.

Sie hat eine manchmal recht hektische Zwanzigstundenwoche als Ärztin für organische Therapie. Manchmal trägt sie eine Blume hinter dem einen Ohr und einen Bleistift hinter dem anderen. Sie weiss, was sie will! Seit sie sich auf die vielfältigen therapeutischen Nutzen der Pflanze Cannabis Sativa spezialisiert hat, ist sie eine gefragte Person geworden, wenn es um die Linderung oder Heilung zum Beispiel folgender Krankheiten geht: Asthma, Arthritis, Rheuma, Epilepsie, Muskelkrämpfe, Multiple Sklerose, Grüner Star, Tumore, Herpes, Reisekrankheiten, Menstruationsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Humorlosigkeit.

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Du bist stolz auf deine Frau, dass sie bei solch ernsthaften Erkrankungen zu Rate gezogen wird und bist froh, dass durch bahnbrechende Erkenntnisse der Pharmazie auch deine Gesundheit einfacher und billiger geworden ist. Gar nicht zu sprechen von deinen Kindern: die waren überhaupt noch nie krank!

Du stehst kurz gedankenverloren vor dem Stubenfenster und schaust deiner Tochter Julia zu, die im Garten das Hanfbäumchen mit roten Schleifen und blauen Kugeln dekoriert. Es ist dieses Jahr sicher wieder drei Meter hoch geworden. Was für ein Wunder! Diese Explosion in Grün, diese vielen Hände die sie reicht, dieses starke Rückgrat, dieser Menschen verbindende Duft dieser Pflanze in deinem
Gärtlein in, sagen wir einmal, Urdorf Weihermatt. Das wäre doch glatt!

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……….

Aber nein, du bleibst ganz Ernst, während du acht halben Hühnern im offenen Kamin die halben Bäuche mit kalt gepresstem griechischem Hanföl pinselst.

Allen Bekannten und Nachbarn, die inzwischen gekommen sind und auf dem halbrunden Sofa vor dem Kamin Platz genommen haben, läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Sie haben teilweise längere Reisen hinter sich und bedienen sich fleissig an der Schachtel ‘HANFLYS’, die deine Frau hingestellt hat. Dazu ein Feldschlösschen. Prost Freunde!

Den Fernseher, in dem gerade eine Ansprache der Bundesrätin Margrit Sonnenblum beginnt, schaltest du lieber gleich wieder ab. Alte Bekannte, die du schon aus den Prohibitionszeiten kennst, erzählen sich, was bei ihnen so läuft.

Lisbeth hat nun schon drei Kinder. Susanne hat gerade festgestellt, dass sie bald ihr sechstes bekommt. Adrian freut sich. Karin hat wieder Arbeit. Adrian muss nächste Woche in den WK. Roger auch. Er ist FA-27 Pilot. Wenn es Ernst wird, kümmert er sich um UFO’s und Marsmenschen. Adrian ist bei einer geheimen Spezialeinheit für biologische Friedenssicherung. Rein übungshalber natürlich. Sie freuen sich beide wie Kinder. Prost auch ihnen!
Rudi hat den Förderungspreis der Schweizer Hanfstiftung erhalten. Was auch irgendwie fair war! Ihm gelang es nämlich, Hanf zu züchten, der sich besonders gut für die Entgiftung von schwermetallverseuchten Mittelstreifen eignet. Er wird tausende von Kilometer lang und heisst nun Cannabis Ruderalis. Prost Rudi!
Thomas wiederum, den du letzten Sommer beim Wandern im Graubünden kennen gelernt hast, zeigt allen seinen neuen Wanderrucksack aus Urner Hanf. Viel besser als indischer Hanf, meint er! Prost Thomas!
Achmed, von dem du seit vielen Jahren nichts gehört hast, ist auch da. Er erzählt über eine alte Waffenfabrik, die er mit Freunden in ein Jugendzentrum verwandelt. Sie lernen dort den Umgang mit Holz und Zement, mit Druckmaschinen und Schraubstöcken, mit Elektronik und Ästhetik, mit Medien und Materialien, mit Drogen und mit sich selber.
“Alles wird gut!” meint er. Prost Achmed!

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Adrian, der ein erfolgreicher Schaufensterdekorateur geworden ist, trägt eine Levis 501 aus originalem Kentucky Hanf, ein Hemd aus ungebleichtem italienischem Cannabis Sativa und erzählt von seinem nächsten Projekt, wo es darum geht, in den Schaufenstern des Globus die Trends der nächsten Sommerkollektion aufzuzeigen. Prost Adrian!
Karin berichtet aus ihrem neuen Alltag als “Expertin für biologischen Hanfbau an Steilhängen über 45 Grad“ (wie es im Amtsdeutsch heisst) und über die Erfolge bei der Wiederbegrünung erodierter Bergtäler im Berner Oberland, wo sie seit den letzten verheerenden Bergrutschen ihre Arbeitsstelle hat. Sie ist extra an dein Fest gekommen (Mit der SBB) Ihr Freund Ueli ist auch dabei, der im Emmental einen Bauernhof hat und von der Hanf- und Gartenwirtschaft lebt. Proscht zäme! Uelis Knecht, Otto, ist auch dabei. Er lacht gern und laut, aber nicht wie ein Knecht.

Ausserdem sind gekommen: Markus und Laura, Gabi und Hubert Mauser (Hanfbauern aus dem Säuliamt), Wilfried mit seiner indischen Freundin Ganja, sowie die Kinder von den Mausers, die mit Rasputin im Baumhaus ein Computergame machen. Und nicht zu vergessen: der alte Jean Jacques, der viele Jahre in Genf gelebt hat und dort Probleme bekam, weil seine damalige Boxerhündin Heloise bei jedem Hanfbäumlein ihr Bein gehoben hat. Er ist mit seinem Freund Ernst hier, mit dem er sich jetzt eine kleine Insel im Tessin teilt. Sie haben dir und Rosa einen edlen Tropfen mitgebracht. Du kostest daran. Zum Wohl Jean Jacques!

………

Es kommt immer bessere Stimmung auf, speziell seit Rosa das grüne Radio eingeschaltet hat. Dort lauft auf Radio 25,4 das neue “Hanf Spezial”, redigiert und zusammengestellt von Gerd Fehlbaum, Discjockey, Clown und langjähriges Mitglied der Antiprohibitionsbewegung. Er legt eine “Ten Years after” nach der anderen auf, fährt mit Polo Hofers “Titanic” fort, bevor er aus aktuellem Anlass “Worldparty” auflegt mit “Good Bye Jumbo” und “Put the message in the box!”.
Kurz vor den Nachrichten kommt noch Polo Hofers mitreissender Song, “Du chasch nid tanze”, danach “Giggerig”, der immer noch fetzig in die Knie geht und am Schluss “Hopp Schwiiz”. Ueli tanzt mit Karin, Wilfried mit Ernst, Laura mit Lisbeth, deine Kinder um das dekorierte Bäumchen draussen und drinnen alle miteinander um sich selber.

Als die Nachrichten anfangen, über den Bandenkrieg Klükonischer Ziegenhirten in den Nordkauläppischen Hochsümpfen zu berichten, schaltest du ab und legst die Fernbedienung wieder neben den Teller mit den Hühnerknochen. Mit einer Serviette aus St.Gallischem Hanf putzt du dir danach fein säuberlich den Mund ab.

 

Zehn Jahre Hanf legal und so vieles ist anders geworden!

Zehn Jahre Anerkennung der vielseitigsten Nutzpflanze. Zehn Jahre intensiver Forschung. Zehn Jahre bahnbrechender Erkenntnisse. Über eine Pflanze, die nie ihre letzten Geheimnisse preisgeben wird.

…………

Zur Krönung des Tages stopft Ueli noch eine Pfeife mit der Blüte dieser Pflanze, die zu guter Letzt AUCH eine Droge ist. Die kleine Pfeife macht die Runde. Einige ziehen daran, andere nicht. Du denkst an früher… Man nannte es damals Haschisch, Hasch, Dope, Grünen, Roten, Schwarzen, Ganja, Pakololo, Knaster; und wenn man damit erwischt wurde, landete man im Knast. (Lateinisch nennt man diese Pflanze Cannabis, was aus dem Frühsemitischen mit “Wohlduftender Schilf” übersetzt werden kann.)

Du schnupperst in der Luft. Ein angenehmer würziger Duft legt sich über dein Wohnzimmer.

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………

Lange Zeit schauen alle ins Feuer, ohne etwas zu sagen. Schon zehn Jahre? Du glaubst es kaum! Deine Frau Rosa ist die erste, die wieder das Wort ergreift.
“Lasst uns an einem Tag wie heute all Derer gedenken, die Jahrtausende eingesperrt wurden, weil sie gerne gekifft haben! Bum shiva! Ich weiss, es ist fast nicht mehr vorstellbar, dass man für so etwas bestraft werden kann, aber es ist nicht lange her, da war dies noch SELBSTVERSTÄNDLICH!” Dazu schaut sie aus der Hängematte ernst zu Ernst hinüber, der ernst zurückschaut.

Er hängt faul mit dir und den anderen auf dem grossen halbrunden, mit naturfarbenen Cannabis überzogenen Canape. Die ersten Gäste sind schon gegangen und Julia und Rasputin sollten im Bett sein… Vor dem Fenster bläst der Föhn durch silbern glänzende wogende Hanffelder, die im Vollmond wie ein stürmisches Meer aussehen. Dazu lauft leise im Hintergrund “legalize it!” von Peter Tosh. Waren das noch Zeiten!

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Ernst übernimmt den Faden den Rosa gesponnen hat und fährt fort, zu erzählen. Er hat eine Hanfplantage auf einer Insel des Lago Maggiore. Rein therapeutische Pflanzen, wie er betont, die die heilende Sonne des Tessins in sich tragen. Er ist Vorstand der Vereinigung hanfverarbeitender Industrien Südschweiz.

“Stellt euch vor…” beginnt er gemächlich und krault dazu vielsagend seinen grauen Bart “Stellt euch vor, Hanf wäre damals NICHT legalisiert worden! Ich weiss, es ist schwer, sich dies vorzustellen, aber an so einem denkwürdigen Tag wie heute könnten wir es doch immerhin versuchen!” Dazu schaut er gespannt wie ein Luchs in die Runde.
„Ja, erzähl schon, Ernst!” ermuntert ihn Lisbeth. “Wie, glaubst du, würde es denn heutzutage ausschauen? Ich für meinen Teil, kann mich
irgendwie gar nicht mehr so genau erinnern…”

Eine Weile sagt niemand etwas.

Auch Ernst ist noch in Gedanken versunken, als Laura anfängt zu erzählen:
“Es wäre wohl wie im Chicago der Dreissiger Jahre” meint sie ironisch. “Unsere Gesellschaft würde aus schwarzen und weissen Schafen bestehen, die sich bekämpfen würden. Mähh!”
“Du spielst auf den Rassismus von damals an, der zur Prohibition geführt hat?” fragt Jean Jacques mit gehobenen Augenbrauen.
“Genau!” antwortet Laura, “Rassismus wäre heutzutage wohl eines der grössten Probleme unserer bunt gemischten Welt.
Genau so, wie sich dieser Rassismus DAMALS aus einer Abneigung gewisser weisser Herren gegen gewisse fröhliche Anlässe Schwarzer richtete, genau SO wäre es weiter gegangen. Damals war es noch Jazzmusik, die der Einfachheit halber Negermusik genannt wurde, die die gelangweilten Herren erregte. Es wurde dort nämlich auf eine recht andere Art und Weise getanzt und gefeiert, als in den Zirkeln der etablierten weissen Herren in Pinguinkostümen, die sich nicht damit abfinden wollten, dass es dort unten, in New Orleans, nicht nur bedeutend lustiger zuging, als an den Opern Chicagos, sondern dass zu aller Frechheit – nicht etwa mit einer gewissen Würde (und nur unter Männern) Zigarren aus Batavia geraucht wurden – sondern kleine, krumme Joints mit einem krümeligen und damals noch recht billigen Kraut aus Mexiko.

Das machte die Negerlein beim Baumwolle pflücken zwar etwas lustig, aber dummerweise auch danach. Sie trafen sich in IHREN Zirkeln, machten IHRE Musik, tanzten IHRE Tänze, rauchten IHRE Joints und fanden dabei das Lachen wieder, das ihnen im Laufe der letzten Jahrhunderte Sklaverei etwas abhanden gekommen war. Das störte die Herren!

Mann beriet sich, rauchte Batavias, ass Kaviar und trank Jonny Walker dazu, den man gerade wieder legalisiert hatte…und der dummerweise eine riesige Behörde hinterlassen hatte, die sich nach einer neuen Aufgabe umsah. Der Neger war irgendwann gefunden, der fünf weisse Farmerstöchter auf dem Weg zur Sonntagsschule in Alabama mit einer Axt geköpft hatte.
Und dazu einen halb gerauchten Joint in seiner schmutzigen Hosentasche trug.

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Das dem Cannabis entsprungene Monster war geboren und kam gelegen! Besonders einem Herrn Hearst, der für sein Zeitungsimperium Futter brauchte und der es sich zur persönlichen Angelegenheit machte, dem altbewährten Hanf, der überall in Amerika aus tausenderlei Gründen angebaut wurde, eine Tarnkappe überzuziehen. Aus einem Namen, der gefährlich fremd tönte: MARIHUANA.

Ein Gesetz, dieses Marihuana zu verbieten, war daran, sich anzuschleichen, in Form eines Herrn Anslinger. Er war von Beruf Lügner und verdiente gut dabei. Er war ein gerne gesehener Gast bei den Firmen Du Pont und Mobil Oil und ausserdem ein berufliches Überbleibsel der Alkoholprohibition, wo er in leitender Position den Kampf gegen diese Droge führte. Man verstand sich gut, goss reichlich Gin Tonic nach und erfand dabei die grösste, hinterhältigste und vor allem dreckigste Lüge, die je auf diesem
Planeten gelogen worden war. In diesem kurzen Moment, in dem ein schlecht informierter Amerikanischer Kongress über ein Gesetz abstimmen musste, das in letzter, aber nicht absehbarer Konsequenz, den Anbau von Hanf verbot, in diesem kurzen Moment amerikanischer Demokratiegeschichte… entschied sich viel mehr, als es sich selbst ein professioneller Lügner wie Anslinger hatte vorstellen können.

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Das neue Gesetz erwies sich als voller Erfolg. Tausende kleiner Negerlein wanderten ins Gefängnis aus, wo man ihnen grosszügig Asyl gewährte und Arbeit gab. Man hatte zwei Fliegen auf einen Streich: Es gab plötzlich wieder die guten alten Sklaven. Und in New Orleans war es nicht mehr ganz so lustig… Wo wir jetzt wohl wären, wenn vor Jahren diese List dieser amerikanischen Herren nicht durchschaut worden wäre, ist undenkbar! Wäre
Hanf IMMER noch verboten, würden wohl immer noch Menschen danach beurteilt, was sie EINnehmen. Und nicht danach, was sie ABGEBEN!”

“Bleib beim ‘Thema Laura!” ruft Lisbeth dazwischen.

“OK, was ich sagen will, ist, dass ich das Gefühl habe, dass unsere Zeit wohl fast so rassistisch wäre, wie damals in New Orleans. Denn der Konsum von Drogen ist in einem ähnlichen Sinn für die Qualität eines Menschen unbedeutend, wie seine Hautfarbe. In dem Sinne weiter gedacht, ist das Verbieten von (weichen) Drogen ein Akt von RASSISMUS, denn er führt zu einer drakonischen Separierung von Menschen, ohne dass es
dafür einen vertretbaren Grund gibt.

Es ist, so glaube ich, der Ausdruck eines Neides um verborgene Welten, die in sich zu tragen ein selbstverständliches Gut der Freiheit des Gedankens ist; also der Phantasie, der Gefühle und AUCH der Wahl der SCHEIBE! In dem Sinn…Cheers Lisbeth! Auf unsere wilden Jahre damals, an die du dich vielleicht nur nicht mehr so genau erinnern MÖCHTEST… Weisst du nicht mehr, wie wir auf den Tramschienen sassen, ohne ein Tram dazwischen und gleichzeitig auf einer rosa Wolke schwebten?”
……

“ICH finde, in Zürich während den Achtzigern war es ja allgemein auch nicht besser”, fährt Achmed fort und grübelt sich dabei in der Nase. “Damals ist doch in etwa derselbe Bullshit abgegangen wie in Chicago oder New Orleans! Die Negerlein waren zwar nicht schwarz, aber immerhin schwarz angezogen. Wer den ersten Stein warf, ist unbedeutend! ICH war es nicht! Auch dort war es eine Geburt des Neides, um die hier und da aufkommende Fröhlichkeit der Jugend; bei Anlässen, an denen gelegentlich ein Joint die Runde machen konnte. Das ging natürlich NICHT!

Auch wir Schweizer mussten diese Teufelsdroge verbieten! Nicht bloss drängte die Schweiz das Amerikanische State Departement (und mit ihm der Anslinger Harry), sondern auch unser Pflichtgefühl (Traditionen nicht zu vermischen), unser Verantwortungsbewusstsein (für die Kultur der Jugend), und unsere allgemeine Sorge um die Ruhe an sich. Und die unsere im Speziellen.
War es in Amerika noch ein handfestes Interesse der dortigen (Chemie-Textil-Pharma-Papier) Industrie, Hanf den Garaus zu machen, so war es in der Schweiz eher das Resultat eines hinter Amerika her schwänzelnden Rechtsgefühls. Also Blindheit auf einem Auge… Dass nicht legal sein darf, was nicht lustig IST… – sondern etwas, das lustig MACHT! Etwas, das vor der stieren Aussenwelt schützt. DAS war mit guten Argumenten schnell zu verbieten, immerhin bestand die Gefahr, dass zum Beispiel ein kleines Kind von einem Lastwagen überfahren wurde, weil es die Hupe nicht gehört hatte, weil es gerade auf dem Pausenhof einen Joint geraucht hatte. DIESER Gefahr musste begegnet werden! Täglich – und bis in alle Ewigkeit!
Es ging um das Leben weisser Farmertöchter auf dem Weg zur Sonntagsschule in Alabama, ebenso wie es um Vreni an der Nordstrasse ging. Alle waren bedroht…!

Die List der Herren Anslinger, Hearst, Mellone und Du Pont war hinter diesem zügig auch in der Schweiz eingeführten Gesetz zwar nur dürftig versteckt… doch kümmerte dies die damaligen Gesetzesgeber nicht im Geringsten! Schliesslich gab es auch in der Schweiz bereits eine chemische Industrie, die gerne ihre Kunstfasern, Kunstdünger, Kunst-, Stick- und anderen Stoffe verkaufte…

Nylon wuchs bald an Frauenbeinen hoch, schlängelte sich als Trevira hauteng um die Hüften, kroch von dort als Dralon quer über den Busen, schützte etwas später als Perlon(schirm) vor dem inzwischen sauren Regen, bevor er sich als Polyester über den ganzen Körper des modernen Menschen ergoss. Das freute die Chemische Industrie, Ölscheiche und die USA.

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Dass die Chemische Industrie ab und an auch ein paar eher *Humanozid* zu nennende Drogen erfand, war weiter kein Problem, denn man konnte sie ja einfach verbieten! Das tat man teilweise auch….

So fügte sich über Jahrzehnte nicht nur Orlon an Perlon an Nylon, sondern auch Heroin an Kokain an Amphetamin, an Extasy, an LSD, an Hanf. Man verbot es und hatte sich damit jeglicher Verantwortung entzogen. (Ichhabedirjagleichgesagt:lassdieHändedavon!)

Womit wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten. Der Wirt war die andere Welt, die uns diese Drogen scheinbar öffneten, und die nicht im Mindesten weniger real wirkten, als die Tagesschau. Im Gegensatz zu letzterer, hatten diese Welten etwas mit UNS zu tun! Mit unseren Sehnsüchten zum Beispiel! Also trafen wir uns in heimeligen Parks, liessen Bongs die Runde machen und redeten. Weil es gleich nebenan in den leeren Fabriken auf der anderen Seite der Flüsse verboten war. Weil man dort Parkplätze bauen wollte, weil es dort U-Bahn Stationen geben sollte. Weil es dort Landesmuseen gab, Bahnhöfe, Schulen, Kinder. Und überhaupt, wo kämen wir da hin? Hiess es knapp – und niemand hatte Zeit, auf eine Antwort zu warten.
Dafür waren bald die Herren zur Stelle, die für alles zuständig waren, was verboten war: Im Besonderen Leute der Mafia, der Polizei und der Medien.
Dazwischen schlängelten sich Statisten zu ihren Quellen der Sucht. Wie scheue Rehe, die im Schutz der Dunkelheit ihre Krippen aufsuchten und kaum hatten sie sich einen Schuss gesetzt – unter fahlen Laternen auf dem Eis ausrutschten. Sie wollten in Ruhe gelassen werden, sonst nichts! Auch wollten sie gar nicht soviel bezahlen MÜSSEN, für ihre Sucht! DAS lag nicht an IHNEN! DAS lag an den Herren, die zuständig waren, für alles, das verboten war.

platzspitz_s12.jpgDa mag der Eine oder Andere, und im Heisshunger seiner Sucht, die eine oder andere Handtasche entrissen haben…aber wissen WIR, was er WIRKLICH suchte?

Es wurden Schuldige gesucht, Rauschgifthändler gesucht, Kleindealer gesucht und gefunden, Grossdealer gesucht und nicht gefunden, Fixer gesucht, Handtaschenräuber gesucht, Süchtige gesucht. Ein Grund gesucht. Ein Grund, NOCH mehr suchen zu dürfen, überall suchen zu dürfen, mit allen Mitteln suchen zu dürfen. Immerhin stand das Wohl der Allgemeinheit auf dem Spiel!
Natürlich musste dem Ganzen ein Riegel vorgeschoben werden! Das tat man auch. In Form eines für Fixer nicht überwindbaren Zaunes. Also HIER zumindest waren sie jetzt nicht mehr… Worauf man sich wieder auf die Suche machen konnte. Und der ganze Spagetti Western von vorne beginnen konnte.

Es wurde fröhlich herum geschossen und es gab Podiumsdiskussionen noch und nöcher. Langsam und fast unmerklich entstand dabei eine Form von Bürgerkrieg, der aber diskret unter Brücken ausgefochten wurde. Herr und Frau Schweizer wurden täglich vom damals noch existierenden „BLICK“ auf dem Laufenden gehalten und davor gewarnt, ja nicht zu später Stunde mit einer Handtasche vor die Haustüre zu treten.
Was Herr und Frau Schweizer befolgten. Dafür verfolgten sie aufmerksam die Nachrichten, wo live über diesen Bürgerkrieg berichtet wurde. Es gab Tote und Verletzte dabei und jede Menge zu erzählen. Dazu ass man Luxemburgerli und liess des Nachts das Licht brennen, wenn man in die Oper musste…

Ja, die Zeiten waren wahrlich kindisch damals, als ich noch jung war. Damals, als ich noch nicht wusste, was ich einmal werden wollte!” endet Achmed und schaut freundlich in die kleine Runde.

……………

“Ich bin ja bloss froh, dass ich nicht zum Beispiel im 1984 meine Kinder gross ziehen musste” meint Susanne. “Was hätte ich Mark und Twain und Thelma und Luise und George sagen sollen, wenn sie mich gefragt hätten, warum es eigentlich an jeder Strassenkreuzung eine TV Kamera hat, die sich manchmal sogar bewegt. Sicher hätte George dies mit seinen Adleraugen schon früh entdeckt!”

War das nicht im Jahr 1984, als in den USA 600000 Leute wegen Hanf eingesperrt wurden?” hakt Ernst nach.
“Das kann gut stimmen!” erwidert deine Frau Rosa, die sich bislang nicht zu Wort gemeldet hatte und in der Hängematte aus Hanf liegt. Plötzlich steht sie aber auf und sagt: “Ein Moment mal!” Sie läuft an das andere Ende des Wohnzimmers zur Bücherwand und beginnt zu suchen. Draussen bläst immer noch der Föhn. Im offenen Kamin flackert ein gemütliches Feuer. Jean Jacques scheint schon zu schlafen, alle anderen schauen verträumt ins Feuer, worin sich ihre Blicke treffen.

“Hier!” ruft Rosa vom afghanischen Kamelhocker herab, und zieht ein kleines Büchlein aus dem obersten Regal “Ich hab’s gefunden, stell dir vor!”
“WAS gefunden?” fragt Jean Jacques etwas knurrig.

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Sie durchquert das Wohnzimmer und macht es sich wieder in der Hängematte bequem.
“Dieses Büchlein, das damals in unserem Land kursierte und das viele interessante Zusammenhänge der Hanfprohibition erklärte. Warte mal!
Hier steht: 600000 people arrested in 1984 alone! Für einen Marihuanabezogenen Gesetzesverstoss. Also Besitz, Konsum, Anbau oder Verkauf von Haschisch oder Marihuana, wie sie dort das Kraut nannten. SEX-HUN-DERT-TAU-SEND!”

“Stell dir vor, wo wir wohl heute wären, wenn wir diese um sich greifende Begründungslücke nicht erkannt hätten! Denn was für KOSTEN die Prohibition mit sich brachte, liess sich ja gerade noch in Zahlen ausdrücken, was sie aber für NUTZEN brachte, war am Schluss niemandem mehr klar. Oder irgendwie logisch erklärbar…

Es entpuppte sich immer mehr als ein Gesetz um des Gesetzes Willen. Hanf war zwar eine (im Vergleich zu Alkohol & Zigaretten) unschädliche
Droge. Aber es ging um ein PRINZIP. Wodurch es besonders der Jugend Spass machte, gegen dieses Prinzip zu verstossen!
Es war halt cool, wie man damals so sagte. Es wurde fröhlich gekifft und viel weniger fröhlich gefixt im Land der Eidgenossen. Es wurde geschnupft, geraucht, getrunken und gefeiert. Aber WIRKLICH fröhlich war kaum jemand und zu lachen gab es immer weniger, je mehr sich das Jahrtausend dem Ende näherte. Es war ein Jahrtausend der Dogmas, der Verbote und Tabus. Der Brandschatzer und Brunnenvergifter, der Scheiterhaufen und der Kriege.”

Worauf Rosa sich in der Hängematte umdreht und das schon recht abgegriffene Büchlein auf den Rauchertisch legt. Zwischen die Schachtel Hanflys und die Füsse von Jean Jacques, die er mit der grössten Selbstverständlichkeit auf dem Tisch abgestützt hat. Er ist unverbesserlich, denkst du. Er hat keine Manieren! Nicht mal die Hanfsocken hat er an!
Du versuchst ihn vorwurfsvoll anzuschauen, aber seine schelmischen Augen stimmen dich um.

“ICH glaube, wir würden jetzt wohl nicht gemütlich zusammen sitzen und plaudern,”

fährt Jean Jacques fort, “wenn wir damals nicht den Konsum von Drogen legal gemacht hätten. Wir hätten uns vielleicht auch hier und heute getroffen, aber vielleicht nur, weil es hier irgendeine virtuelle Realisationsmaschine hätte. Statt der Pfeife quasi! Sie wäre verwandt mit dem Fernseher, doch ganz anders. Eine Art dreidimensional-quadrofonisch-bonbonfarbener kleiner Raum in der Form eines Helmes, den man sich überstülpen würde. Man könnte damit zum Beispiel ganz einfach und mit wenig Phantasie in einem unendlich wirkenden Weltall Loopings drehen in Lichtgeschwindigkeit.”

Rosa schaut ihn entsetzt an und hört ihm weiter zu: “Auf Knopfdruck könnte man sich auch in einen Wurm verwandeln, um sich dann krümmend durch einen verfaulten Apfel zu beissen, den ein besoffener Gorilla zu fressen versucht. Und so weiter….
Diese Art Ersatzwelten hätten sich über die wahre Welt gestülpt. Wie zu enge Helme mit dunklen Gläsern, durch DIE betrachtet unsere Welt düster wirken würde, banal und für den einen oder anderen gar flach. DIES wäre die gefährlichste Scheibe! Sie würde als letzte identifiziert: Sie wäre hohl und kitschig!

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Sie wäre die Zweitausenderste Missgeburt des gleichen Geistes, der uns aus eckigen Glasröhren schon jahrelang unsere Intelligenz geraubt, oder doch zumindest beleidigt hatte. Wie die elektronische Form eines Kasperletheaters in dem es drei Chefkasperle gibt. Es war nie ganz klar WER die Kasperle in der Hand hielt, aber es liess sich in Etwa so umschreiben, dass es EINEN Kasperle gab, der versuchte, LUSTIG zu sein – mit immer dooferen Filmen – einen zweiten, der versuchte uns ANGST einzujagen vor der Welt um uns herum und speziell klükonischen Ziegenhirten. Worauf der dritte Kasperli kam. Er schaute immer wieder ganz kurz und frech in unsere guten Stuben hinein, musterte den Weissegrad unserer Tischtücher, oder Hemdkragen
und entliess uns mit seinem sauberen Gewissen für 12 Franken 80 pro Doppeltrommel. Und so weiter!
Die Hemdkragen wurden immer weisser und manche Flüsse auch. Weiss der Herrgott warum… Aber mit der virtuellen Realität kam alles noch viel deftiger, noch kuscheliger, noch weicher… Wir waren auf dem Weg, frei zu werden wie unschuldige Marzipanengel, die Loopings drehen können, durch ein Universum aus bunter Zuckerwatte. Wir wären die Opfer der abgrundtiefen Langeweile unserer Vorfahren geworden… und wären selber schuld gewesen!

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Wir hätten dabei eine Art Helm über dem Kopf, einen Monitor vor den Augen und Bewegungssensoren an den Fingerspitzen, den Kniekehlen und den Zehen. Wir wären süchtig auf immer schnellere Reisen durch immer fremdere Welten. Diese wären in Form von Programmen an jedem Bahnhofkiosk erhältlich. Und für Kinder gabe es ganz speziell schöne Programme, in denen sie mit einer zum Leben erweckten Barbiepuppe unter einem Dach leben würden. Wahrscheinlich in einem Schloss mit zehntausend Zimmern, deren Türen sich jeweils öffnen würden, wenn sie eine Rechenaufgabe richtig gelöst hätten oder erraten hätten, wo die Nordkaulappischen Hochsümpfe liegen. Das würde dann unter Unterricht fallen, während es diesen wohl im heutigen Sinne gar nicht mehr geben würde. Schulen wären dann zu Softwarebüros verkommen und die Lehrer zu Softeis.

Im Park der Zehntausendzimmervilla gäbe es einen Swimmingpool, in dem sie mit Delfinen und Walen um die Wette schwimmen könnten. Dazu würden sie vor Freude juchzend und mit einem schwarzen Gerät vor den Augen Schwimmbewegungen mit ihren Armen machen und gar nicht mehr merken, dass sie im Luftschutzkeller auf einer Bank festgeschnallt sind. Und sie würden richtig zappeln mit ihren Beinen, wenn sie hinter Schmetterlingen her rennen würden, die es gar nicht gibt. Und einen Garten gäbe es natürlich auch, bei dessen Betreten sich die Bank automatisch in eine senkrechte Position drehen würde und unter ihren kleinen Füssen würden sich in Spezialschuhen Luftpolster füllen und das Gefühl des Barfuss laufen vermitteln. So ausgerüstet, könnten wir unsere Kinder spielen und lernen lassen und sie wären erst noch sicher davor, überfahren zu werden oder Drogen zu nehmen.
Sie müssten Namen von Pflanzen auswendig wissen, um weiterlaufen zu dürfen. Oder wissen, zu welcher Gattung dieser oder jener Baum gehört, bevor sie auf ihm herumturnen könnten. Dort dürften sie Hütten bauen aus Dreiecken und Kugeln. Und wenn sie dabei etwas falsch machen, würden sie von einem Saurier vom Baum gezerrt und dabei dreitausend Punkte verlieren.

Es gäbe Fleisch fressende Blumen, die nach ihren Händen schnappen würden, wenn sie die Blumen nicht füttern würden mit Heuschrecken, und
sie würden unterscheiden lernen zwischen Nutzpflanzen und Schädlingen. Und gar vieles sonst über die bedrohte Natur.
Ganz komplexe Zusammenhänge würden auf spielerische und sichere Art vermittelt und am Schluss würde ein Laserdrucker das Zeugnis in einem farbigen Hologramm ausdrucken und wäre nicht lauter dabei, als das Summen der Belüftungsanlage, die saubere Luft in den Luftschutzkeller bläst.

Und verstehen könnte dieses Zeugnis nur, wer selber eines besitzt.” beendet Jean Jacques seinen ahnungsvollen Monolog.

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………….

Längere Zeit sagt niemand etwas.

Im Kamin ist das Feuer langsam am verglimmen und du legst ein neues Hanfbrikett auf. So recht zum Scherzen ist niemandem zumute.

“Glaubst du wirklich, dass es soweit gekommen wäre?” fragt Lisbeth Jean Jacques, ohne ihre Augen vom Feuer zu wenden.

“Ja, das ist was ICH glaube!” antwortetet er ihr müde.

Du bist in der Zwischenzeit auch etwas müde und hoffst darauf, dass die Party langsam zu Ende gehen möge, so schön sie war. Der Tag war lang und ausgefüllt und morgen willst du wieder mit deiner Familie an den Thürlersee, wo du das letzte Mal über deinen Hund gestolpert bist. Du gähnst und Jean Jacques versteht das Signal.

“Ich glaube, wir sollten uns jetzt langsam auf den Heimweg machen, es ist schon spät!” Dazu schaut er dich und deine Kuckucksuhr an und setzt sich gerade auf.
“Es ist so leicht ins Schwafeln zu kommen, wenn man ein Pfeifchen geraucht hat und darum rauche ich auch fast nie mehr. Die Gedanken werden auseinander gezogen, die Worte, die Zeit. Wir kommen nicht mehr auf den Punkt, weil tausend Facetten unserer Welt vor unseren Augen flimmern. Wir werden uns auch nie vorstellen können, wie alles wäre.
Lasst uns froh sein, dass die Zeit auf unserer Seite war, und lasst uns daran arbeiten, dass sie uns nie mehr verloren geht, wie eine Murmel im Pausenhof. Lasst uns weiterhin nicht bloss am selben Hanfstrick ziehen, sondern auch auf der gleichen Seite! So, das wär’s von MEINER Seite, Prost!”

Nach kurzer Pause fährt Ernst fort, zu erzählen, weil er noch etwas auf dem Herzen hat. Er ist der typische Gärtner. Hageres Gesicht, kantiger Schädel, Vegetarier und erfolgreicher Unternehmer in einem. Seine Firma “Hanfopharm” wächst ihm schon fast über den Kopf. Ihm, dem bärenhaften und fleissigen Naturburschen. Wie er das wohl geschafft hat, fragst du dich und schaust anerkennend zu ihm hinüber.

“Ich verstehe sehr wohl, wie Jean Jacques es meint, wenn er sagt, dass der Genuss von Hanf zu einer Art Verzettelung der Gedanken führt. Wer von uns kennt dies nicht. Ich meine aber, dass noch ein anderer Effekt dahinter liegt, der subtiler wirkt und länger anhält. Ihm haben wir VIELLEICHT zum Teil zu verdanken, dass sich überhaupt etwas zum Besseren geändert hat. Hanf ist halt nicht bloss eine Droge, sondern auch ein Medikament. Genauso, wie es zu einer Explosion der Gedanken führt, führt es letztlich wieder zu Zusammenhängen, die zum Teil wohl erkannt werden können. Es ist eine Frage des persönlichen Charakters, die Spreu vom Weizen trennen zu können, aber ich habe immer wieder gesehen, dass Hanf die Fähigkeit dazu in keiner Weise beeinträchtigt.”

Jean Jacques räuspert sich, aber Ernst scheint ihn zu überhören und fährt fort. “Damals, als alles noch beim Alten war, konnte man die Situation jedes Einzelnen mit einem unfertigen Puzzle vergleichen. Es sah auf den ersten Blick recht vollendet aus, aber bei genauem Hinsehen sah man Löcher und versuchte sie mit Teilen zu komplettieren, die so aussahen, als wenn sie gut passen würden. Aber das taten sie nur selten. Vom Bild her stimmten sie zwar haargenau, aber die Formen hatten entweder dort eine Ecke zu viel, oder dort eine zu wenig. Je mehr man versuchte, die Teile an die richtigen Stellen zu bringen, je frustrierter, unzufriedener und nervöser wurde man.

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Fast jeder vernünftige Schweizer rannte emsig seinen Puzzleteilen nach; für ein Bild, das, wenn es einmal fertig sein würde, harmonisch hätte sein sollen und schön, und das über das Cheminee gepasst hätte, nachdem man die Teile fest geleimt hatte.


Natürlich waren auch alle möglichen Formen von Rahmen im freien Handel erhältlich, aber die meisten hatten die Eigenschaft, dass sie entweder
ein bisschen zu gross oder ein bisschen zu krumm waren. Kaum jemand fand je den passenden Rahmen für sein unfertiges Puzzle.

Da musste Hanf einschlagen, wie eine Bombe.

Es war das Medikament einer kranken Zeit, die nonstop von Sicherheit redete, Gesundheit, Komfort und Wohlstand. Und dies, obwohl immer mehr Leute sich überhaupt nicht wohl fühlten, geschweige denn sicher.

Die Zeit war eine Zeit der täglichen Inkonsequenzien, die sich dann aber so schön sichtbar und greifbar an der Drogenpolitik von damals zeigten. Die Drogengesetze waren so ungerecht, korrupt und fadenscheinig, wie des Königs neue Kleider und dies realisierten irgendwann sogar Politiker. Es war verboten, sich selbst etwas fröhlicher zu stimmen, via die Blüte eines kleinen, harmlosen Pflänzchens, aber es war erlaubt, sich dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben, und das in fast jeder Form. Ob dabei Wälder geopfert wurden, die Ozonschicht angegriffen wurde, oder gar jemand überfahren wurde, spielte damals nur eine nebensächliche Rolle. Hauptsache, die Arbeitsplätze waren gesichert!

Um den Platzspitz der achtziger Jahre drehte sich Tag und Nacht eine Autokolonne und zeigte durch getönte Scheiben und mit spitzen Fingern auf Fixer, die im schlimmsten Fall SICH SELBST zerstörten. Eine Kraft war emsig damit beschäftigt, uns Menschen dumm zu machen, und ich glaube, dass sich diese Kraft auch in PS oder Kilowatt ausdrücken liesse.

Es war die Seele der Maschine, die wir zu lang nicht wahrgenommen hatten. Sie trug in sich, fast wie ein verborgener Code, die Aufgabe, alles immer ein wenig komplizierter zu machen, worauf dann immer die Begründung für die nächste Generation Maschinen erwuchs.

Den Tieren ging es schlecht, den Pflanzen und Flüssen und Meeren ging es schlecht, den Menschen ging es auch grösstenteils schlecht, aber den Maschinen ging es hervorragend, glänzend. Sie blinkten, knatterten und verkauften sich von selbst. Sie glichen Viren, die sich den Mensch zum Wirt machten. Sie waren dumm an sich, repräsentierten aber die Essenz jahrelangen Tüftelns mit Rastertunnelmikroskopen, Mainframecomputern und Ringbeschleunigern.

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………..

Die Wissenschaft war stolz und wir dachten, wir hatten es auch zu sein. Ihre Geschöpfe dienten uns teilweise und teilweise dienten wir ihnen. Aber wir machten uns keine Gedanken über den Unterschied! Wir versammelten einen immer grösseren Zoo technischer Kreaturen um uns und merkten zu lange nicht, welche bissig und giftig und gefrässig waren; und welche zahm, freundlich, anspruchslos und intelligent.

Irgendwann verloren wir unsere Seele an sie, gaben ihnen Platz, wohin wir selber gehörten, liessen sie gewähren in ihrem vernichtenden Kampf
ums Überleben, halfen ihnen sogar dabei, kauften sie und steckten ihre Teufel-schwänze in Steckdosen aus Plutonium. All dies bloss, um warme Füsse zu haben, die wir eigentlich für nichts mehr brauchten, als zum Gasgeben und Bremsen und die wir tagsüber unter breiten Pulten parkten.

Wir trugen kleine Maschinen am Arm, die sich unermüdlich um unsere Tage drehten und wir dachten, wir mussten uns mit ihnen drehen und merkten nicht, wie sie bloss auf unseren Nasen tanzten, wie sie uns die Sicht einengten, wie sie uns ablenkten vom Leben, wie sie selber zu Leben wurden, lebendig wurden, wie sie begannen zu atmen, zu fressen, zu scheissen, wie sie Giftmull schissen, Giftgas furzten, Gift frassen, immer mehr wurden, immer grösser und immer schneller wurden, immer mehr ihr eigenes Leben lebten.
Dieses Eigenleben der Maschinen, das sich immer mehr verästelte und spezialisierte und immer gewaltiger und gewalttätiger um Dasein rang, diese zweite Schöpfung fast, die auf den Schultern von uns Menschen wuchs und uns gerne klein sah und schwach und dumm und unfähig zu handeln, IHR konnten wir nur Herr werden, wenn wir uns auf die Seite dessen schlugen, auf dessen Schultern wir selber sassen. Und das war die
lebendige Natur.

Diese Erkenntnis breitete sich gegen Ende des letzten Jahrtausends schlagartig aus. Immer mehr Menschen, und zwar speziell in der kleinen Schweiz, realisierten, dass es vielleicht nicht Platz gab für zwei Schöpfungen nebeneinander und dass die eine nur durch die andere unter Kontrolle zu bringen ist. Wäre dies nicht geschehen, so wären wir jetzt wohl die Sklaven unserer Steckdosen! Prost!”

Du bist plötzlich gar nicht mehr müde, ganz im Gegenteil!

“Vielleicht wäre unsere Welt heutzutage gar nicht so anders” fährt Karin fort, nachdem noch einmal eine kleine Pfeife die Runde gemacht hatte. “Wir hätten unsere Jobs, unsere kleinen Stressli hier und dort, unser Puff um die Finanzierung der SBB und unsere Ferienhäuser, die wir auch heutzutage haben. Wir hätten Geld und volle Kühlschranke und volle Köpfe. Wir hätten sicher den Anschluss an die neue Zeit nicht verpasst, aber vor lauter Raps und Schnaps wohl nur auf Umwegen. Wenn es vor zehn Jahren nicht so weit gekommen wäre, dann halt vor fünf und alles wäre doppelt so schnell gegangen.
Hanf hatte AUCH ein Eigenleben, das um Dasein rang!”

“Und dann hätten wir jetzt mit Sicherheit nicht die Zwanzigstundenwoche”, wendet Laura ein. “Wir würden uns in langen Schlangen vor grossen Büros anstellen um ihnen zu beweisen, dass wir besser sind als die, die hinter uns warten. Sicher hätten wir brav unsere holografischen Zeugnisse dabei, die Jean Jacques erwähnt hat. Etwas Dämonisches hätte sich über unsere Zeit gelegt und wir hätten vielleicht nicht mehr den Mut, es zu wecken und davonzujagen.”

Und todsicher wäre auch noch eines von diesen Atomkraftwerken hoch gegangen, die ja heutzutage überflüssig sind”, fährt Lisbeth fort. “Mitten unter uns. Stellt euch DAS vor! Da gäbe es überhaupt keine Schweiz mehr und keine Schweizer! Wir wären Flüchtlinge vor unserer strahlenden Vergangenheit und lebten jetzt irgendwo verstreut im tiefsten Ausland. Prost nägelil”

…………………

Lisbeth nimmt noch einmal einen tiefen Zug aus der Pfeife und du hörst ihr gespannt zu, wie sie weiterredet.

“ICH glaube, ohne Hanf wäre die Schweiz Mitglied dieser komischen Vereinigung geworden”, fängt sie wieder hüstelnd an, “diesem Herrenclub, der bestimmen wollte, dass in Europa nur noch Brüsseler Salat angebaut wird. Und das wäre natürlich mächtig kompliziert in alle Hosen gegangen. Wir wären zu Schafen geworden und hätten unser Recht auf Teilgabe verloren. Das wäre sicher dem Vatikan recht gewesen, aber nicht uns Schweizern! Wir würden uns vielleicht immer noch eine Demokratie nennen, wüssten aber gar nicht mehr, was sie bedeuten kann.”

Adrian, der schon lange lasch im Sofa hängt und seine Beine am Rand des Kamins abgestützt hat, krempelt seine Ärmel hoch und beginnt kurz darauf zu erzählen:
“Ich für meinen Teil, als Schaufensterdekorateur, kann mir kaum mehr vorstellen, mit was für einem Thema man heutzutage besser zum Kaufen anregen könnte, als mit natürlichen, gesunden und, wie man dem früher gesagt hat, “umweltschonenden” Produkten. Wer will heutzutage noch in GIFTIG angebauter und GIFTIG gefärbter Baumwolle herumlaufen, um nur zwei Beispiele zu nennen? Die Umwelt sind schliesslich wir selber!”
Worauf er sich noch länger ins Sofa streckt.

“Ich sehe es so”,

fährt Achmed fort, der vor langer Zeit aus einem fernen Land in die Schweiz geflohen war. “Wir hatten uns damals bloss in unserer Symbolik verirrt! Es war aus heutiger Sicht tiefste Finsternis mit Halogenbeleuchtung. Die alles verbindende Technik wurde zum Inhalt einer Symbolwelt, die in SICH keine Mitte mehr hatte. Erst als Hanf in diese Mitte verpflanzt wurde, ergab sich wieder Sinn aus der Technik und ihren Symbolen. Wäre dieser Schritt damals nicht passiert, würde sich heutzutage wohl wegen allen möglichen Lächerlichkeiten aufs Dach gegeben, die damals so wichtig waren. Wir würden jetzt vielleicht hier sitzen und uns über Seelenwanderung zanken, über astrologische Deutungen oder noch schlimmer, über Gott!”

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…………..

Die letzte Schachtel HANFLYS macht die Runde und auch du greifst dir ein paar dieser leckeren Backwerke, die in ihrem nussigen Aroma unübertrefflich sind. Du stehst auf, legst noch ein paar Scheit Birkenholz auf die verglimmenden Hanfbriketts und beginnst zu erzählen:

“Als ich noch zur Schule ging, lernte ich in der Biologie, dass Pflanzen Kohlendioxyd einatmen und Sauerstoff ausatmen. Das tönte für alle logisch, denn Menschen und Tiere atmen Sauerstoff EIN und Kohlendioxyd AUS. Es wurde uns Kindern ein Kreislauf an die Wandtafel gemalt, der perfekter nicht sein konnte und der seit Millionen von Jahren funktioniert.

In einem anderen Fach lernten wir, dass die Atmosphäre der Erde von zu viel Abgasen belastet wird, die zur Änderung des Klimas führen können und zu einer Verstärkung der Sonneneinstrahlung. Diese Abgase bestanden zum grössten Tell aus Kohlendioxyd.

Dieses Kohlendioxyd, lernten wir wieder in einem anderen Fach, entstammt den fossilen Überresten längst vergangener Pflanzen. Sie waren aus verschiedenen geologischen Gründen untergewalkt worden, unter Schichten aus Stein oder Ton. Dort fand sie erst der Mensch wieder und baute sie ab. Es entstand Öl und Kohle daraus und der ganze Rattenschwanz an Produkten und Energieträgern, wie sie damals genannt wurden. Millionen Jahre alte Regenwälder verbrannten in Form von Heizöl in den Heizungen von uns Schweizern zum Beispiel, um dann diskret als Kohlendioxyd hinter dem nahen Horizont zu verschwinden. Als dieser etwas grösser wurde, bemerkten wir, dass einzig Pflanzen fähig waren, die Unmengen Kohlendioxyd wieder zu binden. Das tönte unpolitisch, hatte aber politische Folgen.
Der Geist, den wir aus der Flasche gelassen haben ist wieder angebunden worden. Er ist als Bauteil in Blätter, Äste und Wurzeln geschlüpft. Was früher noch Grund zum Husten war, ist jetzt der Grundstoff von Hustentee. Was früher wie ein Damoklesschwert ausgesehen hat, ist bei näherem Hinsehen zum Schweizer Armeesackmesser geschrumpft. Schön mit
Korkenzieher und Sichel.
Wie es heutzutage aussehen wurde, ohne den Faktor Hanf, auf diese Spekulation lasse ich mich gar nicht erst ein. Ich liebe die Gegenwart wie sie ist!”

Dazu entkorkst du einen guten Spiezer Wein. 1998. Du warst damals mit Rosa in Wayanaland, erinnerst du dich zurück, während du ihr bedächtig einschenkst und tief in ihre blauen Augen schaust.

……………..

“Ach, ihr seid doch alles Knallköpfe!”

ruft deine Tochter Julia in die gute Stube rein. Sie war wohl noch einmal heimlich in der Küche am Naschen gewesen.

“Hanf hat einfach eure Sinne benebelt damals und heute ist es nicht anders! Spielt lieber mit meinen Träumen als mit euren Worten!”

“Ab ins Bett, du Hexe!”

gibst du ihr zurück, worauf sie dir und deinen Freunden auf ihre Art eine gute Nacht wünscht.

……………
“IHR ALLE AB INS BETT!”, ruft sie scheinbar empört.

“Die Träume warten und sie haben keine Zeit! Sie wollen von unseren Gedanken gepflückt werden, wie reife Früchte am Baum. Sie sind wieder reif, merkt ihr es nicht?“

Dazu schaut sie aus der Küchentür frech in die müde Runde, die zu später Stunde vor dem offenen Kamin sitzt und sich die Augen reibt. Sie versteckt sich zur Hälfte hinter dem Türrahmen und im fahlen Licht sieht man ihre Augen dunkel blitzen.

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“Ich wünsche dir einen Traum…” fährt sie leise und geheimnisvoll fort, ohne dass klar wäre, wen sie damit meint. “Ich wünsche dir einen Traum, in dem du zur Kühlerfigur auf einem teuren und schnellen Auto würdest, ja das wünsche ich dir! Von ganzem Herzen!”

“Du würdest dann vorne auf deinem schnellen Gefährt tausend Jahre durch einen Tunnel aus Eis fahren und es wäre alles in leuchtendes Blau getaucht. Du würdest frieren dabei, je schneller die Fahrt geht. Und das würde sie auch: Schneller und immer schneller kommst du voran und es zieht dir kalt um die Ohren. Der Fahrtwind heult dir ins Gesicht und auch dir ist zum heulen zumute. Du träumtest, aber du wüsstest es nicht und du würdest überhaupt nicht wissen, auf was für einem Gefährt du zur Kühlerfigur geworden bist.
Du könntest nur an dir selber herabschauen und dabei merken, dass du zu Silber geworden bist, und du würdest frieren dabei, und nichts würde sich an deiner erbärmlichen Situation ändern. Ausser, dass du in der Zwischenzeit noch viel schneller geworden bist. Du würdest zu deinen Füssen herab schauen wollen, um das Nummernschild zu lesen, eventuell um eine Anzeige zu erstatten, aber es würde dich ungeheuer anstrengen.

Plötzlich gibt es einen Ruck, einen Knall, du hältst dich kopfüber an einer Stossstange fest, dein Gesicht wird vom Fahrtwind an das Nummernschild gepresst, du kannst es wieder nicht lesen, es ist zu nah vor deinen Augen. Du versuchst dich abzustossen, drückst wie ein Irrer, stemmst dich ab, und erkennst nur ganz kurz ein R und ein D, bevor du endgültig den Halt verlierst, durch die Luft gewirbelt wirst und dich beginnst zu drehen wie ein Propeller, der sich in der freien Luft vor dem Kühler dreht. Dabei spürst du, wie du selber zum Kühler wirst, zur Kühlerhaube, wie du selber zum Grund der Kälte wirst, aber du frierst nicht mehr dabei.

Du wirst zum Steuerrad, aber du brauchst nicht mehr zu steuern, deine Finger werden zu Schaltern, aber du brauchst nicht mehr zu schalten und deine Füsse werden zu Bleiklumpen. Du versuchst zu rennen und merkst, dass du fährst, und du versuchst klar zu denken und merkst, dass du ausgedacht wirst, in einem Tunnel aus Eis.

Und immer noch bleibt alles in blaues und helles Licht getaucht. Du bist durstig und denkst an Benzin, als das erste Schild an dir vorbeirast, das du seit langer Zeit gesehen hast: „RASTSTATTE 500 Meter.“
Du freust dich, erinnerst dich plötzlich, wie man bremst, hältst Ausschau nach einer Ausfahrt, einer Art Abzweigung im Tunnel, aber sie kommt nie.

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Es vergehen hundert Jahre Fahrt durch einen Alptraum der Zukunft, oder zumindest kommt es dir im Traum so vor. Du bist selber das Resultat deiner Träume geworden, aber du merkst es nicht. Und du beginnst wieder zu denken, zu fühlen, willst hinaus aus diesem Tunnel aus Eis.

Du erinnerst dich der Sonne, der Sterne, beginnst wieder zu merken, dass du frierst, beginnst mit den Fingern zu spielen, den Schaltern, den Pedalen und probierst jeden Knopf aus, bis du merkst, wie viele es gibt. Dutzende, hunderte, tausend bunte Knöpfe, die du vorher noch gar nie gesehen hast.

Du beginnst wieder zaghaft, den Kopf zu drehen, der Jahre festgefroren war, und du merkst, dass es geht. Du drückst den falschen Knopf und wunderst dich, dass dir aus der Hupe ein Lachsack entgegen springt…, bis du merkst, dass du selber lachst!

Du lachst, bis du merkst, dass du nichts zu lachen hast, dass du immer noch in einem Tunnel aus Eis festgehalten wirst, dass du mit Lachsackschaltern spielst, mit Hupen, Lichtern und Funkelkram. Du erinnerst dich wieder der Sonne, worauf es dunkel wird, wie nie zuvor.

Deine Finger tasten hilflos nach Schaltern, als du ganz weit weg plötzlich ein kleines Licht siehst, und du gibst Gas, dein Puls beginnt zu schlagen, und schnell und immer schneller kommt das Licht auf dich zu, wird zum Stern, wird zum Licht am Ende des Tunnels, wird zum Mond, der heller und voller wird, zur erkennbaren Form wird, zum Kristall, auf den tausend Scheinwerfer gerichtet sind.

Als du ganz nahe bist, gehst du voll in die Bremse, kommst zum Stillstand und steigst aus.

………….

Du wunderst dich, dass du überhaupt noch laufen kannst. Es ist absolute Stille. Du hörst nur deinen rasenden Puls und gehst auf den Kristall zu, willst ihn berühren, willst ihn anfassen, merkst aber, dass du vor einem grossen Spiegel stehst.

Du bist berührt, wunderst dich über dich selber, drehst dich vor dem Spiegel im Kreis, schaust über deine Schulter, wie du von hinten aussiehst, merkst keinen Unterschied dabei, merkst bloss, dass du durchsichtig bist, Eiskristall bist, Schneeflocke, die ein kalter Winterwind vor sich herzutreiben scheint.

Enttäuscht und frierend gehst du zurück zu deinem Gefährt und merkst plötzlich, dass du es das erste Mal auf deiner langen Reise von aussen betrachten kannst.

Du merkst wie schön es ist, wie sauber und doch nicht leer. Du freust dich über den schieren Anblick und staunst nicht schlecht über die Form und Farbe, merkst dass es rund und blau ist, siehst dass es ganz weit weg ist und doch so nah, entdeckst, dass es Adern hat, Flüsse und Seen, Wälder und Wiesen, Blumen und Schmetterlinge, Menschen und Märkte.

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Und du hörst und siehst sie plötzlich, die Heiterkeit und Sprache, die Bücher und Buchstaben, die Schlüssel und Schlüssellocher.

Durch eines schaust DU gerade hindurch! Angestrengt mit deinem rechten Auge vielleicht. Aber es schmerzt und brennt. Du versuchst es mit dem linken Auge und drückst es ganz nah auf das Schlüsselloch, wartest, bis dein Auge sich an die Dunkelheit gewöhnt hat und du ganz vage und düster, und Augenblicke bevor du aus deinem gerechten Traum erwachst, schemenhaft und zuerst undeutlich, eine graue und schmutzige Mauer dahinter sehen kannst, auf der irgendetwas geschrieben steht. Wie bunte Graffiti, wie flüchtig gepinselt, wie bloss für dich:

„Stell dir vor:

Hanf wächst auf fast jedem Boden in fast jedem Klima der Erde.
Hanf ist eine uralte Kultur- und Nutzpflanze.
Hanf ist die Pflanze, die sich am schnellsten vermehrt, mit dem sparsamsten Einsatz an Dünger, Pestiziden, Fungiziden, Herbiziden etc. etc. etc. etc.

Hanf ist eine Medizinpflanze und kann viele Krankheiten heilen.
Hanf stärkt das Immunsystem.
Hanf ist gesund für Menschen und Tiere,
Hanf ist trotzdem verboten. Warum?

Hanf ist verboten, weil Viele von diesem Verbot profitieren. Früher war dies eine scheinheilige Moral, heutzutage sind es multinationale Konzerne, multinationale Verbrechersyndikate – und eine scheinheilige Moral.

Hanf wurde in gleichen Jahr in den USA verboten (1932), in dem Nylon vom Chemieriesen Du Pont zum Patent angemeldet wurde. Es gibt konkrete Beweise, dass dies miteinander DIREKT zu tun hat!
Hanf ist die stärkste organische Konkurrenz einer anorganischen Wirtschaft.

Hanf ist ein guter Beweis, dass die freie Marktwirtschaft nicht frei ist.
Hanf ist nicht verboten, weil es eine Droge ist, sondern weil Hanf Öl, Kohle, Uran, Heroin, Kokain, Benzin, sauren Regen, bunte Pillen, erodierende Bergtäler, Ozonlocher und Ozonwerte, Baumwolle und Tabak, Mais und Hunger, Arbeitslosigkeit. Wurzellosigkeit und Masslosigkeit ersetzen könnte.

Hanf ist nicht verboten. weil es der Jugend schadet, sondern weil sich in dieser Pflanze der Samen einer gerechteren Zeit versteckt.

Hanf ist die Antwort der Natur auf viele Fragen unserer ratlosen Zeil.


Hanf ist Hightech-kompatibel.

Hanf ist biologisch an- und abbaubar.

Hanf ist die pflanzliche Schwester der Menschen.

Hanf ist GENIAL!”

Ende

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Diese ahnungsvolle Geschichte…

habe ich im kleinen Rahmen, fotokopiert, an Märkten in Zürich verkauft, vor mehr als einem Vierteljahrhundert, lustig illustriert. “Stell dir vor! Eine freundliche Geschichte über eine verbotene Pflanze”, war der Originaltitel. Der Erfolg war mässig… Wenn ich sagte, dass es um Hanf geht, haben mich die Leute blöd angeschaut! Oder gegrinst. Oder gefragt, ob ich ein Dealer sei. Dazu, daneben verkaufte ich Schmuck. Der interessierte die Leute eher…

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Schade, damals hätte es ja noch werden können!

Aber JETZT ??????

 

“Es ist immer schwer, Prognosen zu machen.
Besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.”

Mark Twain

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(Der Text ist eins zu eins so übernommen, wie ich ihn damals schrieb, ohne irgendwelche Änderungen, weder an Namen, Orten, oder sonst was! Hervorhebungen ausgenommen.)

 

 

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Der SCHREI !

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Der Schrei

Eine moderne Allegorie über die Welt – und ihre Zukunft.

(Ähnlichkeiten mit der Gegenwart sind reiner Zufall!)
Geschrieben 2009 im Dorf Titinge, auf den Salomonen Inseln.

1. Teil

Es war 12 Uhr mittags (aber Siko, der Sohn des Inselchefs von Taveuni, wusste dies nicht, da er noch nie eine Uhr gesehen hatte!), als er auf der Jagd einen Schrei hörte, im Bergdschungel dieser Insel, die genau auf der Datumsgrenze im Pazifik liegt.
Siko dachte, er sei alleine unterwegs, aber plötzlich wurde er sich gewahr, dass es noch jemand Anderen gab. Der Schrei war langgestreckt, zuerst tönte er voller Schmerz, dann voller Freude und er endete mit einem Stöhnen. Ob er von einem Mann oder einer Frau kam, konnte Siko nicht erkennen, es konnte beides sein, oder konnte auch von einem Kind stammen, ja sogar von einem Tier, einem mächtigen, verletzten, oder freudigen, oder gar fickenden Tier.
Seinen Pfeilbogen hatte Siko fallen gelassen, mit dem er gerade auf eine schlafende Fledermaus im Baum gezielt hatte und rief laut auf insulanisch “Hallo! Hallo! Ist da jemand?” Er wusste nicht einmal aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. “HALLO HALLO!” Rief er noch lauter in den Wald, aber niemand gab Antwort. Die Fledermaus im Baum erwachte, klappte ihre Flügel aus, liess sich fallen und flog davon. Vögel kurvten durch den dichten Wald und zwitscherten vergnügt.
………………
Es war neun Uhr morgens, desselben Tages, aber John Brown aus Darwin hatte keine Uhr dabei, als er in seinem kleinen Motorboot einen Schrei hörte. Der Motor war ausgeschaltet, also hörte er den Schrei gut und genau in dem Moment, als er sein Gewehr auf ein altes Krokodil angelegt hatte, das auf der Sandbank des Katherine Rivers am Schlafen war.
Der Schrei war langgestreckt, zuerst war er voller Schmerz, dann voller Freude, dann ebbte er aus in einem Stöhnen, wie in einem Orgasmus. John Brown war so perplex, dass er das Gewehr ins Wasser fallen ließ. Er hatte gedacht, er sei alleine und niemand schaute ihm zu, bei seinem verbotenen Tun, aber plötzlich merkte er, dass er sich getäuscht hatte. Zitternd stand er in seinem kleinen Boot und blickte um sich. Das Wasser war zu tief, um nach dem Gewehr zu tauchen. Ausserdem wimmelte es hier von Krokodilen.
Woher der Schrei gekommen war, hatte John Brown nicht die geringste Ahnung “Hello!” rief er etwas zaghaft, denn er wollte ja alleine bleiben. “Hello, ist somebody there?” Aber es kam keine Antwort. Das Krokodil schlief immer noch auf der Sandbank und ein Fischreiher flog lautlos den braunen Fluss hoch.
…………………
Es war Punkt sechs Uhr morgens desselben Tages, aber Mohammed bin Ali in den Bergen Afghanistans wusste dies nicht, als er einen Schrei hörte, genau in dem Moment, wo er einen Stein auf eine Ziege werfen wollte, weil ihm beim Ziegen hüten langweilig war. Vor lauter Schreck fiel ihm der Stein aus der Hand auf seinen Fuß. Er dachte, er sei alleine, aber plötzlich hatte er gemerkt, dass dies nicht stimmte. Der Schrei war sehr laut, aber trotzdem warfen die Felsen kein Echo, obwohl sie dies bei jedem Vogelschrei taten.
Es war ein langer Schrei. Zuerst hörte er sich an, wie ein Schmerzensschrei, aber er änderte sich zum Freudenschrei und dann zu lustvollem Stöhnen, wie Mohammed es manchmal aus dem Zelt seiner Eltern gehört hatte. “Hallo!” rief Mohammed auf Himalayanisch, “Hallo wer ist da?” Aber keiner antwortete ihm. Langsam blickte er in die Runde, musterte jeden Felsbrocken um ihn herum. Karges, graues Gestein umgab ihn auf allen Seiten, unterbrochen von grünen Bändern aus Gras.
Woher der Schrei gekommen war, hatte Mohamed Ben Ali keine Ahnung. Sein Herz schlug hoch, aber die Ziegen assen das spärliche Gras zwischen den Steinen, als ob nichts geschehen war. Zwei Bergadler zogen hoch am blauen Himmel ihre Kreise und suchten das Land nach Mäusen ab. Oder Lämmern, die nicht stark genug waren.
…………..
Es schlug gerade Mitternacht, am Anfang desselben Tages, aber Peter Flückiger hörte die Kirchturmuhr unten in Davos nicht, weil er im Kopfhörer Techno Musik hörte, während er auf dem Snowboard die beleuchtete Piste runter einem fliehenden Schneehasen hinterher sauste, als er plötzlich einen Schrei hörte, ganz laut und deutlich. Peter Flückiger riss sich instinktiv die Kopfhörer aus den Ohren, machte eine enge Kurve um anzuhalten, und knallte dabei in den dünnen Plastikpfosten der Pistenbegrenzung, der ihm einen Peitschenhieb auf die Beine gab. Mit offenem Mund, keuchend, stand er auf der Piste und musterte seine Umgebung. Er dachte, er wäre alleine unterwegs zu so später Stunde, und nun dies! Ein lauter Schrei eines Anderen. Wer bloß, fragte er sich, wer hatte da so laut geschrien, dass er dies selbst bei lauter Techno Musik hören konnte? Und was für ein Schrei es war! Zuerst voller Schmerz, aber dann voller Freude und dann voller Wollust. Peter Flückiger schaute den Berg hoch, schaute Richtung Tal, er versuchte im angrenzenden Wald etwas zu sehen, aber er hatte nicht mal eine Ahnung, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Alles um ihn herum war still. Vereinzelt schwebten Schneeflocken ins Licht der Pistenbeleuchtung. Der Schneehase war verschwunden. Dann rief eine Eule im Wald ihre traurigen Schreie.

………………..

Es war Punkt zehn Uhr abends Lokalzeit und 33750 Fuss über dem Atlantik, als Flugkapitän Bo Wong auf der engen Flugzeugtoilette einen Schrei hörte, genau in dem Moment, als er spülen wollte und noch schnell die verdauten Reste des Steaks ansehen musste, das er tags zuvor in Paris gegessen hatte. Sofort riss er die Toilettentür auf und überblickte mit angstgeweiteten Augen die Passagiere in der ersten Klasse. Alles schien in Ordnung zu sein, alle saßen ruhig da, sahen im fahlen Licht ihren Flugkapitän an, oder schliefen. Bo Wong ging schnell in das Cockpit zurück, wo er seinen Co-Piloten alleine gelassen hatte. Diesem schien auch grosser Schreck in den Augen zu stehen. “WHO THE FUCK CRIED?” rief er hysterisch.
Das Kabinenpersonal wurde angewiesen, das Flugzeug zu durchkämmen, nach etwas Auffälligem zu suchen und unter alle Sitzreihen zu schauen mit Handlampen. Was weder die Crew, die eben noch halb dösend in ihren Kochnischen zusammen gehockt hatte, noch die Passagiere, verstanden. Bloss hinten sass ein Mädchen, die eben noch alleine und weil sie nicht schlafen konnte, ganz hinten im Flugzeug aus dem Bullauge geblickt hatte, über das nächtliche Meer hinweg, die ihre schlummernden Eltern fragte: “Who cried?” Die Mutter machte die Augen auf, lächelte und strich ihrer Tochter über ihre blonden Haare. “Nobody cried!” sagte sie sanft. “WHO CRIED?” fragte das Mädchen jetzt aufdringlicher, als ihre Mutter es von ihr gewohnt war. Als die Stewardess unter die Sitzbank des Mädchens blickte, ganz am hinteren Ende des Flugzeugs, stand diese auf ihrem Sitz auf, dass sie ebenso gross wie die Stewardess war und herrschte sie an: “Tell me, WHO CRIED! I want to fucking KNOW it!”
“MELANIE!” rufte ihre Mutter empört, “So kenne ich Dich gar nicht!”
“Pssst!” hörte man plötzlich von Sitzen weiter vorne, “RUHE! Man kann ja gar nicht SLEEPING!”
Bo Wong und sein Co-Pilot Charles Meixner waren schwer beunruhigt und diskutierten darüber, was sie gehört hatten. Sie waren klare, logische Menschen, hatten kein Alkohol getrunken, kein Koks geschnupft seit über 48 Stunden, aber konnten sich trotzdem keinen Reim machen über den Schrei, den sie beide gehört hatten, aber niemand vom Kabinenpersonal, oder von den „Sheeps“, wie sie die Passagiere intern nannten.
Unbeirrt steuerte der Autopilot die Boeing weiter Richtung New York, kein Unwetter war am Radar erkennbar, am Himmel standen Millionen Sterne, aber der Mond war noch nicht aufgegangen. Über Funk erzählten sie ausführlich vom Schrei, aber niemand am Boden konnte sich einen Reim darauf machen, insbesondere, weil im Flugzeug alles routinemässig verlief, kein Alarm irgendeiner Art, nichts. Nur eine zweistrahlige Maschine über Texas funkte etwas über einen Schrei, den der Pilot gehört hatte, als er alleine im Cockpit sass. Sicher ein Zufall, funkte das Bodenpersonal und wünschte Allen einen guten Flug.
……………
Es war Punkt Zwei Uhr nachmittags und der ehemalige Präsident der einstmals Vereinigten Staaten von Amerika surfte bereits seit Mittag am Strand von Waikiki, als er einen Schrei hörte, obwohl er gerade in einer über ihm brechenden Welle surfte. Vor lauter Schreck fiel der ehemalige Präsident von seinem teuren Surfboard und wurde von der schäumenden Welle durcheinandergewirbelt, dass er nicht mehr wusste, was oben und was unten war. Ganz durcheinander zog er an der Schnur sein Surfboard wieder an sich heran, schwang sich darauf und versuchte die nächste Welle zu reiten, was ihm aber nicht gelang. So wurde er abermals durcheinander gewirbelt, bis er fast keine Luft mehr bekam. Schnell näherte sich ihm nun einer der Waterscooter mit seinen Bodyguards und dann ein zweiter und dritter, und gemeinsam hievten sie den ehemaligen Präsidenten auf den Rücksitz des ersten Scooters, der sofort Vollgas weiter fuhr, während von hinten sich der nächste Brecher näherte. “Wer hat da geschrien?” rief der ehemalige Präsident den Fahrer von hinten an, aber der zuckte nur mit seinen muskulösen Schultern und drehte den Daumen hoch. Alles Ok, Sir!
Schnell waren sie an Land, ein Sicherheitskordon aus starken Männern umgab sie, aber das war normal, weil der ehemalige Präsident der einstmals vereinigten Staaten viele Feinde hatte. Ratlos blickten ihn seine Tochter und seine Frau an, als er sie fragte, ob sie auch diesen Schrei gehört hatten. Sie hatten keine Ahnung von was er sprach. Ein langgestreckter Schrei, erzählte er ihnen keuchend, zuerst wie ein Hilferuf, aber dann wie ein Freudenruf, der in seltsames Gestöhne überging, das er nicht wusste, wie er es erklären sollte. Der ehemalige Präsident zitterte am ganzen Körper, seine Frau und Tochter waren in leichter Sorge um ihn.
Auf dem Meer vor Waikiki brachen sich gläsern die Wellen, bäumten sich auf, wie weiße Pferde, dann brachen sie wütend zusammen und leckten friedlich den weissen Strand. Die Blätter der Kokospalmen raschelten im lauen Passatwind des Pazifiks.

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2.Teil

Als Siko zu seinem Dorf auf der Insel Taveuni zurückgekehrt war, erzählte er sofort von dem Schrei, den er gehört hatte und alle Dorfbewohner versammelten sich um ihn. Schnell prüften sie, ob jemand fehlt im Dorf, aber alle waren anwesend, ausser Sikos Schwester Waipio, die noch von einem anderen Dorf her unterwegs war. Abends kehrte sie heim und im Licht des Feuers erzählte sie, dass sie einen Schrei gehört hatte. Das seltsame war, dass sie in einer ganz anderen Richtung unterwegs gewesen war, als Siko, was nun beide echt verwunderte. Beide redeten die ganze Nacht und hielten das Feuer am Brennen, bis morgens ihre Familie erwachte. Gegen Mittag kam ein Bewohner des Dorfes in der Nachbarbucht zu Besuch und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei, weil er gestern um Mittag herum einen Schrei gehört hatte, obwohl er mit dem Speer am Aussenriff tauchte. Siko, Waipio und Tofua gingen an den Strand und redeten mit ernsthaften Minen über etwas, was die Dorfbewohner nicht wirklich verstanden, aber sehr wohl interessierte.
…………..

John Brown fuhr noch längere Zeit den Katherine River hoch und runter, ohne jemanden zu entdecken. “Du hast zu viel gekifft!” sagte er zu sich selber, oder “Du wirst alt!” Schließlich kehrte er zu seinem Toyota Landcruiser zurück, fuhr den Anhänger ins Wasser, manövrierte sein Aluminiumboot in die richtige Position, kurbelte es auf den Anhänger und fuhr anschliessend zurück zu seinem Wellblechhaus im Outback Darwins, wo er seit vielen Jahren alleine wohnt und sich so gut es geht, vor den Menschen versteckt. Er startete den Honda Generator und schaltete das Licht an, denn der Tag ging schnell zu Ende. Er goss sich ein riesiges Glas mit selbst gebrautem Bier, rollte einen Joint, und versuchte, möglichst heute noch, diesen seltsamen Schrei zu vergessen.
…………..
Mohamed Ben Ali ging schnurstracks zum Zelt seiner Eltern zurück, die ihn laut beschimpften, weil er die Ziegen nicht mitgebracht hatte. “Aber der Schrei…!” Fing er an, sich zu erklären, als er bereits von seiner Mutter mit einem dünnen Ast gezwickt wurde. “Geh hoch, schnell, die Ziegen!” befahl die Mutter ihrem Sohn. Nochmals fing der an, von dem Schrei zu erzählen, aber alles was er zur Antwort bekam, war eine Schimpftirade. Bis sein Bruder ins Zelt trat. Er hatte den Schrei auch gehört, voller Verblüffung, dass auch Mohamed ihn gehört hatte. Er war ganz woanders gewesen, in einer Höhle dazu. Nun wurde die Mutter wortkarg. Der Vater sagte nichts. Er trat vor das Zelt, auf dem Rücken ein altes Gewehr und blickte zur anderen Seite des Tales, das himalajästetisch zu seinen Füssen sich ausbreitete.
………….
Peter Flückiger fuhr mit schmerzenden Beinen auf seinem Snowboard die immer noch beleuchtete Piste runter und dann in seinem Chevrolet Bronco direkt in seine Stammkneipe, wo es höllisch laute Musik hatte. Schnurstracks ging er an den Tisch, wo ein paar Freunde saßen, die seine WhatsApp Message gelesen hatten, über den Schrei, die er noch von der Piste aus verschickt hatte. Er konnte es ihren neugierigen Blicken ansehen. Er setzte sich, sein Nachbar schlug ihm auf den Rücken und schrie, „Komm schon, du brauchst ein BIIIEEEERRR!“ und hob die Hand, dass ihn die Bedienung sehen konnte. Peter versuchte zu lächeln, als seine Freunde ihm zuprosteten. Kurz danach wurde die Musik leiser gedreht, weil man schliessen wollte, aber Peter konnte nun endlich seine Geschichte erzählen.
“Du hast also einen Schrei gehört, obwohl du laute Musik mit Kopfhörern gehört hast…? Ok….? Und dann war alles STILL…? OK…?” meinte Hans Sieber und schaute Peter belustigt an.
Die meisten Gäste standen auf und gingen, nur Peter Flückiger und seine Freunde blieben sitzen und hörten immer belustigter die Geschichte über den Schrei.
Als Smartphones auf dem Tisch sich plötzlich alle zugleich meldeten, verlor sich das Lachen der Anwesenden zusehends. Luna hatte der Gruppe eine Message geschickt. Sie hatte den gleichen Schrei gehört wie Peter Flückiger. Dabei, und das war das Seltsame, war sie alleine am Campieren in Korsika und sass an einem Fluss am Feuer.
Auf Facebook hatte es plötzlich immer mehr Nachrichten von Fremden an völlig unterschiedlichen Orten, die von einem seltsamen, langgezogenen Schrei berichteten, die weiter verlinkt wurden. Auf Twitter war aus dem Nichts heraus ein Trend entstanden: #theCRY, #derSchrei, #leCRI. Zeitlich nur leicht verzögert, kamen aber auch Gegentrends auf: #esgibtkeinenSchrei! #thereisnocry! #whatcry
……………
Bo Wong und sein Co-Pilot, steuerten die Boeing sicher nach New York, wo sie auf dem La Guardia Flughafen landeten. Beide sahen irgendwie mitgenommen aus und sie öffneten ihre Cockpittüre nicht,während die Passagiere das Flugzeug verließen. Sie waren um gefühlte zehn Jahre gealtert, seit sie ihre Smartphones einschaltet hatten. Auf sämtlichen Medien weltweit ging es nur noch um den Schrei. CNN hatte eine Hotline eingerichtet, auf der Ohrenzeugen von dem Schrei erzählen konnten. Ihre Telefonlinie war so überlastet, dass Bo Wong nicht den Funken einer Chance hatte, durchzukommen, obwohl er und sein Co-Pilot es ein paar Mal versucht hatten, nachdem sie sich im Airport Hilton einquartiert hatten. Auf die Idee, zu duschen, kamen sie nicht.
…………….
Der ehemalige Präsident der einstmals vereinigten Staaten war immer noch verwirrt, aber niemand merkte es ihm an; er war geübt, seine Gefühle zu verbergen. Mit seinen Sicherheitsbeamten und seiner Familie wurde er zurück gefahren zum Haus des Schriftstellers Paul Theroux, ein alter Freund, bei dem er zu Besuch weilte. Das Haus lag direkt hinter Honolulu am Fuss der Koʻolau Bergkette und war umgeben von tropischen Pflanzen. Ein wahres Paradies für Schriftsteller!
Paul Theroux trat aus seiner Terrassentür ins Freie, als der ehemalige Präsident vom Surfen zurück kam und hiess ihn rein zu kommen, ziemlich schnell. Er war nicht zu Scherzen aufgelegt, er war ernst und nervös, was er sonst nie war. Er lud den ehemaligen Präsidenten aber, kaum dass er im Entree war, zu einem Spaziergang in den Garten ein, wo er ihm, kaum dass sie alleine waren, erzählte, dass er vor etwa einer Stunde einen seltsamen Schrei gehört hatte, während er in seinem Schreibzimmer ein Manuskript korrigierte. “Hat es sonst Jemand gehört?” wollte der surfende Expräsident wissen? “Nein, ich war alleine…”
Sie blieben eine Weile stehen im Schatten eines Mangobaums. Der ehemalige Präsident wirkte trotz seiner Bräune plötzlich etwas fahl. Paul erzählte ihm, wie er nach dem Schrei diesem sofort nachgegangen sei und im ganzen Haus und Garten nachgeschaut hatte, ob jemand Hilfe brauchte. Aber er war ganz alleine zu Hause, und so lief er zu seinen Nachbarn rüber, die außerhalb der Höhrweite in einer weißen Villa im viktorianischen Stil lebten. Die Frau des Hauses, Peleana Summertale, öffnete die Tür und bat Paul herein. Im Salon übte ihre Tochter Klavier, ihr Sohn saß mit einer Fernsteuerung in der Hand vor dem Fernseher und spielte ein Game, ohne auch nur hochzuschauen. Paul erwähnte nichts von dem Schrei den er gehört hatte, er wollte nicht für Unruhe sorgen, vielleicht hatte er sich ja verhört, vielleicht war es ein Vogel, der ihn foppen wollte. Er wirkte etwas verwirrt, verabschiedete sich gleich wieder und ging zurück in sein Haus. Dort hatte er sich in sein Schreibzimmer begeben, die Tür verschlossen und durchs Fenster den Garten beobachtet, bis der ehemalige Präsident vom Surfen zurückgekehrt war.
So erzählte Paul es ihm und blickte ihn ratlos, aber kaum beängstigt an. Die Vögel im Garten zwitscherten, weil es leicht zu regnen begann, sein Hund brachte ihm einen Stock. Er hatte schon öfter Stimmen gehört.
“Strange!” antwortete der ehemalige Präsident nach einer längeren Pause, für die er so bekannt war, weil er sich immer Zeit zu nehmen wusste. “Very strange! Und wie genau hat der Schrei sich angehört?” fragte er. “Es war ein langgezogener Schrei, zuerst hörte er sich wie ein Hilfeschrei an, dann änderte er sich zum Freudenschrei, dann verklang er in einem Stöhnen, wie, nun ja, wie ein Orgasmus.” Ob dies von einem Mann stammte, oder einer Frau, oder einem Kind, konnte er nicht sagen.
„Hast du die Polizei benachrichtigt?”
Der ehemalige Präsident lief nun sofort zu der kleinen Gruppe grosser Leibwächter, die im Garten neben einem Springbrunnen Hamburger assen und ihn schon im Auge hatten. “Sucht den Garten ab, ob ihr etwas Auffälliges seht! Schnell!” befahl er laut. “Und drei bleiben bei mir!”
Verwundert standen seine Bodyguards auf und begannen den Garten zu durchsuchen, schauten in Büsche und hinter lianenverhangene Bäume, als plötzlich über Funk aufgeregte Gespräche hörbar wurden.
Paul Theroux verschwand derweil in seinem Haus und telefonierte der Polizei von Honolulu. Obwohl dies die Notrufnummer war, kam fünfmal das Besetztzeichen und erst beim sechsten Mal meldete sich eine Männerstimme, der er erklärte, dass er vor ungefähr einer Stunde einen Schrei gehört hatte, den er sich nicht erklären konnte. Der Mann am Telefon machte für hawaiianische Verhältnisse einen gestressten Eindruck und bellte zurück, dass die Polizei von Honolulu bereits hunderte Anrufe aus allen Teilen Hawaiis bekommen habe von verängstigten Menschen, die irgend einen GODDAMN CRY gehört haben wollen. Dann klickte die Leitung und Paul starrte auf sein Festnetztelefon: Was geht hier in Hawaii eigentlich vor sich?
In der Ferne hörte er näher kommende Polizeisirenen und durch das offene Fenster drang das Knattern eines Armeehelikopters, der am unteren Teich zur Landung ansetzte. Der Teich wurde vom Rotorenwind leer geblasen, mitsamt einem dort brütenden Paar Flamingos und ihrem Nest. Paul schluckte leer, dabei war er voller Fragen. Von fünf Bodyguards zum Helikopter geleitet, enterte der ehemalige Präsident die Maschine, die sofort durchstartete in Richtung Pearl Harbour. Mit dem Fernglas schaute Paul Theroux ihm nach und setzte sich dann hinter seinen Computer, seiner einzigen Verbindung raus aus seinem Privatparadies. Er hatte weder Smartphone, noch TV. Er war immer stolz auf seine Ignoranz gegenüber Medien. Er wollte immer selber das Medium sein.
Paul konnte nicht glauben, was er auf der Washington Post las. Mit steinerner Miene verfolgte er News, die von nichts anderem berichteten, als von einem komichen Schrei, den tausende Menschen weltweit gemeldet hatten, während tausende andere Menschen keinen blassen Schimmer hatten, von was hier geredet wurde.
…………..
Schnell verdichteten sich Hinweise, dass niemand, der den Schrei gehört hatte, Ohrenzeugen nennen konnte, die dabei waren. Keine Gruppe schien diesen Schrei gehört zu haben, sondern nur Leute, die zu diesem Zeitpunkt alleine waren, im Wald, im Auto, auf der Toilette, im Lift, in Tiefgaragen, auf Berggipfeln. Und das waren Viele…
Innert wenigen Stunden wurde eine Umfrage lanciert, ob man den Schrei gehört hatte, oder nicht. Die Zahlen gingen wie Raketen in die Höhe. Tausende, Hunderttausende, dann Millionen, die ihre Stimme abgaben.
Natürlich kam sofort die Frage hoch, ob jemand den Schrei zufällig aufgenommen hatte, aber dies schien eigenartigerweise nicht der Fall zu sein. Eine Frau aus der Schweiz zum Beispiel, die sich auf einer Wiese beim Yoga filmte, während sie den Schrei hörte, konnte diesen beim Abspielen nicht hören. “PURE Stille!” kommentierte sie auf Facebook. “I GLOB, I SPINN!”
Ein globales Stirnrunzeln hob an, als zwei Seiten versuchten, die andere Seite zu überzeugen. Nichts wirkte FAKER, als Berichte über einen angeblichen Schrei, für die, die ihn nicht gehört hatten.
Die, die ihn aber gehört hatten, waren gar nicht so erpicht darauf, dass am anderen Ende der Welt und zum exakt gleichen Moment der Schrei AUCH gehört wurde. Das machte nur alles kompliziert plötzlich… SEHR kompliziert!

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(Oben; Gezeichnet 2010)

Schnell wurden Wissenschaftler befragt, die auch den Schrei gehört hatten, ein Ingenieur aus dem CERN in Genf zum Beispiel, der tief drin im Ringbeschleuniger alleine Glasfasern montierte. „Was sind plötzlich die Fragen meiner Zunft, im Vergleich zu der, nach dem Ursprung DIESES Schreis?“ Fragte er sich leicht philoophisch vor laufender Kamera und mit bebender Stimme. Es handelte sich offensichtlich um einen sehr rares, aber wohl grundsätzlich SICHER erklärbares Phänomen. GANZ SICHER!
Auf cryforscience.org, das etwa sechs Stunden nach dem Schrei gegründet wurde, verbanden sich Akustiker weltweit miteinander – und dann die komplette Naturwissenschaft. Psychologen brabbelten von einer Massenpsychose, die aber nicht unberechtigt schien, angesichts der Unheimlichkeit dieses Phänomens. Webseiten öffneten ihre Tore, um die plötzliche Neugier in ihre eigenen Bahnen zu lenken. Leichtgläubige hörten aus dem Schrei ein quasi göttliches Omen und wehklagend sahen sie das Ende der Welt nun endgültig und GOTTSEIDANK gekommen.
Andere wiederum hörten schon lange ein neues Zeitalter kommen, das nun endlich begann. Eine Glocke schien geschlagen zu haben, aber WEM…?

Und es war noch kein Tag vergangen… Die Indianer der Welt schlossen sich zu Zirkeln zusammen, online und offline, und glaubten, zu spüren, WER geschrien hatte. Aber wie sie nun antworten sollten, fiel ihnen nicht ein. War ein riesiges Unglück passiert, irgendwo in der Mitte von Mutter Erde?
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Es hatte ersten Berichten zufolge, nirgends auf der Welt ein Erdbeben gegeben, kein Hurrikan bedrohte bewohnte Küsten, keine Tsunamis wurden gemeldet. Haustiere hatten keinerlei Reaktionen gezeigt. Vögel hatten nicht aufgehört, zu zwitschern. Bloss Kühe schienen verängstigt gemuht zu haben. Aber nur kurz. Gestützt auf immer breitere Anfragen bei Polizeibehörden weltweit ergab sich, dass auch in relativ kleinen Massstäben nichts Nennenswertes passiert war. Keine Massenschiesserei in Amerika, keine Autounglücke auf deutschen Autobahnen, keine Waldbrände im Amazonas. In Amsterdam wurde kein einziges Fahrrad geklaut – während fünf Minuten.
Kein Flugzeug war abgestürzt, keine Züge kollidiert, kein Staudamm geborsten. Auf diesen kurzen Moment bezogen, schien alles Schlimme, alles Böse, ganz kurz ausser Kraft gesetzt. Ein Freudenschrei der Zeit vielleicht? fragten sich die “gut Informierten”. Ein “einmal in einer Million Jahre Menschen Moment“, die „Uninformierten“.

Es war nichts passiert, aber Alle redeten darüber. (Es war wie die Spiegelung der Wirklichkeit, in dem so viel passiert und niemand drüber redet…)
…………..
Auf dringende Anfragen von Medien und Politikern und Geheimdiensten nach irgendwelchen konkreten Beweisen, meldete sich am darauf folgenden Tag ein junger Trommelspieler aus Zimbabwe, Lubama Makeli, der zum Zeitpunkt des Schreis am Aufnehmen seiner Trommelklänge war, mit einem analogen Tonbandgerät, Made in Germany. Er hatte den Schrei aufgenom-men und konnte ihn auch so abspielen, dass man ihn hören konnte. Seine Trommel schwieg, kaum, dass der Schrei begann. Lubama sass beim nächtlich-en Trommeln auf dem Rand eines Ziehbrunnens und dachte zuerst, dass Jemand in den Schacht gefallen war. Man hört ihn rufen, noch bevor der Schrei verklungen war. Woher der Schrei gekommen war, konnte er sich nicht erinnern. Es kam immer mal zu Schreien in seinem Dorf, also nahm er ihn nicht allzu ernst. Am nächsten Tag, als er seine Facebookseite sah, überkam ihn ein Schaudern. Er spielte die Tonbandaufnahme ab und konnte deutlich den Schrei hören. Lubama nahm die analoge Tonband-aufnahme mit seinem Smartphone auf und stellte die Datei in seine Timeline.
Rasend schnell wurde der Audiostream geteilt von Lubama Makelis vielen Freunden in ganz Afrika und mit Antworten versehen, von Leuten, die genau den selben Schrei gehört hatten, überall, weltweit, selbst in der Antarktis.

“Creepy SHIT!”, war sagte letzte Eintrag, bevor Lubamas Profil nicht mehr abrufbar war.
……………….

Wenige Stunden später erschien eine noch nie dagewesene Message auf der Startseite von Facebook – in Rot – dass die Webseite wegen Überlastung momentan nicht erreichbar ist. Man sei am Suchen einer Lösung. So long! Mark Zuckerberg.

Ähnliche Hinweise wurden kurz darauf auf Twitter gezeigt.

Nachrichtenseiten kollabierten wie Dominosteine rund um die Welt.

Bevor ein weiterer Tag begann, war das Internet zusammengebrochen.
Computer gaben nur noch blaues Licht, zu mehr konnte man sie nicht mehr brauchen. Abschalten konnte man auch nicht, ebenso Smartphones, sie erlöschten nach und nach, während die Batterien leer wurden.

Im Fernsehen sah man noch ein paar Tage verstörte Gesichter selbsternannter Experten, die Mutmaßungen aller Art anstellten, von Paralleluniversen bis zum radioaktiven Unterbewusstsein, oder der Thermodynamik der Psyche.

Moderatoren stammelten wirre Sätze auf den wenigen verbliebenen Radiosendern, unterbrochen vom endlos wiederholten Abspielen des Audiostreams von Lubama Makeli aus Zimbabwe.
Flugzeuge starteten kaum noch. Ob sie ankamen, wusste man nicht mehr.
Banken schlossen von Innen ihre Tore und Banker schliefen auf ihren Pulten. ……………..
Stromnetze weltweit brachen ein. Die weltweite Kommunikation funktionierte nur noch über altmodische Kurzwellenfunkgeräte, die nur wenige alte Männer bedienen konnten. Und nur, wenn sie Solarzellen hatten.
Anstatt von Nachrichten auf der Höhe des Zeitgeschehens gehalten zu werden, wogten plötzlich wilde Gerüchte, wie Wellen, von Stadtteil zu Stadtteil fast aller Städte der Welt.
Aber das wusste niemand….

TheTwoOfOz

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3. Teil

Die Insulaner vom Taveuni hatten bereits nach einer Woche ihren gewohnten Lebensrhythmus wiedergefunden, nachdem sie nachts schwere Lieder gesungen hatten, um grosse Feuer herum getanzt hatten und der Dorfälteste unverständliche Sprüche von sich gegeben hatte und mit den Augen gerollt hatte im Schein des Feuers, bis Alle lachen mussten. Wer auch immer geschrien hatte, sagten sie sich, war wohl ein Waldgeist. Oder ein Meergeist, denn der Schrei war ja auch unter Wasser gehört worden. Sie wussten aus alten Geschichten, dass es Geister gab. Das half ihnen.
……………….
In jenem Sommer gab es nicht mal einen Wirbelsturm und die Ernten waren üppiger, als in den Jahren zuvor. Siko wurde im folgenden Jahr Vater eines strammen Jungen, den er Kanoa taufte.
Nichts gab es, das den Frieden der Insulaner stören konnte. Die einzigen Änderungen seit dem Schrei, die den Insulanern Taveunis irgendwann auffielen, war, dass sie nie mehr Touristen zu Gesicht bekamen.
Es hatte auch früher nicht viele, aber seit dem Schrei kam niemand mehr. Und am Himmel haben die Einwohner Taveunis nie wieder ein Flugzeug gesehen.
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4.Teil

Mit zwölf war Kanoa bereits ein guter Bogenschütze und schoss in den Bergen viele schlafende Fledermäuse von den Bäumen. Eines Tages, als er alleine im Wald war, und gerade als er seinen Bogen anlegte, auf eine fette Fledermaus in den Wipfeln eines Mangobaumes, hörte er plötzlich ein kurzes Kichern, ohne dass er feststellen konnte, woher es kam. Vor lauter Schreck liess Kanoa den Bogen fallen und rannte, so schnell ihn seine Beine tragen konnten, zurück in sein Dorf am Meer.

Ende.

AlohaSurfer

 

 

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Im Tal der Tabus

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Hilfe, ich stecke fest im Tal der Tabus! Das Zeitalter des Tabus begann in Europa mit der Entdeckung Polynesiens. Soviel zur Verordnung des Wortes Tabu.

Nur etwa hundert Jahre nach der Einführung des Tabus in der deutschen Sprache… schon ruft überall die Tabulosigkeit, klopft das Tabufreie an den Flachbildschirm der Gegenwart. “Tabu, hau ab!” – dabei hat man dieses Wort doch gerade erst in den Wortschatz aufgenommen. Wozu also diese Eile..?

Wir Europäer wissen alles mögliche, nur “das Tabu” bleibt uns fremd, ist uns unheimlich. https://de.wikipedia.org/wiki/Tabu
Ebenso, wie die Tabus selber tabu werden…., sind auch Utopien tabu geworden, unsere Welt aber zum Spielplatz kleiner Utopien geworden. Die Welt ist neuerdings aufdringlich geworden, man erfährt mehr als man wissen will. Informiert zu sein, ist Bürgerpflicht. Wer lieber aus dem Fenster raus schaut, statt in einen Fernseher rein, wirkt bereits ganz leicht verdächtig. Aufgeklärt, informiert müssen wir sein, das ganze Leben ist zum Lernen da, jedes Problem will gelöst werden, jedes Tabu beseitigt.

Außer………………………………………………………………………………………….. dumm zu sein!
Dummheit – so denken nun ganz viele Gescheite – hat es nun aber ECHT verdient, Tabu zu bleiben, es sogar immer mehr zu SEIN!
Alle Deviationen von der Normalität werden geduldet, und/oder gefördert. Sex, Religion, Kunst, viehisches Wirtschaftsgebaren, Medien, Politik, Nachbarn. Man kann gegen Gesetze verstoßen, nicht mehr aber gegen “gute Tabus”.
Es sei denn, man ist dumm. Dumm und arm. Dumm und reich ist kein Problem, dreist und reich auch nicht, aber dumm.
Dumm und arm. Dumm und arm und genügsam. Bruder der Erde, von der Erde aus betrachtet. Auch er, so fordert das Tabu der Neuzeit, möge Kurse nehmen, sich bilden, sodass er wertvolles Mitglied der Gesellschaft wird, viel Steuern zahlt, tagsüber Arbeit verrichtet, sich vor dem Bildschirm weiter bildet, bis er so eingegliedert und ausgebildet ist, dass er darauf stolz sein darf auf seinen CO2 Footprint.
Der Bruder der Erde könnte das auch, mit umgekehrten Vorzeichen, aber das verbietet eine Art gesellschaftliches Tabu. Es ist nicht gesetzlich verboten, genügsam zu sein, oder dumm. Aber es verstößt gegen ein Tabu, insbesondere, wenn man es darauf beruhen lässt, dumm zu sein – um darauf lächelnd am Fenster zu stehen und den Sonnenuntergang zu geniessen und sich auf die Nacht zu freuen. Während alle Gescheiten die Nachrichten schauen, weil gerade mal wieder ein neuer Weltkrieg ausgebrochen ist. Seelig waren früher die geistig Armen, ungefähr bis zur Reformation. Von Luther bis Pestalozzi, bis Stephan Hawkins, bis Dawkins, eine nicht endende Prozession an gut meinenden Lehrern.

Komisch, wie gut die Welt auch in schwärzester Dummheit seit Millionen von Jahren funktioniert. Komisch, verdächtig komisch, dass ohne Schaltpulte und Warnlampen ein solch komplexes Gebilde, wie unsere Erde, sich formte. In Moleküle, DNA, Augen, Menschen, Poesie. Dass Intelligenz irgendwie die Welt bedeuten KÖNNTE, ist hiermit gar nicht so klar… Bedeutung und Beschreibung sind nicht dasselbe!

Scheinbar natürlich beschreiben wir die Welt, kleben Schilder an ihre Elemente, schauen der Evolution über die Schulter, berechnen die Distanzen zu Sternen, aber gemacht hat sich alles von selbst, in geradezu, in uns Menschen verspottender Dummheit.

Und nun plötzlich also, soll Intelligenz unsere Affären mit der Welt richten? Die Welt hat ein Schaltpult gekriegt, an dem niemand hockt. Tabufrei betrachtet leben wir in einem Experiment. Es hat sich niemand ausgedacht, es hat sich so ergeben, der Ausgang des Experiments wird in Kürze erwartet, zumindest ein Zwischenergebnis. Nun, wo man die Erde steuern kann. Oder könnte.

Alles liegt schonungslos vor uns. Ein harter Ruck des fliegenden Teppichs auf dem unsere Moderne residiert, spannt die Teppichetagen der Businesswelt an, die auf Zerreiss und Verderb weiterfliegen möchte und weiter, und noch weiter fliegen möchte, auf ihren fliegenden Teppichen. Ich höre ihre Teppiche flappen und die Kordeln zischen im Wind. Ich höre sie jeden Tag. In unerreichbare Distanz fliegen sie über mir vorüber, gegen den ärgsten Wind. An langen Leinen lassen Sie Ihre Windhunde durch die immer noch grünen Auen springen, und wenn sie ihre Windhunde wieder hochziehen, haben sie gleich auch Truthahn und Hasen.

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Ich sehe sie jeden Tag, sie sind da, die Trolle in der Luft, die Kapitäne der fliegenden Teppiche. Ich höre die Luft rascheln über mir, ihre Jaguare brüllen sanft im Dunkeln, wenn ich über die Strasse will. Ich spüre ihre Abwärme. Ich sehe ihr ABLICHT.

So verlieren wir den größten Verbündeten des Geistes, die Dunkelheit. Die Nacht und das Nichts kennt niemand mehr. Hut ab, gleich den ganzen Planeten zu beleuchten…, aber wozu?
Es braucht den Tag und es braucht die Nacht. Die Nacht steht in ihrer hauptsächlichen Qualität, nämlich ihrer Dunkelheit, verletzt in unserer Lebenswirklichkeit. Aber wie reagiert eine auf Symbolik vernarrte Spezies auf die Abschaffung des kompletten Sternenhimmels? Wie reagiert eine Spezies, wenn man sie erblinden lässt – vor der Dunkelheit? Vor der Wirklichkeit?

So bleibt bald nur noch der Mond, den wir wahrnehmen. Aber Sterne…? Wo bleibt der Marsgott, die Venusgöttin, wieso gibt es plötzlich nur noch den Mond, um den sich Alle kümmern, besonders wenn er sich verdunkelt? Wo keine Sterne mehr belustigen und Rätsel aufgeben, weil sie nicht mehr zu sehen sind, muss der Mond nun da sein und herhalten für unser spirituelles Suchen? Aus “Poly-astronomismus” ist somit “Mono-astronomismus” geworden. (Ob Monotheismus nicht auch durch zuviel Licht, durch zu große Feuer entstanden war? Wodurch der Mond das einzige Objekt am Himmel war, das man nachts sehen konnte. Zu den wichtigen Stunden des Geistes…)

So ist das uns alle Überragende schlicht nicht mehr sichtbar. Seine Relation zum Weltenall kann der Mensch nicht mehr sehen – aber wissen soll er es! Als Zahl im Kopf, statt als Gefühl im Herzen. Frauen dürfen zwar nicht verschleiert sein – eines der seltenen Tabus des Westens – aber die Sonne? Und weiter solls gehen, immer mehr Rauch aus allen Kaminen, bis der Himmel eine Mattscheibe geworden ist, die abwechselnd hell und halbdunkel ist….?

Das ist das zweite Tabu, nach dem ersten – dumm zu sein – nämlich…, dumm zu bleiben und fröhlich den Sonnenuntergang zu genießen, der gerade heute mal wieder so klar ist, wie selten. Das zweite Tabu heißt, wenn überhaupt, kritisiere klein, in handlichen, wegwischbaren Portionen. Ansonsten, hau ab auf eine Insel, Jungs, Mädels, die größer kritisieren, die tiefer lästern!

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Ja, und so dumm reden wir hier auf einer der Inseln, wohin wir bitte abhauen sollen.So reden wir hier im Tal, wo das Wort Tabu herstammt, und lachen uns tiefe, bleibende Schrammen in unsere gut gebräunten Gesichter.
Ich bin hier eine Art Moderator, der einzige, der nicht säuft und zufällig als Schweizer zur Welt kam, sich in Europa des letzten Jahrhunderts noch auskennt, und gerne darüber erzählt. Es freut die Tal Bewohner, einen Europäer kennenzulernen, der Europa auch nicht versteht. Unten am Wasserfall, im Tal des Tabus.

Wir geben uns redlich Mühe, diese Tabus nach und nach aufzugeben, aber der Ort prägt. Gebückt von der Last der Berge auf beiden Seiten des Tales, wandeln wir im Kreis und suchen und finden nichts als Rätsel. Sich fragend wandelt der Mensch hier im Land der Tabus, durstig nach Blicken hinter die Bühnendekoration seines Zeitalters.

Solche Dinge bereden wir hier im Land der Tabus, weit weg vom Kontinent namens Realität. Asien ist im Westen, Amerika im Osten. Verkehrte Welt! Aber Märchenwelt für Denker und Surfer. Man fühlt sich beschissen erhaben hier!

Im Tal der Tabus, auf dem Tempel der Tabus, sind neulich alle Tabus gefallen – frei wie der Regen plätschern wir seither tabulos dahin, versuchen Wilde zu sein, sind aber mehr primitiv, denn wild, bleiben wohl ewig noch Anfänger im Bogenschießen und Hütten bauen, Anfänger im Feuer machen und im Fisch räuchern. Anfänger in fast Allem, auf was die Zukunft uns drängt, würde sie uns beraten.

Gut wollen wir hier sein, gute Wilde, einer grundlosen Existenz nach schwimmend. Der gute, neue Mensch als sich selbst animierte Gopro-kamera, seine “Back to Nature”, “into the wild” Filmchen drehend, bis die Batterien schlapp machen.
Man wähnt sich unter Beschuss “des Wilden”, wenn man die Glitzerlampe namens YouTube einschaltet. Millionen Filme, die nichts anderes sagen, als, “Schalt die Lampe sofort wieder aus und geh raus!

Das allergrößte Tabu heißt aber TROTZDEM, nie eine Woche lang offline bleiben, die Verzahnung mit der großen Internet-Kathedrale nie unterbrechen, den Hammer nie ins Getriebe schmeißen, indem man dem Getriebe gar nicht mehr zuschaut. All dies ist das grosse, neue Tabu – das so neu gar nicht ist! Auch die Kirchen erzählten uns mehr, als wir wissen wollten… Und wir ihnen auch…

Sich an seiner eigenen gesunden Dummheit zu erfreuen, seiner gepflegten Ahnungslosigkeit, seiner sorgsam gehüteten Inkompetenz für Detailfragen, sich aber trotzdem große Fragen an unsere Zeit zu stellen, heißt doch wahre Lebenskunst! Etwa so galoppiert es sich humorvoll und voll des treffenden SPOTTES durch die neuen Länder der alten Tabus. Wo sich die Leute erschrecken, weil keine neuen Posts mehr erscheinen. Welch HERRLICHE Vorstellung!

Smartphonelose Wesen, frei von der Drahtlosigkeit – die den längsten Draht überhaupt gesponnen hat – Gestalten ohne geistige Nahrung, Wilde oder Primitive. Man wird noch sehen…
Auch Dummheit KANN erleuchten! Dumme Fragen sind vielleicht die BESTEN, die es überhaupt gibt!

Wo ist der Sternenhimmel geblieben?
Geschrieben 1. November 2016 im Waipio Tal, Hawaii

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